Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

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Mäßigung,  daß  er  bereits  das  Abrufungsschreiben  an  seinen  Gesandten  in  Wien,
den  Baron  von  Gotter,  ausfertigen  ließ,  und  den  Brief,  in  welchem  Grumbkow
sein  allerunterthänigstes  Bedenken  über  die  Folgen  eines  solchen  Schrittes  mittheilte,
ungelesen  in  das  Feuer  warf.  Erst  durch  die  dringendsten  Vorstellungen  des  gesammten
  Ministeriums  wurde  der  König  von  dem  raschen  Schritt  zuruͤckgehalten.

Mit  großem  Rechte  fand  sich  Friedrich  Wilhelm  1.  in  Bezug  auf  die  Winterquartierverhandlungen
  verletzt.  Der  Kaiser  hatte  sich  zu  einer  Abfindungssumme
von  100,000  Thalern  anheischig  gemacht,  dagegen  dem  Könige  116,000  Thaler
an  rückständigen  Römermonaten  in  Rechnung  gestellt;  überall  dieselbe  Rücksichtslosigkeit.
  Heftig  fuhr  der  König  mit  den  Worten  heraus:  „Ich  frage  nichts  nach
die  116,000  Thaler,  wenn  ich  man  wüßte,  daß  die  Sache  damit  ausgerichtet,
aber  man  wird  das  Geld  nehmen  und  wird  mich  nach  wie  vor  negligiren,  denn
der  Kaiser  tractirt  mich  und  alle  Reichsfürsten  wie  Schubiacks,  welches  ich
gewiß  nicht  um  den  Kaiser  verschuldet,  da  ich  niemals  mit  Frankreich  chipotirt,
und  examinire  ich  mich  immer,  ob  ich  auch  nur  einen  einzigen  Gedanken  gehabt,
  womit  ich  des  Kaisers  Interesse  zu  nahe  getreten;  allein  ich  mag  mich
pruͤfen,  wie  ich  will,  so  kann  ich  nichts  finden.  Um  so  eines  H.  ..  von  Mantelsack
  (König  August  III.)  cujonirt  man  mich,  und  notificirt  mir  nicht  einmal  die
Mariage  des  Herzogs  von  Lothringen“.

Man  vermied  von  keiserlicher  Seite  nicht  einmal  die  kleinlichsten  Häkeleien.
Da  in  dem  letzten  Kriege  Friedrich  Wilhelm  I.  über  die  festgesetzte  Truppenzahl
noch  eine  Schwadron  Husaren  gestellt  hatte,  so  wurden  ihm  für  dieselbe  von
dem  kaiserlichen  Kriegszahlmeister  10,284  Florin  angerechnet,  da  der  König  die
Verpflichtung  habe,  für  diese  überzählige  Mannschaft  die  Kosten  der  Winterquartiere
  selbst  zu  tragen.  Er  zahlte  die  Summe  ohne  alle  Weigerung,  ließ
aber  dem  Feldmarschall  Seckendorf  schreiben:  „Es  ist  mir  von  Herzen  erfreulich,
daß  ich  Ihro  kaiserlichen  Majestät  Aerario  mit  diesen  6856  Thalern  dienen  kann.
Mit  dem  aufrichtigen  Wunsche,  daß  solche  sich  hunderttausendfach  vermehren
mögen,  weil  es  sonsten  dem  obgedachten  Aerario  keinen  besondern  Zuwachs  machen
  möchte“.  Von  jetzt  an  enthielt  der  König  sich  nicht  der  derbsten  Scherze
über  den  Kaiser  Karl  VI.,  der  sich  in  schlaffer  Gutmüthigkeit  von  Leuten,  wie
Graf  Sinzendorf,  auf  die  gröbste  Weise  betrügen  ließ,  wodurch  die  ursprüngliche
  Hochachtung  für  Alles,  was  vom  kaiserlichen  Hofe  herrührte,  immer  mehr
und  mehr  in  ihm  verloren  ging.  Hierzu  trug  wesentlich  der  steigende  Groll  des
Fürsten  Leopold  von  Dessau  gegen  Seckendorf  und  seinen  Freund  Grumbkow  bei,
denn  Friedrich  Wilhelm  I.  gab  mit  Recht  viel  auf  des  Fürsten  Urtheil,  namentlich
  in  militärischen  Angelegenheiten,  und  gerade  in  dieser  Beziehung  äußerte
sich  der  Fürst  seit  dem  Feldzuge  am  Rhein  sehr  nachtheilig  über  Oestreich.

Dennoch  handelte  Friedrich  Wilhelm  I.,  sobald  der  kaiserliche  Hof  ihm
freundlicher  entgegentrat,  wenn  auch  nur,  um  sich  aus  augenblicklicher  Verlegenheit
  zu  retten,  stets  seiner  früheren  Stellung  gemäß.  Als  z.  B.  für  denselben
in  Berlin  bei  den  Banquiers  Splittgerber  und  Daum  eine  Anleihe  von  einer