Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

Betriebsamkeit.  361

Bbutegel  zucht.  Der  medizinische  Blutegel  wurde  vor  etwa  40—50
Jahren  im  Kreise  Oberpfalz  in  solcher  Anzahl  gezüchtet,  daß  hievon  nicht
nur  das  Bedürfniß  volle  Deckung  fand,  sondern  noch  eine  beträchtliche  Zahl
von  solchen  Saugern  außer  Landes  kam.  Gegenwärtig  befassen  sich  jedoch
blos  Wenige  mit  dieser  Züchtung,  daher  die  früheren  Anlagen  dazu  nur  noch
in  Rudimenten  sichtbar  sind.  Mit  vielem  Glücke  betreibt  den  genannten  Zweig
jedoch  der  praktische  Arzt  v.  Baumann  in  Schwandorf,  der  nach  vieljähriger
Erfahrung  der  Meinung  ist,  daß  der  Egel  auch  noch  in  anderen  Bezirken
des  Kreises  sicher  fortkomme  und  schöne  Erträgnisse  abzuwerfen  im  Stande  sei.

U.  Die  Hauptzweige  von  Jubustrie,  Gewerbe  und  Haudel  der
Oberpfalz.

Von  Alois  Schels.

Quellen  und  Hilfsmittel.

Uebersicht  der  Proruktion  des  Berg-,  Hötten=  und  1852.  —  Der  „Berggelst“,  Zeitschrift  für  Berg-,
Salinenbetriebes  in  Bavern  für  1859/60.  —  Die  Hüttenwesen  und  Inrustrie  1860  und  1861.  —
Jahresbertchte  der  Kreis-Gewerbs=  u.  Handels-  Die  dermalen  schwebende  Eisendadnfrage  d.  Ober-Kammer
  der  Oberpfalz  und  von  Regensburg  für  pfalz  rief  mehrere  Gelegenheitsschriften  vom  Vils-1857—1860.
  —  Das  Kunst=  u.  Gewerbeblatt  des  ecker  Verein,  aus  Weiden,  von  Hofrath  v.  Kerpolvtechn.
  Bereines  für  Bayern,  insbes.  der  Jahr-  siors,  Advok.  G.  Schlor  2#c.  bervor,  vie  für  die
tzang  1852,  mit  dem  Berichte  Fürurohr's  über  Inrustriegeschichte  der  Obervfalz  sehr  beachtens-#e#
  Kreisgewerbe-Ausstellung  zu  Regensburg  i.  J.]  werthe  Ausschlösse  geben.

Wenn  es  hier  am  Platze  wäre,  eine  geschichtliche  Skizze  über  die
Erwerbsthätigkeit  der  Oberpfalz  zu  liefern,  so  müßte  wohl  mit  den  Hermunduren,
  jenem  edlen  deutschen  Volksstamme,  der  Erze  grub  und  Eisen  schmiedete,
  begonnen  werden;  wir  wollen  hiedurch  nur  andeuten,  in  welch'  graues
Alter  die  Achtung  vor  der  Bedeutsamkeit  des  oberpfälzischen  Bergsegens
  hinaufreicht.

Beinahe  die  Hälfte  des  ganzen  Areales  (beiläufig  hundert  Quadratmeilen)
  birgt  unermeßliche  Schätze  ergiebiger  Erze.  Der  Jura  ist  mit  mächtigen
Lagern  von  Rotheisenstein  und  Bohnerz  bis  zu  30  Prozent  durchzogen,  während
  in  der  Tertiärformation  der  Thoneisenstein  30—40  prozentig  vorwaltet.
Die  reichhaltigsten  Erze  aber  finden  sich  an  der  uralten  Bergstadt  Amberg
und  der  dortige  Bergbau  bildet  die  Grundlage  der  gesammten  oberpfälzischen
Eisenindustrie.  Im  Bergamte  Amberg  wurden  während  des  Betriebsjahres
18  3½/%  aus  44.  Gruben  667,633  Ztnr.  Eisenerze  mit  einem  Geldwerthe  (am
Ursprungsorte)  von  126,653  fl.  42  kr.,  im  Bergamte  Bodenwöhr  aus  sieben
Gruben  32,680  Ztnr.  mit  einem  Geldwerthe  von  5230  fl.,  im  Bergamte
Fichtelberg  aus  19  gewerkschaftlichen  Gruben  23,258  Ztnr.  zu  4646  fl.  gefördert;
  die  Zahl  der  Bergleute  war  540.

Wenn  in  dem  erwähnten  Jahre  mehr  denn  hundert  Eisenerzgruben  in
der  Oberpfalz  nicht  im  Betriebe  standen,  so  lag  dieß  in  den  ungünstigen
Verhältnissen,  welche  seit  drei  Jahren  auf  die  Eisenindustrie  des  Zollvereins