Dttofar von Böhmen. Schladht auf dem Marchfeld. 305
Rudolf jelbit wird fich über diefe Dauerhaftigfeit feine Täufchung
gemacht haben. Die Demütigung des ftolzen Herrichers war allzu
groß, und die Bolksitimme wollte wifjen, daß fie jehr augenfällig
gewejen fei: der prunfende Slavenfürft vor dem deutichen König
im riegerwams. Bejonders Ottofard Gemahlin fonnte die erlittene
Schmach der Niederlage ohne Kampf nicht verwinden, und bald
rüftete man von beiden Seiten zu einem neuen Waffengang. Rudolf
hatte einen wertvollen Verbündeten an dem durch Dttofar ausgreifende
PBolitit bedrohten König Ladıslaus von Ungarn, wogegen
Dttofar aus dem Neich feine Hilfe erhielt. Die Enticheidung gejchah,
nachdem Nudolf3 und der Ungarn Streitmacht jich vereinigt hatte,
am 26. Augujt 1278 auf dem Marchfeld, bei Dürnkrut, nördlich
von Wien, am rechten Ufer der Mar. Im Ritterfampf dieles ent-\hetdungsvollen
Tages fam Rudolf felbit in Gefahr, Ottofar aber
z0g das Todeslos, das er entweder jelbit aufluchte, al3 er Jah, daß
der Kampf verloren war, oder nach anderer Nachricht, al3 er umringt
und wehrlos war, durch die Hand eines dfterreichiichen Ritters
fand. Rudolf rücdte in Böhmen ein und mit dem Bormund von
Dttofar3 unmündigem Sohn Wenzel fam dann der Friede zuftande,
der den alten Belig dem Haufe befieß, mit dem auch die dynaftijche
Heiratöverbindung feitgehalten wurde. Über die Länder außer
Böhmen verfügte König Rudolf, deffen Anfehen der glänzende Sieg
nicht wenig erhöhte, mit Buftimmung der Neichsfürften. Den
gropen Plan, feinem älteften Sohne Hartmann die Hand einer
engliichen Prinzeffin und das arelatiiche Reich fowie die Nachfolge
im Reich zuzunvenden, vereitelte ein jäher Tod, den jener in der
Nacht vom 20. Dezember 1281 bei der Überfahrt in den Wellen
des Aheins fand. Nachdem Audolf längere Zeit in jenen öftlichen
Gegenden verweilt hatte, konnte er, zu Augsburg im Dezember
1282, jeine beiden anderen Söhne Albrecht und Rudolf mit Öfterreich,
Steiermark, Krain belehnen, gemeinfam, biß e3 gelinge, dem
jüngeren, Rıdolf, eine eigene Verforgung mit Land zu ermitteln,
da Kärnten fchon 1279 an Meinhard von Tirol gegeben war.
Immerhin ward hier alfo ein ziemlich folider Grund gelegt zu dem,
D. Jäger, Deutihe Gefhichte. 1. 20