184 Aus den Werkstätten des Betrugs.
Aus den Werkstätten des Betrugs.
(Eine Erzbergeriade als Kachtrag und Schlußbilo.)
Die Form der Darstellung.
« . wärtige Regierung Erzberger, Bauer, Müller sich in Weimar dem deut“
schen Volke vorstellte. Ju den Reden Bauers und Müllers vom 23. Juli
1919 ist weiter nichts zu bemerken; sie bestätigen lediglich, was auf S. 171 über
die Erschöpfung der Intelligenzen im schwarzrotgoldenen Lager gesagt wurde. Auch
die Blätter der Roten konnten eine gewisse Verlegenheit über die Dürftigkeit der
Reden ihrer „Tüchtigsten“ kaum verbergen. Die Rede Erzbergers vom 25. Juli
nötigt aber zu einigem Eingehen, nicht weil sie so ziemlich allen Schwindel, der in
den vorangehenden Blättern bereits behandelt wurde, in nackter Form wieder"
holt, auch nicht, weil sie zu lehrreichen Betrachtungen Anlaß gäbe, wie leicht im
Parlamentarismus Gerissenheit der Mache zu Erfolgen führt, zu denen in einem
gediegenen Staatswesen Verstand, Wissen, Können und Leistungen erforderlich
wären, auch nicht, weil dadurch der Nationalismus wieder einmal vernichtet wer“
den sollte, sondern weil sie einen so tiefen Einblick in die Fechtweise der Herren und
in ihre Werkstätten gewährt.
Der Rede ging die wuchtige Anklage von Graefes voraus. Erzberger beginnt
seine Erwiderung: „Ist das alles? Das ist die einzige Frage, die ich an den Vorredner
zu richten habe.“ Die Schlagfertigkeit eines Clown in einem Jirkus. Kurz
darauf: „Wer im November bis Dezember knieschlotternd durch die Berliner Straßen
wanderte, das waren die Freunde von Graefes.“ Schlechter Oorftirkus. Der Bericht
verzeichnet stürmischen Beifall und große Heiterkeit links. Reife des Volkes. Bei
der ersten Bemerkung: Heiterkeit. Man stelle sich die Erzbergerrede im englischen
Parlament gehalten vor. Da hätte es auch Heiterkeit gegeben. Aber auf der Seite
der Opposition. Die Regierungspartei hätte sich in erschrockenes Schweigen gehüllt.
Umgekehrt wie bei uns. Denn wenn der Regierungsvertreter zu solchen
Mätzchen greifen muß, weiß jeder Politiker, der Mann weiß sachlich auf die gegen
ihn erhobenen Angriffe nichts zu erwidern.
Die Mißstände im Reich schreien zum Himmel, der letzte Hausknecht im hintersten
Winkel Deutschland merkt, es mag manches im alten Deutschen Reich nicht
schön gewesen sein; aber im neuen ist alles hundertmal schlechter. In jeder Beziehung.
Der Vertreter dieses neuen Reichs vermag zu seiner Verteidigung lediglich
das alte Sprüchlein abzuleiern, die Mißftände seien die Folgen der alten Regierungsmißwirtschaft.
Die republikanische Regierung war am 285. Juli fast neun Monate
am Ruder; sie hatte es ergriffen mit der Begründung, nur sie vermöge die zu
befürchtenden Folgen der alten Regierungsmißwirtschaft zu verhüten und dem
Volke ein besseres Los zu bereiten, als ihm unter der alten bevorstehe. Diese Begründung
hat sich als reiner Betrug erwiesen; die Republik hat nichts, aber auch
nichts zu verhindern gewußt, was immer sich auch die verwegenste schwarzrotgoldne