Volltext : Realienbuch Nr. 3 (3)

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neuerer  Spr.  vorzugsweise  der  Empfindung  wohl  tbuend,
ammutend:  ungenehme  kublung  Bürger  Huldigungslied;
  wie  angenehm  der  falbe  mondglanz  Fr  Müller
3,  164;  das  angenehmste  plätzehen,  das  ich  jemals  sah
Kleist  Kätbch.  3,1;  dem  vater  war  die  erquickung  angenehm
  Goethe  Wanderj.  1,  2;  von  Personen:  der
angenehmen  frau  Gotter  1,  122;  angenehmer  mitgast
Goethe  31,  115;  altväterisch  in  der  Anrede:  ich  danke
Ihnen,  angenehmste  Henriette,  für  Ibre  vertheidigung
Lessing  Freig.  2,  2.  In  Börsenberichten,  spiritus  an-Anger

  —  angewöbnen.

Angewohnbeit  Angriff.  90
5,  418;  wer  fruh  sich  angewöhnt,  das  wahre  gut  zu
lieben  Uz  2,  83;  im  17.  Ih.  mit  Gen.:  darbei  die
kinder  von  jugend  an  sich  liederlicher  und  gottsvergessener
  reden  angewehnen  Chr  Weise  Erzn.  182.  Part.
angewöhnt:  in  einem  naturlichen,  angebornen  und  ungewöhnten
  vertrauen  Goethe  30,  5;  aber  ungewohnter
beweglichkeit  nicht  entsagen  30,  307,  mit  Rücksicht  auf
gewohmt  (s.  d.).  —  Angewohnheit,  k.  angewöhntes  Verfahren,
  Sitte:  die  ersten  angewohnheiten  der  jugend

Nabener  4,  98;  rauchen  ist  eine  üble  angewohnheit;

genehm,  gern  genommen,  begehrt;  der  markt  war  für  die  angewohnheit  des  fluchens.

die  anleihe  angenehm,  nahm  sie  gern.  ·

Anqct«,m.Grasland,GrasplatzbeiDötiem,add.
angar,  mbbd.  anger,  altnord.  entspricht  engi  Wiese;  altgerm.
  Wort,  das  auch  im  Volksnamen  Angrivarü.  heute
Engern  lebt,  sonst  aber  dunkel  ist.  weidende  schnfe,
günse  auf  dem  unger;  ein  weiter  grünender  anger  vor
dem  dorfr.  den  bauern  und  naben  städtern  ein  lustort
Goethe  Herm.  u.  Dor.  Wie  Schindanger:  euehb  (Pferde)
wird  ein  schnöder  tod  einst  auf  den  anger  bringen
Lichtwer  Fab.  1,  5.

Angeseben,  Part.  von  anseben  (s.  d.)  in  bedeutendem
Sinne,  geachtet:  ungesehene  familien,  geschlechter;  ein
uberall  angeschener  mann.  —  angesessen,  ansässig:  angesessene
  leute.  burger;  angesessene  und  angesebene
leute  Möser  Pbant.  1,  179;  vgl.  unsetzen  1.  —  Anesicht,

