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frohen Genuffähigkeit für Alles, was das Leben an Reiz und Schönheit bietet,
troß der ihr so reich zuströmenden Beglückungen durch Liebe und Freundschaft
doch, daß es noch etwas Höheres gebe, als diese, die doch immer noch, wie
geistig auch, irdisches Gut sind, und daß es doch nothwendig ist, noch eine
tiefere Quelle des Glückes, als sie zu suchen, nämlich die unbedingte gläubige
Hingebung an die ewigen Wahrheiten der Religion. Diese Hingebung, ohne
welche der Mensch niemals eine vollständige, dauernde Befriedigung erlangen
kann, war in hohem Grade ihr Eigenthum, und zwar in einer ganz conereten,
positiven Weise; denn ihr edler Geist, der stets dem Idealen zustrebte, sah in
dem Heiland der Welt eben das höchste und reinste Ideal, weil er die göttliche
Lehre zugleich auch durch Leben und That verwirklichte. In ihrem eigenen
schönen Herzen fand sich zu viel Anklang an jene unendlich reiche, aufopfernde
Liebe, als daß fie nicht mit der innigsten Ergebung an dem Ideale hätte haften
sollen. Ihre Religion war eine Religion der Liebe und der christlichen Thatkraft,
die sich, fern von allem starren Haften an dem Wort, auf dem Boden
des praktischen Lebens nach allen Seiten hin, in der Ehe, der Familie, dem
Freundeskreise, dem öffentlichen Leben, reich und ergiebig entwickelte. Und
hierin war ihr, wenn auch nicht mit ähnlich idealem Gedankenfluge, doch in
Bezug auf die praktische Seite, ihr hoher Gemahl vollkommen gleich; ja bei
seinem ernsteren, minder dem Walten lebhafter Gefühls= und Phantafieschwingungen
ergebenen Wesen blieb die religiöse Stimmung wohl noch unausgesetzter
in dem Vordergrunde der Anschauungen, wie das so ernsten Naturen eigen
ist. Dies erkannte auch die Königin gern und willig, ja, wie es bei aufrichtig
hingebender Neigung so süß ist, den geliebten Gegenstand mit höheren
Vorzügen geschmückt zu sehen, stand sie gerührt zu, ihr Gemahl sei der
beste Mensch und Christ auf Erden, sie selbst sei durch ihn wahrhaft besser
geworden.
Am besten bewährt sich wohl Adel der Seele und wahre Größe des
Charakters im Unglück, und mit wie zerschmetternden Schlägen traf es nicht
auf die Königin Luise? Zwar war sie weit entfernt von jedem abgemessenen,
vornehmen Wesen, welches sich der Aeußerung schmerzlicher Gefühle schämt;
durch und durch natürlich, verleugnete sie die Größe ihres Schmerzes nicht,
allein fie verlor auch nie andererseits das Vertrauen auf die Vatergüte Gottes
und fand in den Tröstungen der Religion stets die nöthige Ruhe wieder. In
der Stunde schwerer Prüfung pflegte sie dann gern ihren Trost darin zu finden,
daß sie ein geistliches Lied zur Begleitung des Claviers sang und so auch ihre
Umgebung zu eben denselben Gefühlen stimmte. Dabei blieb sie von Bitterkeit
gegen die, von denen ihr Unglück herstammte, frei und ließ sich nie, was doch
sonst wohl edlen weiblichen Seelen begegnet, zu leidenschaftlicher Stimmung
hinreißen, indem sie stets den befseren Gefühlen Raum gab. Während ihre
Umgebung den ungemessensten Haß gegen Napoleon an den Tag legte, blieb
sie, wiewohl der große Eroberer hier oft den Ueinlichsten Rogungen gehorchu,