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Anfangs schwankte man im Berliner Kabinet, denn noch am 19#ten Februar,
kurz vor der Entscheidung in dieser wichtigen Sache, schrieb der Herzog
von Braunschweig an den damals so einflußreichen General Bischofswerder:
„Die Enischädigungsfrage wird große Verlegenheiten herbeiführen, wenn man
den Kaiser Leopold nicht bestimmen kann, seine Einwilligung zu den Veränderungen
in Polen zu geben. Ich für meine Person gebe den Erwerbungen,
welche man in Polen zu machen gedenkt, vor Eroberungen in Frankreich den
Vorzug, denn durch solche Eroberungen würde der Geist, in welchem man diesen
Krieg zu führen beabsichtigt, gänzlich verändert werden. Alles kommt darauf
an, uns mit dem Kaiser zu verständigen.“
Diese Verständigung scheint mit dem Nachfolger des Kaiser Leopold eingetreten
zu sein, denn kaum hatte Franz II. den Thron bestiegen, so ging man
allerseits zur That vor. Sobald aber Preußen in einen Krieg mit Frankreich
einging, mußte es ihm unmöglich werden, Polen ferner gegen Rußland zu
schützen, und so blieb denn, namentlich da jede Aussicht auf eine Abtretung
Danzigs und Thorns verschwunden war, nichts weiter übrig, als mit Rußland,
welches sich auf das Entschiedenste gegen die neue Ordnung der Dinge
ausgesprochen hatte, in den polnischen Angelegenheiten Hand in Hand zu gehen.
Nur die Polen selbst ahnten nichts von dieser Sinnesänderung des preußischen
Kabinettes, sie hofften immer noch, freilich durch die kurz zuvor ausgesprochenen
Zusicherungen des Königs und seiner Minister beruhigt, auf den feierlich genug
versprochenen Schutz.
Am wenigsten theilte wohl König Stanislaus August selbst diese Hoffnung,
denn er kannte einerseits zu wohl seine Landsleute, als daß er im Falle
einer großen Gefahr von außen die nöthige Vorsicht und Ausdauer erwartet
hätte, und wußte nur zu gut, wie viel von den Nachbarn zu fürchten stand;
bald fanden diese einen scheinbar wohlbegründeten Anhaltspunkt für ihre Einmischung.
Eine Zahl von unzufriedenen Großen, unter welchen Felir Potocki,
Rzewuski und Branicki als Leiter hervortraten, wendeten sich an Katharina II.
mit der Bitte um Aufrechthaltung der von ihr 1775 gewährleisteten Verfassung.
Die Kaiserin verhehlte ihre Gesinnung nicht, und mischte in ihre Proclamationen
gegen die französische Revolution auch die nachdrücklichsten Drohungen gegen
Polen. Für Letzteres begnügte sie sich nicht mit Worten, sondern überall wurde
gerüstet und Truppen bewegten sich an den polnischen Grenzen hin.
Längere Zeit ging man mit Sorglosigkeit über diese verdächtigen Umstände
hinweg. Erst gegen die Mitte Aprils richtete man an den preußischen Gesandten,
den Marquis Lucchesini, die Frage, was der Reichstag bei der drohenden
Gefahr thun sollte. Die Antwort vom 14ten April lautete sehr unbefriedigend:
„Es sei zwar nicht wahrscheinlich, daß die Russen einen Einfall in Polen wagen
würden; höchstens würden sie sich als Freunde und Beschützer der Mißvergnügten
den Grenzen nähern; es liege jedoch der polnischen Nation ob, selbst
ihre Lage zu bedenken und wirksame Maßregeln für ihre Sicherheit zu treffen,