Hygienische Wohlfahriseinrichtungen. 87
Knaben wird neben den verschiedenen, besondere Kraft und Ausdauer
erfordernden Ballspielen, wie Schleuderball, Jagdball, deutscher
Fußball und dergleichen und Laufspielen, wie Drittenabschlagen,
Kettenreißen, Barlauf, Wettlauf, auch wohl Seilziehen, Diskus- und
Speerwerfen und Bogenschießen geübt.
Mittlere und kleinere Knaben spielen neben Lauf- und Ballspielen
auch eigentliche Gesellschaftsspiele wie Schwarzer Mann,
Jakob wo bist du?, Boccia, Reifenwerfen, Katz und Maus und andere
Kreisspiele.. Die Mädchen bevorzugen die weniger wilden Ball- und
Laufspiele, z. B. Boccia und Wiesenball (Lawn-Tennis), Federball,
Tamburinball, Reifenspiele und mancherlei Kreisspiele.
In Hamburg, wo das Jugendspiel mit großem Eifer betrieben
wird, liegt die Leitung der Sache in den Händen des Vereins für
Jugendspiel. Von den 65 Knabenvolksschulen Hamburgs konnten
im Jahre 1902 41 Schulen zum Spiel auf 8 Spielplätzen herangezogen
werden, andere erhielten die erforderlichen Spielgeräte, um auf den
Schulhöfen zu spielen. Auch für die Mädchen der Volksschule sind
seitens des im Auftrage des Vereins Hamburger Volksschullehrerinnen
arbeitenden Ausschusses für Mädchenspiele im Sommer 192
Jugendspiele veranstaltet worden. Es wurde von 13 Klassen auf
4 Plätzen gespielt, es beteiligten sich an 69 Spieltagen 4347 Schülerinnen.
Ein besonderes Interesse erwecken nicht bloß in der Schuljugend,
sondern auch in weiteren Kreisen der Erwachsenen die alljährlich
im September auf dem Spielplatz Hoheweide zwischen den
Mannschaften verschiedener Volksschulen stattfindenden Wettspiele.
Die Preise sind Künstlerzeichnungen oder Reproduktionen von Gemälden,
welche für ein Jahr der siegreichen Schule zum Schmucke
dienen; andere Schulen begnügen sich für bewiesene Tüchtigkeit mit
dem Eichenkranz als Lohn. Am Ende des Sommers findet dann
noch ein Spielfest statt, in welchem die Schulen, welche Preise davongetragen
haben, den letzten Kampf um die Meisterschaft ausfechten.
Die Zahl der auf den 8 Spielplätzen an 52—85 Spieltagen spielenden
Schüler der 41 beteiligten Knabenvolksschulen belief sich im Sommer
1902 auf 61 817 Schüler, aber das waren nur die Besucher innerhalb
der vorgeschriebenen Spielstunden von 5—6l/, Uhr. Die Zahl der
zu anderer Zeit ohne Aufsicht spielenden Kinder wird kaum geringer
zu veranschlagen sein. Der Verlauf eines Sommertages auf einem
Hamburger Spielplatz vor dem Lübecker Tor wird von einem Beobachter
folgendermaßen geschildert: