Full text : Der Deutsche Reichstag.

gliedern,  aus  denen  sich  die  Kommissionen  zusammenzusetzen  pflegen.
In  jenem  Seitenflügel,  an  welchem  sich  die  Journalisten-Tribüne  befindet,
  sind  in  unmittelbarer  Verbindung  mit  derselben  einige  Arbeitszimmer
  für  die  Journalisten,  zu  ebener  Erde  das  stenographische
Bureau  und  die  dazu  gehörigen  Räume,  ferner  im  ersten  Stock  das
Zimmer  für  den  Bureauvorsteher  und  die  Registraturen,  endlich  vor
der  Hofloge  ein  fürstlich  ausgestatteter  Empfangssalon  und  ein
besonderer  dementsprechend  gehaltener  Aufgang  für  den  Hof.

Der  Kaiser  eröffnete  den  Reichstag  am  16.  Oktober  mit  der
folgenden  Rede:

„Als  Ich  Sie  im  März  d.  J.  zum  ersten  Male  begrüßte,  hatten
die  Vorarbeiten  für  die  regelmäßige  Gesetzgebung  durch  den  Krieg
Verzögerungen  und  Unterbrechungen  erlitten.  Ihre  Thätigckeit  war
vorzugsweise  für  diejenigen  Fragen  in  Anspruch  zu  nehmen,  welche
sich  unmittelbar  aus  der  neuen  Gestaltung  Deutschlands  herleiteten,

Gegenwärtig  wird  die  Ordnung  des  Reichshaushalts  Ihre  hauptsächlichste
  Aufgabe  sein.  Es  kommt  darauf  an,  durch  Verwendung
eines  Teiles  der  Mittel,  welche  wir  den  Erfolgen  des  Krieges  verdanken,
  den  einzelnen  Bundesstaaten  von  den  Vorschüssen  zu  entlasten,
welche  sie  bisher  für  die  Zwecke  des  Reiches  zu  leisten  hatten,  und
auf  diesem  Wege  ein  normales  Verhältnis  zwischen  dem  Haushalt
des  Reiches  und  dem  Haushalt  seiner  Glieder  herzustellen.  Es  kommt
darauf  an,  die  für  Deutschland  erworbenen  Gebiete  mit  denjenigen
Einrichtungen  in  den  Haushalt  des  Reiches  einzufügen,  welche  ihnen
mit  dem  Reiche  gemeinsam  sind,  oder  ihnen  von  letzterem  gewährt
werden.  Es  kommt  darauf  an,  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  die  äußere
Lage  der  Beamten  des  Reiches  den  Anforderungen  entspreche,  welche
im  öffentlichen  Interesse  an  sie  gestellt  werden  müssen.  Ich  hatte
gehofft,  daß  Ihnen  auch  ein  Etat  für  die  Verwaltung  des  deutschen
Heeres,  wie  er  den  dauernden  Bedürfnissen  desselben  genügt,  würde
vorgelegt  werden  können.  Der  Umfang,  in  welchem  die  durch  den
Krieg  veranlaßten  Arbeiten  alle  Kräfte  der  Verwaltung  auch  über  die
Dauer  des  Krieges  hinaus  in  Anspruch  genommen  haben,  und  die
Umgestaltung  in  welcher  ein  Teil  des  Heeres  begriffen  ist,  haben  leider
die  rechtzeitige  Aufstellung  dieses  Etats  verhindert.  Ich  bin  daher
gendtigt,  Ihre  Zustimmung  dafür  in  Anspruch  zu  nehmen,  daß  die
Uebergangszeit,  welche  die  Reichsverfassung  bis  zum  Schlusse  des
laufenden  Jahres  für  den  Militär-Etat  bestimmt,  noch  auf  das
kommende  Jahr  ausgedehnt  werde.