Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1862. (53)

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verschärft:  den  kampf,  den  das  gesetz  versaget.  hast
du  mit  frevlem  muth  gewaget  Schiller  Kampf  mit
d.  Dr.  54;  mein  frevler  wunsch  Grillparzer  3,  68;
zu  solchem  tolldreisten,  frevlen  treiben  5,  176.  —
Frevel,  m.  frevle  That;  ahd.  als  Fem.  fravali.  fravili,
mhd.  als  Masc.  und  Fem.  vrevele,  vrevel.  Ableitun

vom  vorigen  Adj.;  in  ältester  Bed.  kühne  That:  so  wi
ich  (Winkelried)  ein  frefel  bstan  Sempacher  Lied  bei
Liliencron  1,131;  auch  Mutwillen,  noch  bei  Adelung
  das  kind  weisz  vor  frevel  nicht,  was  es  anlangen
zoll;  gewöhnlich  im  übeln  Sinne,  Vermessenheit,  Frechheit,
  mutwillige  Ungesetzlichkeit:  die  erde  war  vol
irevels  1.  Mos.  6,  11;  soll  der  frevrel  sich  vor  unsern
augen  vollenden?  Schiller  Tell  3,  3;  Plur.:  greuliche,
  greuliche  frevel  Ränb.  2,  3;  abgeschwächter:  ist
lieben  denn  frevel?  Kab.  5,  1;  die  unbekannte  wählen
würe  frevel  Goethe  nat.  Tocht.  4,  1;  in  der  Rechtsspr.
leichtere  Gesetzesübertretungen,  namentlich  mutwillige  Beschädigung
  fremden  Eigentums,  baum-,  forst-  feld-,  holz-,
jagdlrevel;  bairisch  auch  geringe  Geldstrase  Schmeller.
Dazu:  Frcvelmut,  m.  Frevelsinn,  m.  frevelhafter  Mut,
Sinn.  —  Frrörlthat,  f.  frevelhafte  That:  ungluek  oder
trevelthat?  Grillparzer  3,  92.  —  Frevelwort,  n.
Krevelhaftes  Wort:  ruchlose  zunge  die  das  frevclwort
ausspricht  Schiller  Räub.  3,  1.

Frevelhaft,  wie  das  Adj.  frevel,  mhd.  vrevelhaft
und  vrevelhaftic:  so  frevelhaftig  seine  seeligkeit  in  die
schanze  schlagen  Simpl.  1,  329;  der  frech  und  kuhn
das  heilige  und  hehre  verletzt  mit  frevelhaftem  speere
Schiller  Zerst.  Trojas  39;  ein  tollkuhn  frevelbaft
gelust  Heyse  3,  253.  —  freveln,  Frevel  begehen,  mhd.
vrevelen;  kemerare  frevelen  Dief.;  intranf.:  die  gerne
freveln  Pf.  11,  5;  wo  aber  jemand  an  seinem  nebesten
frevelt  2.  Mos.  21,  14;  leg  ich  bier  diesen  blutigen
stab  nieder,  worunter  zu  freveln  ihr  euch  berechtiget
wähntet  Schiller  Ränb.  5,  2;  gegen,  wicer  bestimmungen
  freveln;  tranf.:  was  er  alles  an  unserer  landeskirche
  gefrevelt  hatte  CFMeyer  Nov.  1,  129;  auch
Buße  für  Frevel  erlegen  Adelung.  —  freventlich,
frevelhaft;  eigentlich  frefenlieh,  Ableitung  von  einer
Nebenform  des  Adj.  frefel  frefen  (fräfne  verwägne  thaat
Maaler)  mit  lich:  fräfenlich,  audacter,  dapferlich
ebd.;  mit  Einschub  des  t  bei  Stieler  frekentlich,  frefendliche
  vermessenheit,  frefendlich  reden  neben  frelelich,
  mhd.  vrevellich;  den  tod  nicht  freventlich  suchen
Lessing  Dram.  1;  ich  habe  wich  nicht  freventlich
vermessen  Goethe  Faust  I.  —  Frevler,  m.  der  da
frevelt,  freveler,  frefler,  trech  Henisch;  mit  Anlehnung
an  das  unverwandte  lat.  /v###e#  fribuler  neben  frebeler,
treveler  Dies.;  gottes  verechter,  freveler  Röm.  1,  30;
erröttet  den  beraubten  aus  des  frevelers  hand  Jer.  21,  12;
ein  frevler  an  dem  eignen  blut  Schiller  Br.  v.  Mess.
389;  in  der  Rechtsspr.  holz-,  jagd-,  waldfrevler  u.  a.  —
frevlerisch,  einem  Frevler  gemäß:  frevlerische  that,
frevlerisch  handeln.

