stand zurückgeführt werden könne und insbesondere die
Wiederherstellung der kirchlichen Autorität in ihrem
vollen Umfange unmöglich sei. Das Reich, welches jetzt
den abwesenden Kaiser repräsentierte, wußte anfangs in
dieser Verlegenheit keinen Rat; später aber billigte es,
daß die Abweichung in der Religion in einzelnen Ländern
eingeführt wurde, so daß die Sache eine legale Bedeutung
bekam. Darauf wurde nun in den Jahren 1529 und 1530
reformiert, d.h. vieles abgestellt, was früher bestanden
hatte, und der protestantische Geist fing an, sich besonders
im Norden Deutschlands auszubreiten. —
Wohin ging nun die Tendenz Luthers? Sie umfaßte
hauptsächlich zwei Punkte: 1. sie trat der Lehre entgegen,
auf welcher die katholische Hierarchie beruht, daß nämlich
die Entwicklung der göttlichen Ideen unmittelbar in
der Entscheidung der Päpste und in der Festsetzung der
Konzilien liege. Hingegen behauptete Luther, die Hier:
archie sei von der heiligen Urkunde abgefallen. 2. Luther
wollte alles bestehen lassen, was mit der Bibel vereinbar
ist, setzte sich nicht einmal der Tradition unbedingt entgegen,
geschweige denn, daß er eine neue Religion hätte
aufstellen wollen, die er kraft des eigenen Verstandes
sich aus der göttlichen Urkunde selbst zusammengesetzt
hätte. Luthers Wesen war überhaupt seiner Natur nach
reformierend!); er war weit entfernt, dem republikanischen
Prinzipe in der Kirche Geltung zu verschaffen; er
wollte nicht die Bibel realisieren, sondern nur den Wider:
spruch gegen die Bibel vernichten.
Er und Melanchthon bildeten zusammen eine neue
Doktrin, welche so ziemlich an den Katholizismus sich
anschloß. Der Moment, in welchem der Katholizismus
!) Es fiel Luther nicht ein, eine Kirche von vornherein zu
gründen; dieser Unterstellung widersetzte er sich immer. Er
sagte auch, er möchte wohl eine Kirche aus allen Gläubigen zu:
sammensetzen, er finde aber keine Christen. So blieb er dabei,
daß die Kirche ein von oben hereinwirkendes religiöses Institut
sei.
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