Contents : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Num̃m̃er  11

Der  K##  #  Let.

Der  „Baralong“-Fall.

Berlin,  13.  Jan.  Im  Hauptausschuß  des
geichstages  wurde  heute  der  „Baralong“Fall
vertraulich  eingehend  erörtert.  Der  Regierungsrertreter
  gab  die  gestern  erteilte  Antwort  der
deutschen  Regierung  auf  die  englische  Note  belamt.
  Von  allen  Seiten,  auch  vom  Redner
der  sozialdemokratischen  Fraltion,  wurde  bei
dieser  Gelegenheit  den  Führern  und  Mannsckaften
  der  U-Boote  das  größte  Lob  gespendel.
  Ihre  Pflichttreue  und  Leillungen  lönnten
nicht  hoch  geung  geschätzt  und  anertannt  werden.

Der  Vorm  urf  unmenschlicher  Handlungen  ihrerseils
  wurde  in  schärifter  Weise  als  unbegrünoet
mrückgewiesen.

 

P#s  BSailavunternehmen.

Vor  dem  Augriff  auf  Saloniki?

Lugano,  13.  Jan.  „  Giornale,  d'Ita#lia“
meldet  aus  Athen:  Am  Dienstag  hat  den.  ganzen
  Tag  in  der  Gegend  von  Doiran,  100  sich

die  englischen  Truppen  in  vorzüglichen  Verschanzungen
  befinden,  unaufhörlich  Bembardement
  stattgefunden.  Der  Angriff  entiridelt  sich
scheinbar  in  großem  Stlile.

Wie  die  „Agence  Havas“  meldet,  begann  die
Veschießung  der  englischen  Stellungen  in  der  Gegend
  von  Doiran.  (0X.)

Athken,  13.  Jan.  Das  Regierungsblatt
„Neon  Ailil“  meldet  im  Gegensatz  zu  den  Berichten
  der  Ententepresse,  daß  in  den  französischen
  Verschanzungen  vor  Salonili  Mangel  an
schrerer  Artillerie  herrsche,  die  er  aus  MarherLeigeschafft
  werden  müßte.

Die  Fliegerangriffe  auf  Saloniki.

Amsterdam,  13.  Jan.  Aus  London  wird
gemeldet,  daß  nach  Privatmeldungen  aus  Saloniki
  bei  dem  Fliegerangrilf  auf  das  Lager
der  Verbündeten  am  7.  Januar  große  Munihionstransporte
  explodierten.  wodurch  zahlreiche
Wagen,  Pferde  und  Material  vernichtet  wurden.
Durch  eine  Vombe  geriet  ein  Zelt  in  Brand,
dem  alle  dort  befindlichen  Vorräte  zum  Opfer
sielen.  Ueber  100  Mann  wurden  getotet,  darurter
  zuei  Offiziere  und  ein  Arzt.  Unter  den
zir  ischen  Truppen  brach  eine  Panik  aus,  da
vor  Fliegerübersällen  große  Furcht  unter  den
Indern  herrscht.  Die  Verluste  auf  französi=1
  Seite  scheinen  auch  nicht  geringer  gewesen
zu  sein,  da  bei  diesen  Abteilungen  stundenlang
Rrände  wuteten.  (3.)
Die  Hegqe  in  Griechenland.

Athen,  13.  Jan.
Hetzarbeit  hat  noch  nie  eine  dcrarüige  Jene
lat  erreicht  wie  gerade  jelt.  Alles,  was  gegen
König  Konstantin  und  die  Mittelmächte  sein
lomte,  wird  benntt.  Die  hiesigen  Ententeorgane
  scheuen  sogar  nicht  vor  den  plumpften
Falschungen  zurück,  um  in  der  Salonili.  Frage
Vermirrung  hervorzurusen.  (#.)

Die  verhgfteten  Ronsuln  von
Moytilenc.

