Reichsgerichtliche Entscheidungen. 85
Dig. mandati 17, 1, 1. 95 S. 11 Dig. de solut.
46, 3) die Verpflichtung de5 Gläubigers zur Diligenz
anerkannt; es folgt dies aus dem zwischen dem
Mandator und Mandatar bestehenden Vertragsverhältniß.
Anders liegt die Sache bei der füdejussio-Bei
dieser besteht kein zwelseitiges Rechtsverhältniß.
Der Gläubiger ist nur berechtigt, nicht auch verpflichtet,
und umgekehrt der Bürge nur verpflichtet,
nicht auch berechtigt. Eine Verpflichtung des Gläubigers
zur Diligenz gegenüber dem Bürgen kann
daher nicht angenommen werden, da eine solche
voraussetzen würde, daß der Gläubiger überhoupt
Verpflichtungen gegen den Bürgen hätte (vgl. 1. 62
Dig. de fidej. 46, 1; anders bei der fidejussio
indemnitatis. 1. 41 pr. eod.). War nun der
Gläubiger dem Bürgen gegenüber nicht zur Diligenz
verpflichtet, so wird auch eine Verpflichtung des
Ersteren zur sorglichen Bewahrung der Klagen,
welche ihm gegen den Hauptschuldner und etwaige
andere Bürgen zustanden, sich nicht konstruiren lassen.
Dem steht nicht entgegen, daß der Gläubiger
auch nach dem Recht der Pandekten durch die exceptio
cedendarum actionum genöthigt werden
konnte, die Klagen, welche er bei Geltendmachung
seines Anspruchs gegen den Bürgen noch besaß,
dem Bürgen abzutreten. Denn diese Einrede ist
keine besondere dem Bürgen zustehende Rechtswohlthat;
sie wurde vielmehr geltend gemacht als eine
exceptio doli generalis (vergl. I. 65 Dig. de
evict. 21, 2; 1. 25 Dig. de admin. et peric. 26, 7).
Einen dolus kann man nun wohl dem Gläubiger
vorwerfen, welcher sich weigern würde, die Ansprüche
gegen den Hauptschuldner und etwaige Mitbürgen,
die er zur Zeit seiner Befrledigung durch den Bürgen
noch besitzt, diesem abzutreten, insoweit dies ohne
Nachtheil für ihn geschehen kann (vgl. von Savigny,
Obligationenrecht I Seite 242 Note 4). Daraus folgt