Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. LX. Band. (60)

Oberstrichterliche  Entscheidungen.  285

Beschwerdeführer  hat  nun  zwar  ausdrücklich  die  §§  622
u.  624  Thl.  II  Tit.  2  Preuß.  LR.  als  durch  den  angefochtenen
  Beschluß  verletzt  bezeichnet,  und  zwar  den  ersteren
Paragraphen  deshalb,  weil  ihm  das  hienach  für  ihn  begründete
  Recht  geradezu  abgesprochen  worden  sei,  letzteren
Paragraphen  deshalb,  weil  ohne  zureichende  Gründe  und
aus  zum  Theil  unter  sich  in  Widerspruch  stehenden  Erwägungen
  das  leibliche  und  geistige  Wohl  des  Curanden
durch  Verpflegung  und  Erziehung  bei  ihm  selbst  als  gefährdet
  angenommen  worden  sei.  Allein  eine  Verletzung
des  §  622  a.  a.  O.  würde  nur  dann  als  gegeben  anzusehen
  sein,  wenn  die  Vorinstanzen  ein  Recht  des  Beschwerdeführers,
  das  Kind  zur  eigenen  Verpflegung  und
Erziehung  an  sich  zu  nehmen,  gar  nicht  als  bestehend
anerkannt  und  nur  aus  diesem  Grunde,  gleichviel,  welche
Folgen  aus  einer  solchen  Verpflegung  und  Erziehung  für
das  Kind  entstehen  könnten,  den  Antrag  des  Beschwerdeführers
  abweisend  beschieden  hätten.

Diesen  Standpunct  haben  aber  die  beiden  Vorinstanzen
  keineswegs  eingenommen.  Im  Gegentheil  haben
sie  bei  ihren  Beschlüssen  den  §  622  wohl  vor  Augen
gehabt  und  das  vom  Beschwerdeführer  daraus  für  sich
abgeleitete  Recht  an  und  für  sich  gar  nicht  beanstandet,
sondern  ihre  Entschließung  lediglich  darouf  gegründet,
daß  von  einer  zustimmenden  Bescheidung  des  vom  Beschwerdeführer
  geslellten  Antrags  ein  Nachtheil  für
den  Curanden  zu  besorgen  wäre.  Zur  Prüfung  der
Frage,  ob  dies  der  Fall  sein  würde  oder  nicht,  waren
aber  die  Vorinstonzen  nach  §  624  a.  a.  O.  eben  so  berechtigt
  wie  verpflichtet.  Sie  hatten  hiebei  unter  Berücksichtigung
  aller  Umstände  ihr  pflichtmäßiges  Ermessen
walten  zu  lassen,  und  wenn  sie  hiebei  zu  einem  für  den
Beschwerdeführer  ungünstigen  Ergebnisse  gelangten,  so  ist
die  Nachprüfung  der  Entscheidung  einer  solchen  Ermessensfrage
  im  Allgemeinen  dem  mit  der  weiteren
Beschwerde  befaßten  Gerichtshofe  entzogen  Beschluß  vom
29.  April  1895;  Reg.-Nr.  III  20/95.