Geuf..  13.  Jan.  Die  Blätter  melden  aus
Pario:  Die  Entente  lehnte  die  Freilassung  der
in  Mytilene  verhafteten  Konsuln  ab,  trotzdem
i##e  griechische  Staatsangehörige  find.  (Z.)  „

Eine  italienische  Warnung
an  England.

Bern,  13.  Jan.  Ein  Leilartikel  des  Neapeler
  „Mattino“  beschäftigt  sich  mit  der  englischen
Krisis  und  bezeichnet  diese  ald  eine  bedauernswerte
  Erscheinung.  Von  alien  Jialien  verbunderen
  Vollern  sei  das  englische  Voit  dasjenige,
das  Italien  am  fernsten  stehe.  Bei  den  Italie—
nern  errege  es  Erstaunen  und  Unruhe,  daß  gerade
  jener  Staat,  der  andere  zu  dem  Kreuzig
gegen  die  Mittemächte  aussorderle  und  der  au-Lenklicklich
  den  größten  Gefahren  ausgeseht  sei,

sich  seiner  bedrohten  Lage  nicht  bewuhzt  werde
und  sich  nicht  aufrassen  könne.  England  dürfe
nicht  länger  mit  dem  Feuer  spielen.  Leider

nmerde  es  noch  immer  von  dem  Geiste  seiner
schled  testen  Politiler  heĩeelt.  Churchill,  der  Held
des  Falles  von  Animerpen  und  des  Fiasto
an  den  Dardanellen,  der  neuropathische  Relameredner,
  sei  war  gegangen,  aber  seine  Melloden
  herrschten  im  Ministerium  meiter.  Angesichts
  der  Opposition  der  Gewerlschaften  und
des  Miherfolges  Lord  Derbye  hätte  Ad#quith
echen  sollen.  Allein  er  bleibe  wie  eine  Auster
an  der  Ministerbant  hängen  und  suche  sich  durch
Compromisse  in  der  Militärpflicht  zu  retten.
Ozwischen  aber  habe  der  Feind  oie  Brüke
n-  Berlin  und  Konstantinopel  gebaut.  Von
ellen  Seiten  drohe  der  Entente,  besonders  England
  im  Ballan  und  im  Orient,  Gesahr.  In
London  aber  dislutiere  man  und  mache  dipio
dalische  Schachpartien.  Das  von  Italien  geraumte
  England  sei  ein  anderes  gewesen.  Die
ntente  dürsfe  zwar  die  Hoffnung  auf  den  Sien
dicht  aufgeben,  doch  sei  eines  heute  schon  sicher:
as  Prestige  und  die  Vorhkerrschaft  Englande
seien  auf  immer  vorbei.

 

 

Der  Kamyf  um  die  Dardemesen.

Die  Vertreibung  der  Engländer  von
Gallipoli.

Konstantinopel,  13.  Jan.  Das  Hauptquartier
  teilt  mit:  Die  Schlacht  vom  8.  Januar
  und  in  der  Nachl  vom  8.  zum  9.  Januar,
die  mit  der  Niederlage  des  Feindes  bei  Sedd
ul  Bahr  endete,  spielle  sich  folgendermaßen  ab:

Die  verminderte  Lätigkeit  den-  seindlichen
Landartillerie,  an  deren  Stelle  die  Schiffsartillerie
  getrelen  nar,  die  Anuesenheit  zahlreicher
  Transportich:ef  lei  der  Landungsstelle,
sowie  der  Umitand,  daß  der  Feind  neuerlich
Hospitalschisse  Zur  Wegschaffung  von  Tiuppen
mährend  des  Tages  mißkrauchte,  lies  auf  eine
bhevorstehende  Flucht  des  von  unserem  bestigen
Artillerieseuer  deumuligten  Feindes  schließem.
Es  wurden  alle  Maßregeln  getroffen,  um  dieie
Flucht  diesmal  fur  den  Feino  verlustreicher  zu
gestalten.  Diese  Maßregeln  wurden  auch  mit
vollem  Ersolg  durchgeführt.