Friede,  Frieden,  m.  Schutz,  Sicherheit,  Ruhe.
Gemeingermanisches,  nur  gothisch  nicht  bezeugtes  Wort,
altnord.  kriör,  altengl.  fridu,  freoßo,  altsächs.  friöu,  ahd.
tridu,  mhd.  vride;  Ableitung  aus  der  auch  krei  (s.  d.)
u  Grunde  liegenden  germanischen  Wurzel  fri,  und  dem
ältesten  Sinne  nach  den  Rechtszustand  innerhalb  der
eigenen  Sippe  bezeichnend,  woraus  die  späteren  Bed.  sich
entwickeln.  Declination  in  der  alten  Spr.  die  starke,  im
Mhd.  fangen  daneben  an  sich  schwache  Formen  zu  entwickeln,
  die  aber  lange  bis  zur  Alleinherrschaft  brauchen:
Luther  hat  neben  dem  Nom.  Sing.  der  kriede  den  Gen.

Frevel  —  Friede.

des  friedes,  nur  Dat.  und  Acc.  neben  triede  öster  schon  W

frieden,  aber  kriecke  als  Dat.  und  Acc.  kennt  auch  noch
die  neuere  Spr.,  Belege  aus  Wieland  und  Schtlier
unten;  die  Nominativform  frieden,  noch  zest  nicht  völlig
durchgedrungen,  ist  erst  im  18.  Ih.  emporgekomm.  u#  defrieden
  Gottsched  Sprachlehre  228).  Die  ehemalige

