Die gesetzgebende Gewalt. §. 153. 403
Zweites Capitel.
Von den Regierungsrechten des Königs.))
I. Titel.
Von den formellen Regierungsrechten.
I. Von der gesetzgebenden Gewalt.
§. 153.
1) Von dem Begriff derselben im Allgemeinen.
Die gesetzgebende Gewalt ist die rechtliche Macht, bleibende
allgemein verbindliche Normen über die Staats= und Rechts-Ordnung
festzustellen, beziehungsweise die bestehenden abzuändern.
Sie umfaßt daher
1) Das Recht, Bestimmungen über die Verfassung des
Staates zu treffen, und die geltenden Bestimmungen dieser Art
fortzubilden und zu ändern (Verfassungsgesetzgebung).
2) Das Recht für alle sonstigen Verhältnisse sei es der
Gesammtheit oder der Einzelnen, die allgemeinen Regeln
festzustellen, die entweder zum Zwecke haben, die Verwaltung des
Staates zu regeln, oder die Staats= und Rechtsordnung gegen
Angriffe der Einzelnen zu schützen, oder diese selbst im Genusse
und in der Ausübung ihrer Privatrechte zu sichern (Gesetzgebung
im weiteren Sinne). — Der Bereich dieser Gewalt erstreckt sich
so weit als die Staatsgewalt überhaupt; ausgeschlossen sind daher
a) alle Verhältnisse außerhalb des Staates;
b) alle inneren Verhältnisse, welche einer juristischen Regelung
nicht bedürfen oder zu einer solchen nicht geeignet sind,
wie die rein individuellen Verhältnisse, und jene, welche
1) Da eigentliche NRegierungsrechte mit dem Charakter der Obergewalt
dem Könige nur innerhalb seines Staates zukommen, so haben wir
die Vertretung des Staates nach außen von diesem Capitel ausgeschlossen,
und tragen sie in einem eigenen Capitel vor.
2) Ueber die verschiedenen Eintheilungen der Regierungs= oder Hoheitsrechte
vergl. Bluntschli, allgem. Staatsrecht (V. Aufl.) B. II. S. 215 ff.,
über eine andere H. Ahrens, die organische Staatslehre (Wien 1850),
B. I. S. 174 ff.
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