Metadata : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

IV.  Reformation  und  ständisches  Regiment.  237

ja  bald  eine  Reihe  von  praktischen  Konsequenzen  daraus  ge—
zogen  wurde.  Das  aber  that  Joachim,  wenn  er  in  dem  Kriege
zwischen  Dänemark  und  Schweden  zu  vermitteln  suchte,  um
Polen  nicht  hineingezogen  und  sich  zu  dessen  Unterstützung  ge—
nötigt  zu  sehen.  Auch  sonst  schien  diese  prenßische  Anwartschaft
unbequeme  Verwickelungen  herbeizuführen.  Zwar  liefen  die
Haufen,  die  der  unruhige  Herzog  Erich  von  Braunschweig  im
Herbst  1563  durch  Pommern  an  die  Weichsel  führte,  schnell
auseinander;  doch  sollte  der  Deutsche  Orden  mit  Zustimmung
des  Kaisers  und  Unterstützung  Spaniens  den  drohenden  allgemeinen
  Krieg  zur  Wiedereroberung  Preußens  benutzen  wollen.
Dann  bemühte  sich  in  der  Stille  Johann  Albrecht  von  Mecklenburg,
  dessen  Schwester  dem  neuen  Herzog  von  Kurland  zur
Gattin  bestimmt  war,  bei  seinem  altersschwachen  Schwiegervater,
  Herzog  Albrecht,  seinem  eigenen  Haus  die  Nachfolge  in
Preußen  zu  verschaffen.  Als  Joachim  im  Herbst  1565  die  Erbhuldigung
  wünschte,  wollten  die  preußischen  Stände  zuvor  nicht
bloß  ihre  dermaligen  Rechte  und  Freiheiten,  sondern  auch  gleich
alle  künftig  zu  erwerbenden  verbrieft  haben.  Dennoch  kam  es
im  Jannar  1566  zu  einer  Verständigung.  Aber  die  unerhörte
Demütigung  abzuwenden  oder  auch  nur  zu  mildern,  welche  die
Stände  eben  damals  unter  Mitwirkung  Polens  dem  von  unwürdigen
  Günstlingen  irre  geleiteten  Herzog  bereiteten  (S.  107),
hat  Joachim  nicht  einmal  den  Versuch  gemacht.  Hinter  den
preußischen  Ständen  aber  standen  die  polnischen  Magnaten,
unversöhnliche  Feinde  des  Deutschtumo,  die  nicht  gemeint
waren,  diesem  durch  die  Verbindung  Preußens  mit  Brandenburg
  volle  Sicherheit  zu  gewähren.  Den  Eid,  mit  dem  die
preußischen  Stände  bei  der  Erbhuldigung  Brandenburgs  Nachfolgerecht
  anerkannten,  erklärte  der  polnische  Reichotag  für
nichtig.  Joachim  II.  hat  das  ruhig  hingenommen.  Aber  je
ungestümer  sich  das  Polentum  gebärdete,  um  so  wichtiger  wurde
für  die  preußischen  Stände  die  Verbindung  mit  Brandenburg
und  mußte  von  ihnen  um  so  höher  geschätzt  werden,  je  eindringlicher
  das  sich  eben  damals  erfüllende  Schicksal  Westpreußens
zu  ihnen  sprach  (S.  95).  Darüber  starb  am  20.  Marz  1508
der  greise  Herzog.  Auf  dem  Lubliner  Reichstage,  wo  sein  Sohn,