979
verschärft: den kampf, den das gesetz versaget. hast
du mit frevlem muth gewaget Schiller Kampf mit
d. Dr. 54; mein frevler wunsch Grillparzer 3, 68;
zu solchem tolldreisten, frevlen treiben 5, 176. —
Frevel, m. frevle That; ahd. als Fem. fravali. fravili,
mhd. als Masc. und Fem. vrevele, vrevel. Ableitun
vom vorigen Adj.; in ältester Bed. kühne That: so wi
ich (Winkelried) ein frefel bstan Sempacher Lied bei
Liliencron 1,131; auch Mutwillen, noch bei Adelung
das kind weisz vor frevel nicht, was es anlangen
zoll; gewöhnlich im übeln Sinne, Vermessenheit, Frechheit,
mutwillige Ungesetzlichkeit: die erde war vol
irevels 1. Mos. 6, 11; soll der frevrel sich vor unsern
augen vollenden? Schiller Tell 3, 3; Plur.: greuliche,
greuliche frevel Ränb. 2, 3; abgeschwächter: ist
lieben denn frevel? Kab. 5, 1; die unbekannte wählen
würe frevel Goethe nat. Tocht. 4, 1; in der Rechtsspr.
leichtere Gesetzesübertretungen, namentlich mutwillige Beschädigung
fremden Eigentums, baum-, forst- feld-, holz-,
jagdlrevel; bairisch auch geringe Geldstrase Schmeller.
Dazu: Frcvelmut, m. Frevelsinn, m. frevelhafter Mut,
Sinn. — Frrörlthat, f. frevelhafte That: ungluek oder
trevelthat? Grillparzer 3, 92. — Frevelwort, n.
Krevelhaftes Wort: ruchlose zunge die das frevclwort
ausspricht Schiller Räub. 3, 1.
Frevelhaft, wie das Adj. frevel, mhd. vrevelhaft
und vrevelhaftic: so frevelhaftig seine seeligkeit in die
schanze schlagen Simpl. 1, 329; der frech und kuhn
das heilige und hehre verletzt mit frevelhaftem speere
Schiller Zerst. Trojas 39; ein tollkuhn frevelbaft
gelust Heyse 3, 253. — freveln, Frevel begehen, mhd.
vrevelen; kemerare frevelen Dief.; intranf.: die gerne
freveln Pf. 11, 5; wo aber jemand an seinem nebesten
frevelt 2. Mos. 21, 14; leg ich bier diesen blutigen
stab nieder, worunter zu freveln ihr euch berechtiget
wähntet Schiller Ränb. 5, 2; gegen, wicer bestimmungen
freveln; tranf.: was er alles an unserer landeskirche
gefrevelt hatte CFMeyer Nov. 1, 129; auch
Buße für Frevel erlegen Adelung. — freventlich,
frevelhaft; eigentlich frefenlieh, Ableitung von einer
Nebenform des Adj. frefel frefen (fräfne verwägne thaat
Maaler) mit lich: fräfenlich, audacter, dapferlich
ebd.; mit Einschub des t bei Stieler frekentlich, frefendliche
vermessenheit, frefendlich reden neben frelelich,
mhd. vrevellich; den tod nicht freventlich suchen
Lessing Dram. 1; ich habe wich nicht freventlich
vermessen Goethe Faust I. — Frevler, m. der da
frevelt, freveler, frefler, trech Henisch; mit Anlehnung
an das unverwandte lat. /v###e# fribuler neben frebeler,
treveler Dies.; gottes verechter, freveler Röm. 1, 30;
erröttet den beraubten aus des frevelers hand Jer. 21, 12;
ein frevler an dem eignen blut Schiller Br. v. Mess.
389; in der Rechtsspr. holz-, jagd-, waldfrevler u. a. —
frevlerisch, einem Frevler gemäß: frevlerische that,
frevlerisch handeln.
Friede, Frieden, m. Schutz, Sicherheit, Ruhe.
Gemeingermanisches, nur gothisch nicht bezeugtes Wort,
altnord. kriör, altengl. fridu, freoßo, altsächs. friöu, ahd.
tridu, mhd. vride; Ableitung aus der auch krei (s. d.)
u Grunde liegenden germanischen Wurzel fri, und dem
ältesten Sinne nach den Rechtszustand innerhalb der
eigenen Sippe bezeichnend, woraus die späteren Bed. sich
entwickeln. Declination in der alten Spr. die starke, im
Mhd. fangen daneben an sich schwache Formen zu entwickeln,
die aber lange bis zur Alleinherrschaft brauchen:
Luther hat neben dem Nom. Sing. der kriede den Gen.
