Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

274  Drittes  Buch.  Der  Eintritt  in  die  europäische  Politik.

Unternehmens  hat  beide  rasch  zusammengeführt  und  eng  verbunden.
  Der  kluge,  tapfere  Meinders,  der  ihm  in  der  schwersten
Krisis  als  einsichtsvoller  und  selbständiger  Gehilfe  zur  Seite  gestanden
  hatte,  war  durch  den  jüngeren,  gewandteren,  ehrgeizig
ansstrebenden  Fuchs  verdrängt,  der  sich  durch  seine  Geschäftskenntnis
  unentbehrlich  zu  machen  und  auch  dem  kommenden
neuen  Herrn  zu  empfehlen  wußte.

Wiederholt  schwer  krank  und  dem  Tode  verfallen  geglaubt,
war  der  Kurfürst  dank  seiner  zähen  Natur  aller  Anfälle  doch
Herr  geworden.  Im  Frühjahr  1688  aber  ließ  beginnende
Wassersucht,  die  zu  dem  Stein=  und  Gichtleiden  hinzukam,  das
Nahen  des  Endes  erkennen.  Er  setzte  seine  gewohnte  Thätigkeit
  fort.  Mitte  April  wurden  die  Beschwerden  ärger:  wiederholte
  längere  Ohnmachten  befielen  ihn.  Es  war  Zeit,  sein
Haus  zu  bestellen.  In  Gegenwart  des  RKurprinzen,  der  nun
nicht  mehr  verstimmt  und  zurückgesetzt  seitab  stand,  und  der
Geheimeräte  that  er  das  am  7.  Mai  1688  in  einer  Weise,  deren
schlichte  Menschlichkeit  und  echte  Fürstlichkeit  noch  heute  ebenso
orgreifend  und  erhebend  wirkt,  wic  auf  die  damals  um  den
Gründer  des  preußischen  Staates  Versammelten,  und  dieses  in
einer  Hetzagd  von  Sorge  und  Arbeit  verlaufene,  an  Widersprüchen,
  Härten  und  Gewaltsamkeiten  reiche  und  doch  auch  von
eigenem  Verschulden  nicht  freie  Fürstenleben  so  wohlthuend  harmonisch
  ansklingen  läßt,  daß  alle  es  bisher  erfüllenden  Dissonanzen
  aufgelöst  erscheinen  und  nur  die  Summe  dieser  ungeheuren
  Lebensarbeit  sich  in  mild  verklärendem  Lichte  darstellt.

Mühevoll,  in  Krieg  und  Unruhe,  so  sprach  er  zu  den  Anwesenden,
  aber  auch  glücklich  sei  seine  lange  Regierung  verlaufen;
  es  sei  ihm  gelungen,  das  so  elend  überkommene  Land
wieder  zu  heben,  den  Freunden  Achtung,  den  Feinden  Furcht
einzuflößen.  Er  dankte  den  Räten  für  ihre  treue  Mitarbeit,
mit  der  sie  auch  seinem  Sohne  zur  Seite  siehen  möchten,  bedauerte
  unter  dem  Zwange  der  Verhältnisse  seine  Unterthauen
haben  schwer  belasten  zu  müssen,  und  ermahnte  den  Nachfolger,
in  seinem  Sinn  weiter  zu  regieren  und  den  erworbenen  Ruhm
zu  bewahren  und  zu  mehren,  indem  er  sich  nach  der  ihm  schriftlich
  hinterlassenen  Anweisung  —  der  „Vöäterlichen  Vermahnung"