  n.  (mbd.  ungesiht  f.  und  angesihte  n.)  1)  das
Anblicken  und  der  Anblick  (activ  und  passiv):  wo  sol
ich  hin  flichen  fur  deinem  angesicht  Pf.  139,7;  gönn
ihm  dein  angesicht  Schiller  6,  110;  in  Formeln:  im
angesicht  der  ganzen  signorias  Fiesko  2,  5;  ein  schön
weib  von  angesicht  1.  Mos.  12,  11;  von  angesicht  sehen
(Schiller  M.  Stuart  3,  3);  von  angesicht  zu  angesicht
(2.  Mos.  33,  11);  einem  ins  angesicht  etwas  thun,  so
daß  er  es  sieht;  adverbialer  Gen.  angesichts,  im  Anblick:
  ungesichts  der  feinde,  der  drohenden  gelahr;  für
sich  auch  wie  sofort,  augenblicklich:  ich  löse  rasch  mit
cinem  male  die  gröszten  zweifel  angesichts  Goethe
Epim.  7.  2)  der  vordere  Teil  des  Kopses,  Gesicht,  Antlitz
(Plur.  alt  die  angesicht  3.  Mos.  26,  16,  angesichle  Luc.
14,  5,  in  neuerer  Spr.  Herder  mehrsach,  angesichter
Arndt  Ged.  243):  ihr  seid  so  wohlgethan  von  leib
und  angesicht  Wieland  Geron;  wasche  dein  angesicht
  Matth.  6,  17;  einen  ins  angesicht  speien,  schlagen,
als  Zeichen  des  Hohns,  der  Verachtung;  bildlich:  eine
bebauptung,  die  den  tbatsüchlichen  verhültnissen  ins
angesicht  schlügt.  Für  den  Träger  des  Angesichts:
miszhör  mich  nicht,  du  holdes  angesicht:  Goethe
Faust  1.  —  angestammt,  vom  Stamm  ber  erworben,
von  Haus  aus  eigen;  verbal:  so  ward  mein  beruf
mir  angestammt  Droste  86;  adiectivisch:  die  majestät
der  angestammten  art  Wieland  Perr.  2,  30;  die  angestummte
  krone  Schiller  Junngfr.  1,  2;  du  aber
(Dichterlind)  schlummre  sclig  hin  in  angestammten
dichiertrüumen  Uhland  Ged.  71.  —  angetrunlen,  (.  antrinken.


Angewinnen,  von  einem  für  sich  gewinnen,  gewinnend
  in  Besitz  nehmen,  mbd.  d#  er  die  tarnkuppe  sit

..  jm  alle  sein  land  ungenwonnen  1.  Mos.  21,  26;  gewun
jm  stedte  un  2.  Cbron.  13,  19:  ohne  Acc.:  was  gilts,
wir  wolten  jucn  angewinnen?  (den  Sieg)  1.  Kön.  20,  23;
und  noch  bei  Wieland:  ein  herz,  dem  königesöhne
nichts  angewonnen  hallen  Amad.  7,13;  jetzt  außer  Gebrauch.
  —  angewöhnen,  durch  Gewohnbeit  aneignen,
früber  ungewenen  geschrieben,  nach  mhd.  gewenen;  einem
erwas;  er  hutic  sieh  den  trunk  angewöhnt;  sich,  einen
angewöhnen  an  ctwas;  an  welches  (Ceremonial)  die
Schecschianer  so  mechanisch  und  punktlich  angewöhnt
wurden,  dasz  es  ibnen  endlich  zur  andern  nutur  ward
Wieland  gold.  Sp.  2,15;  zu  etwas;  cin  knabe  den
man  ungewöhnet,  alles  zu  vergleichen  Lessing

Angleichen,  Gleichheit  bewirken,  einem  etwas;  Wieland,

  indem  er  sieh  dem  kuhnen,  auszcrordentlichen

Aristophanes  anzugleiechen  suchte  Goethe  32,  250;
Angleichung,  k.  schon  Garg.  362.  —  unglimmen,  anfangen
  zu  glimmen:  am  horizont  ein  angeglommener
saum  wie  morgenglut  JPaul  Hesp.  4,  80;  röthlich
angeglommen  Rückert  Liebesfr.  3,  81.  —  anglotzen,
glotzend,  starr  ansehen:  mit  den  augen  anglotzen  Luther:
sie  glotzten  mich  manchmal  an  mit  verwunderten  glasaugen
  H  Heine  12,  91.  —  anglühen,  1)  intranf.  ansangen
  zu  glühen:  wies  blitzt  und  platzt,  in  funken
spruht!  der  stab  schon  ist  er  angegluht  Goethe  Faust
II,  1.  2)  glübend  anstrahlen:  wie  im  morgenglanze  du
rings  mieh  anglühst,  fruhling  Ganymed.  —  angrauen,
anfangen  grau  zu  werden:  das  verwegene  bürtchen  angegraut
  Heyse  Par.  2,  129.