Seit  dem  4.  Januar  begannen  die  Vorbereitungen
  zum  Angriff.  Die  für  den  Angriff
gewählten  Alsch  nitle  murden  von  unserer  Arlillerie
  und  von  Bomvudenwerfern  beftig.  beschossen.
Am  8.  Jannar  verstärklen  wir  unser  Feuer  und
ließen  eine  Mine  springen.  Wir  schickten  schließlich
  an  der  ganzen  Front  slarke  Aukllärungsabteilungen
  ror.  Im  Hinblick  auf  dieses  Vorfriel
  zu  unserem  Angriff  versammelte  der  Feind
in  der  Gegend  seines  linken  Flügels  zahlreiche
Kriegeschiffe,  Die  unlsere  Abteilungen  und  vorgesch
  oben#en  Stellungen  heftig  beschossen.  Unjere
  Akteilungen  lamen  Kellenweise  an  die  feindü#chen
  Schun  engrälen  heran,  wurden  dort  vom
Feinde  mit  Infanterieseuer  und  Handgranaten
empfangen,  biellen  aber  diese  Stellungen  bis
mittags.  In  der  Nacht  vom  3.  zum  9.  warsen
wir  neuerdings  unsere  Erkundungsabteilungen
gegen  die  seindlichen  Schüyengräben  vor.

Um  3  Uhr  morgens  war  der  Beginn  der
feindlichen  Rückungsbewmegung  im  zgentrum
füllbar  geworden.  Wir  ließen  deshalb  unsere
Kanze  Front  vorgehen.  Ein  Teil  der  zurückgehenden
  feindlichen  Truppen  sloh  unter  dem
Schun  der  heftig  feuernden  feindlichen  Schiffe
zu  den  Landungsstellen.  Ein  anderer  Teil  ließ
Srahlreiche  selb#sttätige  Minen  springen  und  vernuchte
  so,  unseren  Vormarsch  Schritt  für  Schritt
aufzuhalten.  In  diesem  Augenblick  erössneten
uniere  weittragenden  Geschütge  ein  beftiges
Feuer  gegen  die  Landungsitege,  während  unsere
  Landbattlerien  die  Nachluten  des  Feindes
itark  beschossen  und  ihm  zahlreiche  Verluste  beilrachten.
  Unsere  Gebirgsgeschütze  gingen  mit

Infanterie  vor  und  beunruhigten  den  Feind  aus
der  Nähe.  Unsere  Truppen  trohten  tapfer
dem  Feuer  der  feindlichen  Schiffe  mit  selbft.
tätigen  Minen.  Mit  freudigem  Mute,  die  Hölle
voll  Gesahren  ringsum  nicht  achtend,  machten
sic  die  seindlichen  Soldaten  nieder,  die  dem
wmirlsamen  Feuer  unserer  Artillerie  nicht  mehr
entfliehen  lonmen  und  verzweifelten  Widerstand
  leifieten.

Bei  Tagesanbruch  sanden  sich  unsere  Truppen
  auf  dem  Schlachtfelde  unter  zahlreichen
seindlichen  Leichen.  Wir  siellten  schon  lürzlicz
feit,  daß  unsere  Artillerie  sehr  wirksame  Tresser
  erzielte  und  daß  der  Feind,  den  wir  auf
der  ganzen  Front  mit  allen  zur  Verfügung  stehenden
  Mitteln  bedrängten,  bei  den  Angriffen
unserer  flarlen  Abteilungen  nicht  mellr  imstande
war,  selbst  unter  dem  Schuze  seiner  vielen
Schifsogeschüne  den  Widerstand  in  diesem  Atschni#t
  fortzusetzen.  So  endete  der  letzie  Alt
der  Kämpse,  die  seit  acht  Monaten  auf  der
Halbinsel  Gallipoli  sich  abspielten,  mit  der
Niederlage  und  dem  Rüchzuge  des  Feindes.  Die

Jählung  der  großen  Beute  ist  noch  nicht  beendet.
  Sie  beficht  in  Kanonen,  Wassen,  Munition.
  Pferden,  Mauleseln,  Wagen  und  einer
großen  Anzahl  anderer  Gegenflände.

