Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

330

Kinder  gerne  glauben,  was  du  uns  jetzt,  ohne  ungerecht  zu
seyn,  zu  glauben  unmoglich  befehlen  kaunst!

Wir  mögen  wohl  in  halb  Europa  ausgehöhnt  werden,
daß  wir  unsere  Mönche  und  Klöster  in  Schutz  nehmen,  denn
das  Mönchswesen  ist,  wie  wir  wohl  wissen,  der  Spott  der
Alten  und  Jungen.  Mag  spotten,  wer  will!  der  angesehenste
Theil  unserer  Aebte  gehört  zu  unseren  Ständen,  zu  unseren
Repräsentanten,  die  für  Nationalrechte  und  Nationalfreiheiten
zu  sprechen  haben.  Wenn  sie  arm  und  abhängig  werden,  wer
spricht  noch  statt  ihrer:  Wenn  ihr  Korps  nach  und  nach  ganz
verschwinden  soll,  wer  ersetzt  dieß  Korps  unter  den  Ständen?
Und  wenn  auch  das  altgesparte  fromme  Gut  nun  nach  den
Münschen  einer  aufgeklärteren  Frbmmigkeit  gesammelt  und  verwandt
  werden  soll,  so  laß  auch  uns  mitzusehen  und  mitsprechen,
wie  es  verwandt  werde  und  wie  es  verwandt  werden  solle;
denn  es  ist  des  Landes  Gut,  und  nicht  dein  Kammergut.
Wir  haben  ein  Recht  zu  fordern,  daß  diese  Acbte  und
Klöster  in  ihrer  alten  Verfassung  bleiben,  denn  so  spricht  doch
das  Konkordat,  das  Koͤnig  Philipp  II.  fuͤr  sich  und  alle  seine
Nachfolger  schloß.  )  Und  wenn  wir  je  auch  dieses  Recht
aufgeben  wollten,  so  verdient  doch  unsere  Nachgiebigkeit  mehr
als  doppelt,  daß  du  uns  unser  Recht  nicht  kraͤnkest,  mitsehen
und  mitsprechen  zu  duͤrfen,  wie  das  alte  fromme  Gut  verwandt
  werde.

Mir  mögen  verhöhnt  werden,  daß  wir  uns  nicht  aufklaͤ—
ren  lassen,  nicht  beglücken  lassen  wollen.  Soll's  denn  aber
zur  Aufklärung  und  zur  Beglückung  führen,  wenn  unsere
Landstände  und  National-Repräsentauten  zu  Schattenbildern

*)  50.  Juli  1564,  (.  dasselbe  im  Groot  Placact  Book  van  Brabandt
  IV.  Deel.  S.  455—438.