Friedensbote  —  Friedensstister.  980

starke  Declination  zeigt  sich  noch  jetzt  in  eigentlichen  Zusammensetzungen
  9  unten).  Bed.  1)  Schutz,  öffentliche
Ruhe  und  Sicherheit  der  Person  und  des  Eigentums,
in  älterer  Spr.  die  Hauptbedeutung,  in  neuerer  noch
nicht  vergessen,  wenn  auch  mehr  in  Formeln  als  lebendiger
  Rede;  vgl.  burg-,  gerichts-,  gottes-,  haus-,  königs-,
marktfriede;  euch  schutzt  des  königs  frieden  Schiller
Jungfr.  4,  13;  fried  und  glait  Haltaus  627;  inner--halb
  unsers  königes  fried  und  treiem  geleite  Goethe
Rein.  F.  1;  einem  krieden  geben,  in  den  frieden  setzen,
den  frieden  brechen;  das  wir  in  guten  frieden  stehn
Luther  8,  3625;  ich  setzte  ihn  aus  dem  frieden.
Immermann  Münchh.  4,  116;  in  verblaßteren  Formeln:
  nu  lessestu  deinen  diener  im  friede  faren  Luc.
2,  29;  lasset  sie  mit  frioden  Marc.  14,  6;  einen  im
frieden  hinweg  lassen  Stieler;  Uszt  ihn  ..  nieht
mit  friece  Wieland  Klelia  7,  60,  vgl.  auch  zufrieden;
frieden  vor  einem  haben.  gesichert  fein;  dem  frieden,
landfrieden  nicht  trauen;  doch,  dünkt  mich,  ist  dem
frieden  nicht  zu  trauen  Heyse  3,  272.  2)  Schutzgebiet,
vgl.  burgfriede;  in  älterer  Spr.  Bezirk,  eingehegter
Raum:  (einen)  zichen  balde  in  sinen  fride  Engelh.
2765:  in  Baiern  frid  der  Zaun  Schmeller.  3)  Abwesenheit
  der  Feindseligkeiten,  zunächst  der  öffentlichen,
Gegensatz  krieg:  pa  fridde,  friede,  frid  Dies.:;  wenn
du  fur  eine  stadt  zeuchst  sie  zu  bestreiten,  so  soltu
jr  den  friede  anhieten  5.  Mos.  20,  10;  als  wolten  sie
frieden  mit  jnen  halten  1.  Macc.  7,  10;  lasset  uns  frieden
  mit  diesem  volk  machen  6,  58;  er  schaffet  deinen
grenzen  friede  Pf.  147,  14;  frieden  erlangen,  schlieszen,
den  frieden  eingehen;  die  hberstellung  des  friedene
Zwisehen  den  christlichen  müchten  Ranke  Päpste  1,93;
wie  lange  haben  wir  schon  frieden?  Lessing  Minna
2,  1;  als  Person  gefaßt:  schön  ist  der  friede"  ein  lieblieher
  knabe  Schiller  Br.  v.  Mess.  870;  —  Einigkeit
des  Einzelnen  mit  seiner  Umgebung,  Gegensatz  zank,
streit;  häuslicher  friede;  in  friede  und  einigkcit  mit
seinen  nachbarn  leben;  in  ruh  und  frieden  mit  meinem
nachber  Goethe  Götz  2;  ich  halte  friede,  aber  wenn
ich  rede,  so  fahen  sie  krieg  an  Ps.  120,  7;  habt  mit
allen  menschen  friede  Röm.  12,  18;  frieden  stiften,
stören;  Zuruf  an  Streitende  frid,  frid  Henisch,  u.  a.
4)  in  verinnerlichter  Bed.,  Abwesenheit  von  dem  was
den  Menschen  seelisch  beunruhigt:  so  haben  wir  friede
mit  gott  Röm.  5,  1;  friede  sei  mit  euch!  Luc.  24,  36;
meinen  friede  gebe  ich  euch  Joh.  14,  27;  gnade
und  friede  von  gott  unserm  vater  Röm.  1,  7;  ein  stiller
iriede  kommt  auf  mich  Gocthe  Jägers  Abendlied;
macht  friede  mit  euch  selbst  Schiller  M.  Stuart  1,  4;
meiner  seele  goldnen  frieden  Grillparzer  3,  118;
als  Wunsch:  friede  seiner  asche!;  friede  deinen  heilgen
resten  Schiller  Siegessest;  in  sormelhafter  Verbindung
mit  freude:  mit  frid  und  freud  ich  far  da  bin  Lied  v.
Luther;  da  unser  schreck  auf  erden  soll  fried  und
freude  werden  P  Gerhard  145;  in  frieden  und  freude
will  ich  das  haus  meines  vaters  wiederschen  Freytag
Ahnen  5,  227.  —  Zusammensetzungen:  Frirdensbote,  m.
der  den  Frieden  verkündigt:  friedensboten,  ziehet  ein!

Grillparzer  3,  125.  —  Friedensbrecher,  m.  der  die
öffentliche  Eckerzeit  gewaltthätig  bricht;  älter  friede-=brecher,

  friedbrocher:  den  friedbrechern  und  mördern
Luther  1,  341b.  —  Friedensbruch,  m.  gewaltthätiger
Bruch  der  öffentlichen  Sicherheit;  auch  der  häuslichen,
vgl.  hausfriedenshraen.  —  Frirdensfeier,  f.  Friedrusg#
  „n.  Feier,  Fest  des  geschlossenen  Friedens.  —  Frieensfürst,
  m.  Fürst  der  den  Frieden  schützt  Schiller
allenst.  Tod  5,  1;  auf  Christus  bezogen,  friedfurst,
triedefurst  Jes.  9,  6.  —  Friedensfuß,  m.  Verhältnis  in
Friedenszeiten:  auf  friedensfusze  leben,  das  heer  auf
K.  setzen.  —  Friedensrichter,  m.  der  Streitigleiten
schlichtet.  —  Friedensschluß,  m.  Abschluß  eines  Friedens.
  —  Friedensstifter,  m.  Stifter  des  Friedens.  —

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