Die  türkische  Beutc.

Konstantinopel.  13.  Jan.  Der  Korrespondent
  der  Agentur  Milli  an  der  Dardanellen:
front,  der  einen  Teil  des  von  den  Engländern
geräumten  Abschnittes  Sedd  ul  Bahr  besichtigt
  hat,  beschreibt  die  dort  gefundene  Beute:
Ueberall  sinden  sich  Landtorpedos,  nicht  erprlodierte
  Bomben,  Munitionswagen,  Zelte,  Amrulanzen
  mit  2000  Belten  und  Tausende  von
Leinendecken,  Sättel  und  Pferdegeschirre,  zerleglare,
  mit  herrlichen  Daunenbetten  ausgeslatlete
  Baracken  für  Offiziere,  10  als  Ambulanzen
  eingerichiete  Kriegsautomobile,  endlich
ganze  Berge  von  Kisten  mit  Konserven,  mit
Marmelade,  Bisquits  und  Schreizerkäse,  geung,
  um  den  Bedarf  mehrerer  großer  Spezereiwarenhandlungen
  für  ein  Jahr  zu  decken.  Das
(Sclände  erweckt  viel  mehr  den  Eindruck  eines
Handelshafens  als  den  eines  Schlachtfeldes.  In
der  Stadt  Sedd  ul  Bahr  befinden  sich  große
Magazinc  voll  Reis.

 

Folleische  Kunoschau.

Liebknecht.

Berlin,  13.  Jan.  Die  sozialdemokratische
Fraktion  des  Reichstags  hat  mit  60  gegen  25
Stimmen  eine  Erklärung  angenommen,  nach
welcher  der  Abgeordnete  Dr.  Liebknecht  wegen
fortgesetzter  groblicher  Verslöße  gegen  seine
Pflichten  als  Frattionemitglied  die  aus  der
Frallionszugehörigleit  sich  ergebenden  Rechte
verwirkt  habe.  Damit  ist  Lieblnecht  aus  der
Fraltion  auegeschlossen.  (3.)

Der  Aufruhr  in  China.

Honuglong.  12.  Jan.  (Neuter.)  Die  Regierung
  von  Kanton  lerichtet  über  eine  Niederlage
  der  Rebellen,  die  volllländig  geschlagen
wurden,  schnere  Verluste  erlitten  und  verfolgt
merden.

 

Kiegslagung  des  Relchslages.
Berlin,  13.  Jan.

Der  Reichstag  hat  die  Ernährungsdebatte
auch  heute  noch  nicht  zu  Ende  geführt.  Scharfe
Angriffe  des  sozialdemokratischen  Abg.  Simon
riesen  eine  Erwmiderung  des  Unterflaatssekretärs
  Michaelis  hervor,  der  zugeben  mußte,  daß
die  Reichsgetreidestelle  den  Kornbrennereien
45  CUm  Tonnen  Getreide  überlassen  habe.  Mehr
Glück  halne  der  Unterstaatssekretär  mit  der  Zurückweisung
  der  Vorwürfe  wegen  der  Verfütterung
  von  Getreide,  was  doch  bei  der  Schweine
ducht  wieder  der  Volksernährung  zugute  komme.
Der  Derirumealtgeorrnete  Marr  äußerte  Bedenlen
  gegen  die  Einsübrung  einer  aligemeinen
Fleisch,  und  Rutterkarte.  Der  Abgeordnete
Fischlach  von  der  Fortschrittlichen  VNolkspartei
nahm  die  Berliner  Stadtverwaltung  megen  der
ülergrosen  Ausgabe  von  Zusatbrotkarten  in
Schun  und  nagelte  noch  einmal  sen,  daß  der
Reichstag  seinerzeit  einmütig  die  Abschlachtung
der  Schneine  gefordert  habe.  Der  schleppende
(Gang  der  Deiatle  machte  es  nölig,  daß  der
Reichtag  morgen  seine  Sigung  schon  11  Uhr
normittags  beginnt.  Von  einem  Abschluß  der
Beratungen  in  dieser  Woche  in  keine  Rede  mehr.
da  namentlich  die  Aussprache  über  zenfur  und
Belagerungszustand  noch  einige  zeit  in  Anspruch
  nehmen  wird.  Vor  Mitte  nächiter  Woche
dürfte  das  Haus  kaum  in  die  Ferien  kommen.

