II. Strafgesetzbuch 8 360. 235
gewisser Bedingungen oder Fristen, Zahlungen an
Kapital oder Rente zu leisten;
10. wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder
Noth von der Polizeibehörde oder deren Stellvertreter
zur Hülfe aufgefordert, keine Folge leistet, obgleich er
der Aufforderung ohne erhebliche eigene Gefahr genügen
konnte;
11. (Bmstr.) wer ungebührlicherweise ruhestörenden Lärm
erregt oder wer groben Unfug verübt;
12. wer als Pfandleiher oder Rückkaufshändler bei Ausübung
seines Gewerbes den darüber erlassenen Anordnungen
zuwiderhandelt, insbesondere den durch Lan-—
— —
Nr. 10. 21 Postges. v. 28. Okt. 71. — § 9 der Strandungsordnung
v. 17. Mai 74. — Offenhaltung der öffentlichen Wege bei Schneeauhäufungen:
§ 26 Straßenges. v. 14. Juni 84 G.-Bl. S. 285 und M.
d. J. 17. Jan 85 G.-Bl. S. 20. — Art. 83 Wasserges. v. 25. Aug. 76
und Wasserwehrordnung v. 24. Dez. 76 G.-Bl. S. 233 bezw 399. —
Zuwiderhandlungen gegen die bei einem ausgebrochenen Brand getroffenen
Anordnungen werden nach § 114 Nr. 4 P.-St.-G. gestraft. ·
" Nr. 11. Der grobe Unfug erfordert eine Gefährdung oder un—
gebührliche Belästigung des Publikums im Gegensatz zu einzelnen Personen:
27. April 80 E. 1. 400; R. 1. 679. 27. Sept. 87 R. 9. 471.
Zum „Publikum“ gehören auch die Mitbewohner eines Hauses in Bezug
auf den in dem nämlichen Gebäude verursachten Lärm: 22. Febr. 86 E. 13.
366: R. 8. 133; die Angehörigen der Mannschaften und Offiziere eines
größeren Truppentheils: 17. Mai 87 G. 16. 98; die in einem Tanzlokal
oder Wirthssaal Versammelten: 10. Mai 82 R. 4. 459. 24. März 92
E. 22. 423. Auch der Angriff gegen Einzelne auf der Straße gehört
hierher: 26. Nov. 81 E. 5. 299. 30. Okt. 82 E. 7. 168. Stets aber
muß die Beunruhigung des Publikums Folge der von ihm gemachten
Wahrnehmung sein: 17. April 88 R. 10. 304. Belästigung des
Publikums durch die Presse: 17. Mai 87 E. 16. 98; R. 9. 323; insbesondere
durch Verbreitung frivol erfundener sensationeller Nachrichten:
3. Juni 89 E. 19. 294; Aufforderung zum Boykott: 14. Juni 95 E. 27.
292. Grober Unfug auch in socialdemokratischer Kundgebung mit Tragen
einer rothen Fahne: 7. Juli 92 E. 23. 207. Ruhestörender Lärm im.
Bellenlassen eines Hundes auf der Straße: O.-L.-G. 19. Juni 93 A. 61
S. 179. In Bezug auf den Erfolg einer Gefährdung oder Belästigung
des Publikums ist weder Vorsätzlichkeit erforderlich, noch das Bewußtsein
der Gefährdung oder Belästigung des Publikums; es genügt vielmehr jede
Verschuldung an dem Erfolg, der bei Anwendung gehöriger Aufmerksamkeit
vermieden werden konnte: 17. Mai 87 E. 16. 98; R. 9. 323.