460 Versammlungsbericht.
Lehrlinge in besonderen Lehrlingswerkstätten vereinigt und haben
dort einen bestimmt aufgebaut en Gang der Arbeiten zu erledigen
(Kal. kstätten und berschiedene große Fabriken),
oder sie werden in bestimmten Abteilungen des Betriebes mit genau
vorgeschriebenen Arbeiten beschäftigt.
In der Meisterwerkstatt kann ferner eine gewisse Einseitigkeit
vorkommen. Der Vorbericht zu dieser Versammlung hat dafür eine
Reihe von Tatsachen erwähnt. Es gibt eine große Anzahl von
Werkstätten, m denen ein Lehrling allseitig ausgebildet werden kann;
aber man müßte sich die Augen zubinden, wenn man die große Zahl
nicht sehen wollte, bei denen es nicht der Fall ist. Der Grund erdafür
ist hauptsächlich in wirtschaftlichen Umständen zu suchen.
das zu vergegenwärtigen, denken wir z. B. an das un“ nt
Die Arbeiten festsusetzen, die ein Glasergeselle beherrschen soll, führt
zu allerhand Überlegungen. In Süddeutschland und zum Teile in
Mitteldeutschland gehört zum Glaserhandwerk auch die Anfertigung
von Fenstern. In Norddeutschland gehört zu diesem Handwerke nur
das Einsetzen der Fensterscheiben, die Anfertigung von Bilderrahmen
und von Bleiverglasungen. In kleineren Ortschaften kommen Bleiverglasungen
oft selten vor. In den großen Städten tritt Spezialisierung
des Handwerks ein. Manche Werkstätten beschäftigen sich
nur mit Bildereinrahmung, andere nur mit Bauglaserei, wieder
andere nur mit Bleiglaserei. Lehrlinge, die nur in einem solchen
Spezialgewerbe gelernt haben, führen alle den Namen „Elasergeselle“.
Aber wie verschiedenartig ist ihr Können. Sie wären
süddeutschen oder norddeutschen Sinne beherrschen würden. Ich erinnere
ferner beispielsweise an das Tapeziergewerbe. Welche großen
Unterschiede zeigen hier wieder Klein-, Mittel- und Großstadt; welche
Unterschiede durch Spezialisierung: VToapetenkleber, Linoleumleger,
Polsterer, Fensterdekorateure Wohnungsdekorateure, selbst Innenarchitekten.
Welch großer 1nnterschied Soibt sich selbst durch die
Gegend innerhalb einer Stadt. Der Voitt, gicherle Tapezierer in
Berlin O oder N hat ganz andere Arbeiten als der in Berlin W,
der im Zentrum andere als der in einer Dillenkolonie, Jede Art von
Tapezierer bildet Lehrlinge aus. Von der Verschiedenartigkeit der
Ausbildung kann sich der Fernstehende kaum ein Bild machen. Jeder
ausgebildete Lehrling ist Tapeziergehilfe, aber vielen fehlt das an
der Ausbildung, was eben die Lehre ihm nicht bieten konnte. —
Ahnliche Verhältnisse finden wir auch durch Spezialisierung im
Schpziderr. Buch., Metall-, Holzgewerbe und manchen anderen.
Wünsche an die Meisterwerkstatt können auch inbezug auf die
Qualität der Arbeit gestellt werden. Bekannt ist, * es glücklicherweise
noch eine recht große Anzahl von Werfitätten gibt, in
denen der Lehrling gute Arbeit kennen lernt. Die Münsche haben
auch keine persönliche Richtung. Es liegt in der Natur der Sache,
daß der Meister mit der Arbeit des Larrlings wirtschaftlich rechnen
muß; wenn er es nicht täte, so würde er unwirtschaftlich handeln.
Für den Lehrling ist die Schulung darin, daß seine Arbeit stets an