 

Eröffuung  des  Preuß.  Landiages.

Berlin,  13.  Jan.

Heute  mitlag  wurde  im  Weißen  Saal  des
Kgl.  Schlosses  der  Landtag  eröffnet,  nachdem
Gottesdienite  im  Dom  und  in  der  Hedwigskirche
vorangegangen  waren.  Vertreier  beider  Häu—
ser  fanden  sich  sehr  zahlreich  ein.  Unter  anderen.
Llemerktte  man  Generalgonverneur  rr.  Beieler
und  Generalgonvderneur  u.  Vissing,  Furit  Bulon,
  Hausminister  Graf  Eulenkurg.  In  der
Diviomatenlege  sah  man  u.  a.  den  turkischen
Votschafter.  Der  Ministerpräsident  und  alle
hier  anwesenden  Minister  erschienen  in  feier
Zuge,  worauf  der  Mininterpräsident,  Reichslanzler
  v.  Bethmann  Hollmeg,  im  Auftrag  de-Kaisers
  die  Thronrede  verlas.

In  der  Thronred:  in  gesag!:

Während  Sie  sich  hier  zur  Arbeit  versammeln,
  gebt  draußen  auf  den  ueiten  Schlachtfeldern
  das  blutige  Ringen  sort.  Wie  uniere
Feinde  und  den  Krieg  ausgezmungen  haben,  so
tragen  sie  die  Schuld  und  Verantwortung.  daß
sich  die  Völker  Europas  weiter  zerfleischen.

Vor  eine  eiserne  Prode  siellt  die  Vorselung
unfer  Volk.  Großes  wird  gefordert.  Großes
aler  auch  geleistel.  Die  Pläne  unserer  Feinde,
uns  durch  Abschnürung  von  der  überseeischen
Welt  mürke  zu  machen,  sind  gescheitert.  Aus
eigener  Kratt  sichert  die  Landu  irtschaft  die  Er
nährung  der  Bevöllerung,  aus  eigener  Krait
schafft  Industrie  und  Handu#erk,  ueessen  wir
in  unserer  Verteidigung  bedürfen,  halten  die
arleitenden  Hände  der  Millionen,  die  daheinr
geblieben,  unser  wirtschaftliches  Leben  aufrecht.
Trotz  Krieg  und  Kriegsnot.  Und  zler  dem
allen  stehen  die  Taten  unseres  Volles  in  Was
fen,  unaussprechlich  in  Größe  und  Qeldentuni.

In  hartem  Kampf  hat  Deutschland,  unlerstützt
von  treuen  Verbündeten,  einer  Welt  ron  Fein
den  jtand  gehalten  und  seine.  Fahnen  weit  in
Feindesland  hineingetragen.  Der  alle  preußische
Soldatengeist,  auf  den  wir  sul)zt  sind  und  slolz
lleiben,  hat  in  edlem  Wetteifer  mit  den  deutschen
  Bruderstämmen  seine  unvergängliche  Lebenskraft
  erwiesen  und  neuen  unsterblichen  Ruhen
dem  Heldentum  der  Väter  und  Ahnen  hinzugefügt.
  Mit  unserem  König  und  Kaiser  sehen
wir  voll  Gottrertrauen  und  Siegeszuversich!
auch  der  Zukunft  entgegen.  Ein  einziger  und
heiliger  Gedanle  erfüllt  uns.  bis  in  die  letzten
Tiefen  der  Volkskrast  alles  herzugeben  für  das
Leben  und  die  Sicherheit  der  Nation.

