Full text : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

—  200  —

„Gewiß,“  fuhr  der  Vater  fort,  „die  Kröten  sind  recht  gefräßige
Tiere.  Was  sie  nächtlicherweile  erbeuten,  führt  meistens  nicht  viel
Gutes  gegen  unsere  Pflanzen  im  Schilde.  Namentlich  die  bösen  Nachtschnecken
  richten  viel  Unheil  an,  und  ihnen  stellt  die  Kröte  besonders
nach.  Manche  Gärtner  haben  dies  auch  schon  längst  erkannt  und
suchen  die  Kröte  auf  alle  Weise  zu  hegen.“

„Weißt  du  was,  Dater,  da  lassen  wir  unsere  Kröte  doch  lieber
im  Garten.  Ich  meine,  das  wird  dem  Tierchen  auch  besser  gefallen."

Kurt  hatte  noch  nicht  ausgesprochen,  da  hatte  der  kleine  Fritz
den  Blumentopf  schon  umgestülpt.

„So,  da  hast  du  deine  Freiheit!“  sagte  er.

„Recht  getan,  mein  Junge,“  lobte  der  Dater,  „aber  nun  kommt
zu  dem  Erdbeerbeete.  Ich  sah  heute  morgen  eine  Menge  reifer
Früchte.“

Jubelnd  stürmten  die  Knaben  von  dannen.

197.  Der  kleine  Bergmann.  Von  Karl  Pils—

eute  will  ich  dir  von  einem  kleinen  vierbeinigen  Bergmann  er—

zählen,  den  man  Maulwurf  nennt,  und  dessen  Tisch  nach  der
Arbeit  immer  nur  im  Innern  der  Erde  gedeckt  ist.  Der  kurze,  dicke
Bursche  hat  einen  sammetschwarzen  Bergmannskittel  an,  der  bald
weißlich,  bald  bläulich  schillert  und  wie  ein  Pelz  behaart  ist.  Wenn
er  anfängt,  ein  halbes  Meter  unter  der  Erde  zu  arbeiten,  hält  er
sich  mit  seinen  Schaufelhänden  fest;  dann  bohrt  er  seine  rüsselartige
Schnauze  in  den  lockern  Boden,  zerscharrt  mit  den  Grabfüßen  die
Erde  und  wirft  sie  mit  außerordentlicher  Schnelligkeit  hinter  sich.
Wenn  er  nun  in  diesem  Schacht  arbeitet,  so  fallen  nicht  selten  Sandkörner
  und  Erdstückchen  von  der  Decke  des  Ganges  herunter,  aber
das  erschreckt  ihn  nicht.  Seine  kleinen  schwarzen  Augen,  die  er  selten
gebraucht,  sind  geschützt  und  liegen  unter  dem  Pelze  verborgen.  Auch
die  Ohren  —  Ohrmuscheln  hat  er  gar  nicht  —  sind  gut  verwahrt;
aber  er  hat  dennoch  ein  sehr  scharfes  Gehör.  Er  hört  die  leiseste
Erderschütterung  und  macht  sich  schnell  davon,  wenn  er  einen  verdächtigen
  Ton  vernimmt.

Sein  ganzes  Bergwerk  legt  er  wohl  ein  Meter  tief  unter
der  Erde  an,  aber  er  ist  sehr  vorsichtig  bei  der  Wahl  des  Platzes,
und  das  eigentliche  Lager  sucht  er  sich  gern  unter  Baumwurzeln
oder  unter  Mauern  zu  bereiten.  Die  vielen  .  Gänge  und  Röhren,
die  zu  seiner  Wohnung  führen,  sind  die  Stollen  seines  Bergwerkes.
  Er  benutzt  sie,  wenn  er  auf  die  Jagd  geht;  und  er  geht