Schlacht bei Gravelotte. 77
allen Punkten so rasch wieder entgegen, daß letzterer trotz aller An—
strengungen sich nicht aus seinen befestigten Punkten vorwagen konnte.
In ähnlicher Weise wie General Strubberg waren die Offiziere der
verschiedenen Truppentheile, selbst die Verwundeten unausgesetzt bemüht,
durch Zurufen und persönliches Eingreifen die Soldaten um
sich herum zu scharen, und in zahlreichen kleinen Kolonnen wurde dem
Feinde immer von neuem wieder Front geboten. Die wackere Bri—
gade, von Minute zu Minute immer mehr zusammenschmelzend, hielt
standhaft aus, bis es unseren Batterien gelang, die Höfe Moscou,
Leipzig, St. Hubert und Point du Jour, aus denen die Feuerschlünde
des Feindes uns durch gedecktes Kreuzfeuer beherrschten, total zu de—
moliren und so den Feind aufs nackte Feld hinauszutreiben. Bei
diesen Akzionen der Strubberg'schen Brigade konnte man in jedem
Stadium des blutigen Kampfes sich überzeugen, wie unwiderstehlich
das Beispiel, die Bravour unsrer Offiziere selbst die wankendsten Ele—
mente der Truppen mit sich fortreißt in den dichtesten Kugelregen,
wenn der Offizier durch seinen todesverachtenden Heldenmuth gleich—
sam als sammelnder Magnet die zersprengten oder geschreckten Truppen
an sich zieht. Daß diese mächtige Wechselwirkung zwischen Offizieren
und Mannschaften in diesem Kampfe so vielfach zu Tage getreten,
zeugt für den vortrefflichen Geist, der im preußischen Offizierkorps
herrscht und das Höchste zu leisten verspricht.“
Das Dorf Gravelotte und die französischen Posizionen zu beiden
Seiten des Dorfes Verneville waren am Nachmittage in den Händen
der Preußen, weiter aber konnte man, trotz der gewaltigsten Anstren—
gungen, kein Terrain gewinnen. Mehrere Stürme gegen die steilen
Abhänge wurden durch das hageldichte Feuer der Franzosen unter
den schwersten Verlusten zurückgeworfen, und man mußte, ehe man
im Süden weiter vorgehen konnte, das Eingreifen der Garde und
der Sachsen abwarten.
Gegen Mittag war die preußische Garde vor den französischen
Posizionen angelangt. Zwischen den beiden Dörfern St. Marie aux
Chènes und St. Privat la Montagne zeigte der Feind ansehnliche
Streitkräfte. Südöstlich von letzterem Orte gewahrte man die Höhen,
gegen welche das 9. Armeekorps kämpfte.