Als  Gruh  an  den  Landtag  bat  Se.  Mojestät
der  Kaiser  und  König  nur  Worte  heißen  Danles
  an  die  Kämpfer  draußen  und  daheim.

Ihre  bevorstehenden  Arbeiten,  meine  Herren.
werden  vor  allem  den  Notwendigkeiten  des
Krieges  gehören.

Samstäg,  15.  Januar  1516

Die  Thromede  kündigt  sodann  eine  Erbb#
hung  der  zuschlage  zur  Einlommen-  und  Ergangunhestener
  an,  serner  die  Verwendung  wei,
terer  Mittel  für  Ostpreußen  sowie  den  Ausbau
des  Eisenbahnnetzes  und  fährt  dann  fortl:  Der
Geist  gegenseitigen  Verstehens  und  Vertrauen
wird  auch  im  Frieden  fortwirken  in  der  gemeinsamen
  Arbeit  des  ganzen  Volles  am
Staate,  und  lelendigen  Ausdruck  finden  in  unserer
  Verraltung,  unserer  Gesetzgebung  und  im
der  Gestaltung  der  Grundlagen  für  die  Vertretung
  des  Volkes  in  den  gesetzgebenden  Korperschaften.
  In  Stürmen  ist  der  preuhische  Staat
groß  geworden,  im  Sturme  steht  er  auch  heute
unerschütterlich  da.  Was  Feindschaft  als  Zwang
ausgil  1,  ilt  Freiheit,  auf  Ordnung  gebaut.  Gott
schutze  Preußen  auch  in  Zukunft  und  bewahre
es  als  starken  Träger  des  Reichs!  Daraus  bauen
wir  und  führen  unseren  guten  Kampf  zum
guten  Ende.

Die  Thronrede  sand  überaus  starken  Beifall
an  allen  den  Stellen,  die  vom  Durchhalten
und  von  unserer  Siegeshoffnung,  insbesondere
auch  von  dem  Dank  an  die  Kämpfer  draußen
und  daheim  handeln,  schwächeren  Beifall,  wo
von  der  Neuregelung  der  Volksrertretung  die
Rede  ist.  Im  übrigen  bietet  die  Thronrede
keinerlei  Ueterraschung,  machte  aber  durch  ihren
ungen  öhnlich  warmen,  herzlichen  Ton  einen
vorzüglichen  Eindruck.

richledeu##Nachrichlen.

Hamburg.  14.  Jan.  Die  Sturmflut  in
Kamkurg  erreichte  am  Donneretagabend  ein:
außergen  ohnliche  Höle.  Alle  Keller  an  der
Waiserklante  und  in  den  niedrig  gelegenen  Stadt
teiien  maren  ulerilulet.  Groß#  Mengen  Waren
murden  durch  das  Wasser  vernichtet.  Der  Sir##
stenbahn-  und  Wagenverkehr  muhte  eeingestell.
werden,  weil  die  Straßen  überschwemmt  waren.

Wicn,  13.  Jan.  Gestern  abend  stieß  bei
orlanartigem  Sturm  auf  der  Station  Fischau
auf  der  Schueelergbahn  ein  Personenzug  mit
einer  auf  dem  Gleise  Kellenden  Lokomotive  zu
sfammen.  —1  Perfonen,  darunter  5  vom  Zug
verional:  wurden  verlenz,  eine  davon  schwer.
Nach  einer  Meldung  aus  Mährisch=  strau  en:
leiste  auf  der  Strecke  zwischen  C  derterg  und
Freistadt  ein  MWeggon  des  Lokalzuges  und
stüriie  über  die  Böschung  binab.  40  Personen
wurden  verletzt,  daron  8  schwmer.

