Kronprinz Friedrich Wilhelm und Kronprinzeß Cuise. 7
gegen das gewaltthätige Treiben der Jakobiner zu machen. Man meinte
nicht anders, als daß der Feldzug nur ein militärischer Spaziergang,
etwa wie die Campagne in Holland 1787, sein würde. Darum schloß
sich der König selbst mit großem Gefolge dem vorrückenden Heere an
und trug auch kein Bedenken, seine beiden ältesten Söhne mit ins Feld
zu nehmen.
Allein völlig täuschte sich die Erwartung des Königs und seiner
Ratgeber. Der Vorstoß mißlang: das konservative Europa wich vor dem
revolutionären Frankreich zurück, und die Hreußen traten den Rückzug an
den Rhein an, um im nächsten Frühjahr den Vorstoß mit größerem
Nachdruck zu wiederholen. Daher kehrte der König nicht nach Berlin
zurück, sondern zog es vor, für den Winter sein Hauptquartier in Frankfurt
am Main zu behalten.
Von Darmstadt bis Frankfurt ist nur eine kurze Fahrt. Die verwitwete
Landgräfin Marie Cuise von Zessen in Darmstadt hielt es daher,
als der Frühling kam, für schicklich, den König von Hreußen, den Gemahl
ihrer Nichte Luise, in Frankfurt zu begrüßen und ihre beiden heranwachsenden
Enkelinnen, die jungen Berzoginnen von Mecklenburg-Strelitz,
Luise, die eben 17 Jahre geworden war, und die 15jährige Friederike
dem Könige vorzustellen. Die Landgräfin, auf der Beimreise von Hildburghausen
nach Darmstadt begriffen, hatte nur einen kurzen Besuch gemeint;
aber der König empfing sie so herzlich mit den jungen Orinzessinnen,
daß sie seine Einladung zum Souper nicht ablehnen konnte
und die Heiterfahrt bis zum nächsten Tage hinausgeschoben wurde.
Glückselige Märztage! Freudentage der preußischen Geschichte! In ihnen
entschied sich des Kronprinzen Geschick; überreichen Ersatz für eine lange
freudenlose Jugend sollte sie ihm bringen.
Der König beeilte sich, auch seine Söhne der greisen Freundin vorzustellen.
Mit elementarer Gewalt ergriff der Anblick der Berzogin TLuise
den Kronprinzen. So bestimmt vernahm er in seinem Herzen des Schicksals
Stimme. Ticht der Abend, in beiter angeregter Geselligkeit verbracht,
entschied, sondern er befestigte nur, was der erste Augenblick
entschieden hatte, als die Hrinzessin vor ihm stand, eine liebliche, schlanke
Erscheinung, wunderschön von Wuchs, im Schmucke reichen, dunkelblonden
Raares, in den tiefblauen Augen ihr reiches Gemüt, ihr warmes religiöses
Smpfinden widerspiegelnd, und durch die edle Natürlichkeit ihres
Wesens, durch die Reinheit ihres Herzens und durch die Idealität ihrer
ganzen Geistesrichtung gleichsam von einem magischen Schimmer um—
flossen, der seines herzgewinnenden Eindrucks nimmer verfehlte.