Full text : Politische Geschichte der Gegenwart. V Das Jahr 1871. (5)

92  Nochmalige  Absetzung  Napoleon's.

muß  seinen  Theil  an  der  Verantwortlichkeit  übernehmen.“  Die
Versammlung  beschloß  dem  Wunsche  Thiers'  gemäß,  daß  die  Abtheilungen
  Abends  zusammentreten  und  die  öffentliche  Sitzung  am
folgenden  Tage,  am  1.  März,  stattfinden  solle.  Auf  die  vertraulichen
  Erklärungen  Thiers'  beschloß  die  für  diesen  Fall  neugewählte
Kommission  einstimmig,  der  Nationalversammlung  die  Annahme  der
Präliminarien  zu  empfehlen.  Der  Berichterstatter  der  Kommission,
Lefranc,  erklärte  am  1.  März,  der  Patriotiemus  verlange  die  Annahme
  der  Friedenspräliminarien,  so  wie  sie  vorliegen.  Bessere  Bedingungen
  seien  nicht  zu  erwarten.  Man  habe  noch  größere  Abtretungen
  befürchtet.  Allerdings  sei  Metz  verloren,  aber  dafür  Belfort
  gerettet.  Uebrigens  seien  diese  Unglücksfälle  das  Resultat  von
Fehlern,  für  welche  diese  Versammlung  nicht  verantwortlich  sei.  Den
Vertrag  ablehnen,  den  Kampf  wieder  aufnehmen,  wäre  ein  Spiel
mit  der  Ehre  Frankreichs,  das  durch  eine  solche  That  äußerster
Verzweiflung  vollends  preisgegeben  würde.  „Paris  würde  dann
besetzt,  ganz  Frankreich  überfluthet,  Gott  weiß,  mit  welchen  weiteren
Schicksalsschlägen.“  Mehrere  Redner  verlangten  die  Ablehnung  des
Vertrags  und  ergiengen  sich  in  heftigen  Vorwürfen  gegen  Napoleon
als  den  einzigen  Urheber  des  Krieges  und  seines  Unglücks.  Der
Abgeordnete  Bamberger  sagte:  „Ein  einziger  Mann  hätte  einen
solchen  Vertrag  unterzeichnen  können,  Napoleon  III.,  dessen  Name
auf  ewige  Zeiten  an  den  Schandpfahl  der  Geschichte  angeheftet
bleiben  wird.“  Da  eilte  der  frühere  Kabinetssekretär  des  Erkaisers,
der  Abgeordnete  Conti,  auf  die  Tribüne,  um  seinen  ehemaligen
Herrn  zu  vertheidigen,  konnte  aber  unter  dem  Lärm  der  Versammlung
  nicht  zum  Wort  kommen.  Die  Sitzung  mußte  auf  eine  Stunde
suspendirt  werden.  Als  sie  wieder  begann,  stellte  der  Abgeordnete
Targé  folgenden  Antrag:  „Die  Nationalversammlung  bestätigt  unter
den  schmerzlichen  Verhältnissen,  in  welchen  sich  das  Vaterland  befindet,
  die  Absetzung  Napoleons  III.  und  seiner  Dynastie  und  erklärt
  ihn  verantwortlich  für  den  Ruin,  für  die  Invasion  und  die
Zerstückelung  Frankreichs.“  Auch  Thiers  ergriff  zu  diesem  Zwischenfall
  das  Wort:  „Die  europäischen  Fürsten,“  sprach  er,  „sagten,  daß
Frankreich  den  Krieg  gewollt  habe.  Dies  ist  nicht  wahr.  Sie  (die
Anhänger  des  Kaisers)  haben  ihn  gewollt.  Die  Wahrheit  tritt  vor
Sie;  es  ist  Ihre  Züchtigung,  hier  zu  sein,  um  die  Demüthigung
und  die  Heimsuchung  vor  sich  zu  sehen,  zu  welcher  Ihre  Fehler  uns