Neunork.  13.  Jan.  (Reuter.)  Aus  Nachrichten
  aus  El  Paso  gebt  hervor,  daß  der  ein
ige  Amerikaner,  der  dem  Ueberfall  der  merikanischen
  Räuber  zu  entrinnen  vermochte,  ein
gewisser  Holmes  int,  der  die  telegraphischen  Berichte
  beilätigt.  Eine  aus  ungefähr  207)  Mann
lestelende  Rauberbande  befahl  den  Amerikanern.
  aus  dem  Zuge  zu  sieigen  und  sich  längs
des  Babndammes  aufzunellen  und  sich  zu  ent.
kleiden.  Lolmes,  der  ahnte,  was  folgen  würde.
ergrief  mit  anderen  Gefangenen  schleunigst  die
Fiuck  1.  Seine  Begleiter  wurden  niedergeschofsen,
er  selb  :  wurde  verwundet.  Nach  weiteren  Mel.
dungen  aus  Cleluahua  sind  dort  19  Leichname
der  crmordeten  Amerikaner  angekommen.

Bawerische  Nachrichten.

BSofolding,  13.  Jan.  In  der  Nähe  der
For#kune  des  Lofoldinger  Forstes  ist  beim

Darensammeln  der  15  jährige  Sohn  des  Joh.
B.  Mair  von  einem  Baum  erschlagen  worden.
Kur  ö*)  hbevor  der  Baum  zu  fallen  begann,  riefen
die  Fornarleiter  ihm  zu.  Aber  Mair  lief  in
der  Richiung  des  fallenden  Baumes  und  wurde
vom  Gipfel  am  Hinterkopf  so  schwer  getroffen,
daß  er  sofort  tot  war.

Prien,  13.  Jannar.  Eine  falsche  Krankenschmeiter
  trieb  sich  in  hiesiger  Gegend  umher
und  verübte  verschiedene  Betrügereien.  Der  Polizei
  ist  es  gelungen,  sie  in  sicheren  Gewahr.
sam  zu  bringen,  wo  sie  sich  als  eine  18jährige
raffinierte  Betrügerin  aus  der  Dingolsinger  Gegend
  entpuppt  dat,  die  anscheinend  dieses  Unreelle
  Geschäft  schon  längere  Zeit  auch  in  an.
deren  Gegenden  betrieben  hat.

Traunstein,  13.  Jan.  Zum  1.  Vorstand
des  Gemeindelollegiums  Traunstein  wurde  Buch,
drudereilefiper  Leopoldseder  wiedergewählt,  als
2.  Vorftand  und  Schriftführer  Kaufmann
Brandueiner:  neiter  wurden  in  den  Vorstand

 

 

lerusen:  Buchhandler  Endier,  Wachswarensabrikant
  Kasdauer  und  Zinngießermeister
Schneider.

Traunstein,  13.  Jan.  In  der  Villa  des
Oberzollinspektors  Klein  in  Marwang  wurde
ein  nächtlicher  Einbruch  verübt,  bei  welchem  dem
Einbrecher  Kleider  und  Wäsche  zur  Beute  fie.
leu.  Außerdem  lief  der  Gauner  Funfsig  Pfund
Waschseife  mitgehen,  welche  er  der  Einfachheit
halber  gleich  in  Marwang  verkaufte  und  dann
Reißaus  nahm.

mühldorf,  13.  Jan.  Bei  den  Bureauwahlen
des  Kollegiums  der  Gemeindebevollmächtigten
am  11.  Januar  wurde  wiedergewählt:  Rechtsanwalt
  Müller  als  1.  Vorsigewder:  Weißgerber
meister  Koppenwallner  als  2.  Vorsitzender:  Gla.
sermeister  Fraitzl  als  1.  Schriftführer:  Bäl- 



kermeister  Sax  als  2.  Schriftführer.