532 Napoleons Absichten.
Paris illuminierte, und Napoleon konnte mit der unmittelbaren Wirkung
seines Vorgehens auf das eigene Volk zufrieden sein.
Daß Napoleon einen bestimmten Plan gehabt habe, was er tun wolle,
wenn seine Vermittlung nicht angenommen werden sollte, möchte ich nicht
glauben; er wollte zunächst wohl abwarken, was geschehen werde und sich
dann, je nach der Lage der Dinge, endgültig entschließen. Wenn die vom
Prinzen Napoleon und dem Minister Rouher geführte italienische und preußenfreundliche
Partei am Hofe immer wieder versicherte, der Kaiser werde
auf keinen Fall die Waffen gegen Preußen und Italien ergreifent, auch wenn
beide seine Vermittlung ablehnten, so bildete wohl mehr ihr dringender Wunsch
zu treiben suche, als er eigentlich gehen wolle, da unter diesen Umständen eine Ablehnung seiner
Vermittlung viel empfindlicher für ihn sein werde.
1 Schon im Juni erklärte Prinz Napoleon offen, daß Frankreich, selbst wenn die italienischen
Interessen nicht in Betracht kämen, den preußischen Waffen den Sieg wünschen müßte, und
nichts mehr zu fürchten habe, als den Triumph Österreichs. Goltz meinte, der Kaiser denke
im Stillen wohl ebenso und dürfte schließlich den Ratschlägen seines Vetters folgen, wage
aber bis jetzt noch nicht, sich offen in diesem Sinne auszusprechen. (Bericht v. 24. Juni.)
Der Prinz begründete in einem Privatgespräch seine Ansicht damit, daß Preußen eine protestantische
Macht sei und sich niemals über den Main hinaus ausdehnen werde, und daß daher
sein Sieg keine Gefahr für Frankreich bedeute, während jede Machterweiterung Österreichs
für Frankreich sehr bedenklich sei. (Bericht des Gen.-Konsuls Bamberg v. 24. Juni über ein
Diner beim Prinzen vom vorhergehenden Tage.) Indessen war es klar, daß der Prinz
wesentlich die italienischen Interessen vertrat, und daß sein Einfluß auf den Kaiser kein so
unbedingter war, wie er selbst gern glauben machen wollte. Nach Königgrätz riet er zur Fortführung
des Krieges trotz der kaiserlichen Vermittlung bis zur Vernichtung Österreichs
(Bericht v. Goltz v. s. Juli, ben. Sybel s, 230f.), und meinte, Preußen habe von Frankreich
nichts zu fürchten, der Kaiser werde seinem Vorschlage keine weitere Folge geben, wenn er
auf entschiedenen Widerstand stoße. Die italienische Partei in Paris, meldete Goltz am
6. Juli, sei entrüstet über die Einmischung des Kaisers, weil sie eine Kränkung des italienischen
Nationalgefühls bedeute, dem König einen Wortbruch zumute, und weil man befürchte,
Napoleon werde Bedingungen zugunsten der Unabhängigkeit des Papstes stellen. Prinz
Napoleon rate, die Italiener möchten möglichst schnell auf Klagenfurkt marschieren. Dronyn
und Rouher hätten den Jtalienern gesagt, man könne von Preußen den Abschluß eines
Seillstandes billigerweise nicht vor Festsetzung der Friedensbasis verlangen und müsse den
großen errungenen Erfolgen bei Festsetzung dieser Bedingungen Rechnung tragen. Zum
Kriege gegen Preußen wolle es der Kaiser, auch wenn Preußen seine Mediation ablehne,
nicht treiben. Dabei selen Andeutungen hinsichtlich Belgiens gemacht worden. Goltz fügte
warnend hinzu, Prinz Napoleon und die stalienische Gesandtschaft wollten Preußen zum Widerstande
gegen die kaiserliche Medlation ermutigen, ersterer habe auch stets die Rheingrenze im
Auge. Der Prinz schickte sogar den Grasen Seherr-Thoß zu Bismarck mie dem Nate, den Stillstand
nicht anzunehmen; er bürge dafür, daß Italien alles zurückweisen werde, wenn Preußen
es nicht zur Annahme zwinge. Er wisse aufs Bestimmteste, daß Preußen sich keiner erusten
Bedrohung von selten Frankreichs im Falle der Ablehnung zu versehen habe. (Tel. Buchers
an Bismarck v. 7. Juli, unmittelbar nachdem er den Grafen auf der Durchreise in Berlin
gesprochen hatte.) Vgl. Bapfl a. a. O. 333f.