Welche Aufgaben fallen der freiwilligen Jugendvereinsarbeit zu? 141
hat, auf durchaus christlichem Boden, und wenn ich erinnern darf an
die Arbeiten von Superintendent Mielke und auf katholischer
Seite an Kruchen, der eine christliche Lebenskunde in seine
Mädchenfortbildungsschulen in so prächtiger Weise eingesührt hat!
Möglichkeiten sind auch für die Fortbildungsschule da. Daß es nicht
möglich ist, liegt auf ganz anderem Gebiet, auf rein politischem
Gebiet, und ich glaube auch, daß in Zukunft die politische Kon—
stellation so sein wird, daß wir den Religionsunterricht aus diesen
politischen Machtgründen nicht bekommen werden. Sollen wir nun
nur den Schülern und Schülerinnen der höheren Schulen diesen
Segen, diesen Vorteil lassen, daß sie Hilfe haben bei der Erringung
ihrer eigenen Lebensanschauung, und alle die andern, die das nicht
können, sollen das nicht haben? Darum haben unter dieser Kon—
stellation die freien Vereine die verfluchte Pflicht, gerade dieses
Ringen der Jugend nach Weltanschauung zu unterstützen, und ich
glaube, daß gerade die Gegenwart uns da eine sehr ernste Mahnerin
ist. Der Krieg hat uns das gezeigt. Nach außen hin an der Front
sind wir stark, da feiert unsere körperliche Ertüchtigung jetzt ihre
Triumphe, aber hier im Innern könnte es sehr wohl sein, daß wir
uns gegenseitig verzehren, weil hier die Gesinnungslosigkeit, die Gesinnungslumperei
ihre Orgien feiert. Darum müssen wir unterstreichen:
überall Gesinnungsunterricht — — das ist ein falscher
Ausdruck, mehr Lebenskundepflege in unsern freien Vereinen, und
zwar auf religiöser, auf christlicher Grundlage. Es wird mir mancher
entgegenhalten, das ginge nicht bei den paritätischen Verhältnissen
aus Neutralitätsgründen, das könnte da Anstoß erregen innerhalb
der Konfessionen. So hat man früher gedacht. Ich habe nie so
gedacht, und jetzt im Felde draußen haben wir eine ganz andere
Neutralität und Interkonfessionalität kennen gelernt als diese, die
nur den Gegnern der Religion immer wieder Wasser auf die Mühle
gibt. Wir haben uns, Katholiken und Evangelische, draußen an der
Front nicht nur nebeneinander vertragen, sondern uns gegenseitig
unterstützt, und ich freue mich, daß jetzt auch die jüdischen Vereine
darauf ihren Nachdruck legen, daß sie auch in religiöser Beziehung
ihre jungen Mädchen und ihre jungen Männer stark unterstützen,
daß sie wirklich einmal zu einer festgegründeten nicht bloß Weltanschauung,
sondern Lebensanschauung kommen. Nur dadurch kann
unserm Volke geholfen werden, daß es nicht. nach außen stark, im
Innern doch zerfällt und sich selbst ruiniert.
Nun noch eins. Wenn das der Fall sein soll, wenn das die
wesentliche Aufgabe unserer freien Vereine bleiben muß, dann gebe
man uns aber auch für diese freie Vereinsarbeit den ganzen Sonntag
frei und mache keinen Versuch, uns den Sonntag noch mehr zu beschneiden,
als das bisher der Fall gewesen ist. Wo wollen wir denn
die Zeit für unsere Arbeit hernehmen, wenn man immer sagt: ja
wir müssen das und das treiben, aber wir können das natürlich nur
auf den Sonntag legen. Dann bleibt ja für die freie Vereinstätigkeit
überhaupt nichts mehr übrig, sie wird einfach erwürgt. Darum
für diese freie Vereinstätigkeit den ganzen Sonntag frei! Man hält