Volltext : Archiv für öffentliches Recht.Sechzehnter Band. (16)

—  598  —

Inkompetenz  der  Ortsgerichte  dem  fremden  Fiskus  gegenüber
nicht  anerkennen.  Hierher  gehören  von  den  neuesten  BoNFILS,
v.  HARTMANN,  v.  Bar,  LAURENT,  WEISS,  DESPAGNET  u.  e.  a.
Aber  auch  diese  gestehen  gewisse  Einschränkungen  ein  und  versuchen
  eine  Grenze  zwischen  Handlungen  des  Staates,  die  ratione
gestionis,  und  denen,  die  ratione  administrationis  unternommen
werden,  zu  ziehen,  wobei  nur  die  ersteren  als  den  Gerichten
unterstehend  angesehen  werden.

Wir  wollen  hier  nicht  in  das  Wesen  dieses  Streites  eingehen,
  da  die  rechtliche  Struktur  eines  Rechtsverhältnisses  nicht
davon  abhängig  gemacht  werden  kann,  ob  hierbei  eine  Klage
möglich  sei  oder  nicht.  Bei  dem  heutigen  Stande  des  Rechtsbewusstseins
  ist  es  in  der  That  schwer,  sich  vorzustellen,  dass
das  Prinzip  der  Zuständigkeit  eines  fremden  Staates  den  Gerichten
  des  Klägers  in  seiner  ganzen  Reinheit  durchzuführen  ist,
In  der  Praxis  könnte  speziell  die  Ausführung  des  Urteils  häufig
Grund  zu  verschiedenen  Streitigkeiten  und  Missverständnissen
geben.  Deshalb  ist  es  vorsichtiger  und  auch  richtiger,  die  Mittelstrasse
  einzuschlagen”  und  die  Kompetenz  der  Lokalgerichte
nur  in  einigen  Fällen  anzuerkennen.  Die  Frage,  ob  ein  Rechtsverhältnis
  der  Lokaljurisdiktion  untersteht  oder  nicht,  ändert  jedoch
nicht  seine  Natur,  jedenfalls  erhält  es  dadurch  keinen  völkerrechtlichen
  Charakter.  Sogar  bei  gewissen  Handlungen  ratione
administrationis  kommt  der  Staat  nicht  mit  einem  politischen
Organismus  zusammen,  sondern  das  vinculum  iuris  wird  zwischen
ihm  und  einem  mit  Hoheitsrechten  nicht  ausgerüsteten  Subjekt
hergestellt.  Deshalb  muss  jeder  Vertrag  zwischen  Staat  und
Privatpersonen  auf  Grund  des  inneren  Rechts  beurteilt  und
qualifiziert  werden.  Diese  Regel  ist,  unserer  Ansicht  nach,  auch
in  den  Fällen  anzuwenden,  wo  die  lokalen  Gerichte  für  die  Beurteilung
  der  Sache  nicht  kompetent  sind  und  daraus  ein  völker-“7

  Wie  das  auch  das  Institut  für  internationales  Recht  gethan  hat.
Siehe  das  (S.  21  Anm.)  citierte  Reglement.