Metadata : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Zweiter Band. (2)

Die  Hexen.  167

großen  Stils.  Sehr  oft  schwoll,  gerade  wie  in  diesem
Falle,  eine  unbedeutende  Hexenprocedur  zu  einem  Riesen—
proceß  an,  welcher  hunderte  von  Personen  jedes  Alters,
Geschlechtes  und  Standes,  Geistliche  und  Laien,  Edeldamen
  und  hörige  Mägde,  Domherren  und  leibeigene
Knechte,  Künstler  und  Handwerker,  Gelehrte  und  Bauern,
Greisinnen,  Matronen,  Jungfrauen  und  Kinder  zugleich
ins  Verderben  riß.  So  z.  B.  ließ  der  Bischof  von  Würzburg,
  Philipp  Adolf  von  Ehrenberg,  in  dem  kurzen
Zeitraum  von  1627—29  in  seinem  Stifte  neunhundert
„Hexenleute“  hinrichten,  wovon  219  Opfer  auf  die  Stadt
Würzburg  kamen.  Erwägt  man,  daß  in  der  Grafschaft
Neisse  allein  v.  J.  1640—1651  an  tausend  Hexen  verbrannt
  worden  sind;  ferner,  wie  in  der  Stadt  Braunschweig
  von  1590—1600  der  Hexenproceß  so  grassirte,
daß  die  Brandpfähle  vor  den  Thoren  „dicht  wie  ein  Wald“
standen;  bedenkt  man  endlich,  daß  jede  Stadt,  jeder
Flecken,  jede  Prälatur,  jeder  Edelsitz  —  ein  Herr  von
Rantzow  ließ  auf  einem  seiner  Güter  in  Holstein  an
einem  Tage  18  Hexen  verbrennen  —  Hexenbrände  haben
wollten,  so  ist  es  keine  übertriebene,  sondern  eine  sehr
mäßige  Angabe,  der  Hexenprozeß  habe  in  deutschen  Landen
  unmittelbar  100,000  Opfer  gemordet.

Wie  immer  in  Zeiten  allgemeiner  Verdunkelung  der
Geister  und  Gemüther  flüchtete  sich  die  geächtete  Vernunft
  auch  zur  Zeit  der  Raserei  des  Hexenglaubens  in  die
Herzen  von  einigen  wenigen  edlen  Menschen,  um  von
dort  aus  gegen  den  triumphirenden  Unsinn  zu  protestiren.
Schon  der  Hexenhammer  mußte,  wenn  auch  mit  Unwillen,