Frevel — Friede.
des friedes, nur Dat. und Acc. neben triede öster schon W
frieden, aber kriecke als Dat. und Acc. kennt auch noch
die neuere Spr., Belege aus Wieland und Schtlier
unten; die Nominativform frieden, noch zest nicht völlig
durchgedrungen, ist erst im 18. Ih. emporgekomm. u# defrieden
Gottsched Sprachlehre 228). Die ehemalige
Friedensbote — Friedensstister. 980
starke Declination zeigt sich noch jetzt in eigentlichen Zusammensetzungen
9 unten). Bed. 1) Schutz, öffentliche
Ruhe und Sicherheit der Person und des Eigentums,
in älterer Spr. die Hauptbedeutung, in neuerer noch
nicht vergessen, wenn auch mehr in Formeln als lebendiger
Rede; vgl. burg-, gerichts-, gottes-, haus-, königs-,
marktfriede; euch schutzt des königs frieden Schiller
Jungfr. 4, 13; fried und glait Haltaus 627; inner--halb
unsers königes fried und treiem geleite Goethe
Rein. F. 1; einem krieden geben, in den frieden setzen,
den frieden brechen; das wir in guten frieden stehn
Luther 8, 3625; ich setzte ihn aus dem frieden.
Immermann Münchh. 4, 116; in verblaßteren Formeln:
nu lessestu deinen diener im friede faren Luc.
2, 29; lasset sie mit frioden Marc. 14, 6; einen im
frieden hinweg lassen Stieler; Uszt ihn .. nieht
mit friece Wieland Klelia 7, 60, vgl. auch zufrieden;
frieden vor einem haben. gesichert fein; dem frieden,
landfrieden nicht trauen; doch, dünkt mich, ist dem
frieden nicht zu trauen Heyse 3, 272. 2) Schutzgebiet,
vgl. burgfriede; in älterer Spr. Bezirk, eingehegter
Raum: (einen) zichen balde in sinen fride Engelh.
2765: in Baiern frid der Zaun Schmeller. 3) Abwesenheit
der Feindseligkeiten, zunächst der öffentlichen,
Gegensatz krieg: pa fridde, friede, frid Dies.:; wenn
du fur eine stadt zeuchst sie zu bestreiten, so soltu
jr den friede anhieten 5. Mos. 20, 10; als wolten sie
frieden mit jnen halten 1. Macc. 7, 10; lasset uns frieden
mit diesem volk machen 6, 58; er schaffet deinen
grenzen friede Pf. 147, 14; frieden erlangen, schlieszen,
den frieden eingehen; die hberstellung des friedene
Zwisehen den christlichen müchten Ranke Päpste 1,93;
wie lange haben wir schon frieden? Lessing Minna
2, 1; als Person gefaßt: schön ist der friede" ein lieblieher
knabe Schiller Br. v. Mess. 870; — Einigkeit
des Einzelnen mit seiner Umgebung, Gegensatz zank,
streit; häuslicher friede; in friede und einigkcit mit
seinen nachbarn leben; in ruh und frieden mit meinem
nachber Goethe Götz 2; ich halte friede, aber wenn
ich rede, so fahen sie krieg an Ps. 120, 7; habt mit
allen menschen friede Röm. 12, 18; frieden stiften,
stören; Zuruf an Streitende frid, frid Henisch, u. a.
4) in verinnerlichter Bed., Abwesenheit von dem was
den Menschen seelisch beunruhigt: so haben wir friede
mit gott Röm. 5, 1; friede sei mit euch! Luc. 24, 36;
meinen friede gebe ich euch Joh. 14, 27; gnade
und friede von gott unserm vater Röm. 1, 7; ein stiller
iriede kommt auf mich Gocthe Jägers Abendlied;
macht friede mit euch selbst Schiller M. Stuart 1, 4;
meiner seele goldnen frieden Grillparzer 3, 118;
als Wunsch: friede seiner asche!; friede deinen heilgen
resten Schiller Siegessest; in sormelhafter Verbindung
mit freude: mit frid und freud ich far da bin Lied v.
Luther; da unser schreck auf erden soll fried und
freude werden P Gerhard 145; in frieden und freude
will ich das haus meines vaters wiederschen Freytag
Ahnen 5, 227. — Zusammensetzungen: Frirdensbote, m.
der den Frieden verkündigt: friedensboten, ziehet ein!
Grillparzer 3, 125. — Friedensbrecher, m. der die
öffentliche Eckerzeit gewaltthätig bricht; älter friede-=brecher,
friedbrocher: den friedbrechern und mördern
Luther 1, 341b. — Friedensbruch, m. gewaltthätiger
Bruch der öffentlichen Sicherheit; auch der häuslichen,
vgl. hausfriedenshraen. — Frirdensfeier, f. Friedrusg#
„n. Feier, Fest des geschlossenen Friedens. — Frieensfürst,
m. Fürst der den Frieden schützt Schiller
allenst. Tod 5, 1; auf Christus bezogen, friedfurst,
triedefurst Jes. 9, 6. — Friedensfuß, m. Verhältnis in
Friedenszeiten: auf friedensfusze leben, das heer auf
K. setzen. — Friedensrichter, m. der Streitigleiten
schlichtet. — Friedensschluß, m. Abschluß eines Friedens.
— Friedensstifter, m. Stifter des Friedens. —
1