Angreifen,  greifend  sassen,  anfassen,  mbd.  an  grifen.
einen  oder  etwas:  und  er  greif  jn  an,  und  heilet  jn
Luc.  14,  4;  da  greif  er  jre  hand  an  Matth.  3,15;  sprichwörtlich:
  wer  pech  angreift,  besudelt  sich;  ein  werk  an-Breifen,

  daran  beginnen  zu  arbeiten;  wie  greifen  wir

wohl  das  ding  an,  wenn  es  gelingen  soll?;  ein  werk
mit  freuden  angreifen  Stieler;  wir  miüssen  selbst  mit
angreifen,  wenn  es  noch  heute  fertig  werden  soll;  greift
an!  macht  dasz  ein  ende  wird!  Schiller  Picc.  2,  1;
in  der  alten  Rechtsspr.  ein  gut.  grundstuck  angreifen,
in  Besitz  nehmen  (wie  durch  sinnbildliche  Berührung);
jetzt  in  schädigendem  Sinne,  ein  kapital,  einen  besnz
angreisen,  davon  zehrend;  feindlich  einen,  etwas  angreisen,
  ihn  zu  besiegen:;  er  wölle  jn  angreisen  und  das
mütlein  an  zm  kulen  Luther  4,  1715;  greil  unversehens
  die  stad  an  2.  Macc.  5,  5;  und  grieffen  jre  feinde
an,  wie  die  lewen  11,  11;  auch  ohne  Ace.  frub  morgens
griffen  die  feinde  an,  wurden  aber  zuruckgeschlagen;
etwas,  eincu  angreisen  durch  Wort  oder  Schrifst:  er
wurde  scharf  in  der  zeitung  angegriffen;  dasz  Sie  jetzt
in  der  politik  aufs  neue  in  die  lage  kommen  einrichtungen
  anzugreifen,  die  er  verehrt  Freytag  Journ.
I,  1:  cinen  bei  seiner  ehre,  an  seiner  ehre  angreifen;
mehr  scherzend  er  griff  mich  bei  meiner  schwachen  seite

an,  durch  Überreden,  Schmeicheln;  von  Krankheiten:  das

ficber  hat  ihn  schr  angegriffen;  auch  kleine  schrift  greist
die  augen  an;  refl.  sich  angreiten,  sich  äußerst  anstrengen
in  Bezug  auf  Geldausgaben:  das  sich  auch  die  purger

redlichen  unter  cinander  angriffen  mit  pferden  zu  halten
D.  Städtcchr.  2,  330;  wollten  sich  sehen  lassen,  thäten
sich  angreifen  über  vermögen  Schiller  Wallenst.  Lager
Albriche  an  gewan  Nib.  98,  3;  öster  in  der  Bibel:  hatte!

11.  —  augrenzen,  Grenze  an  etwas  haben,  grenzend  berübren:
  die  angrenzenden  lünder;  angrenzende  nachbarn
Stieler;  in  angrenzender  landschaft  Freytag  Handschr.
  2,  352;  scinc  felder  grenzen  an  unsre  an.  —  Angriss,
  m.  Handlung  des  Angreijens;  vornehmlich  Beginnen
  eines  Werkes,  ctwas  in  angriff  nehmen;  den
Aangriff  des  geschufts  zu  beschleunigen  Goethe  Tagh.
1817;  feindliches  Anrücken,  angriff  auf  einc  lestung.
schanze;  man  bläst  zum  ungriff  Schiller  Räub.  2,  3:
jeden  angritt  abgeschlagen  Rückert  Liebesfr.  5,  50;
durch  Wort  und  Schrift:  angriff  auf  eines  ehre,  in  einer
zeitung;  sich  gegen  die  angrifle  solcher  leutc  zu  vertheidigen
  Klopstock  12,  262;  die  haltung  des  angrifs
(in  der  Zeitung)  ist  nieht  ganz  so  ruhig,  wic  ich  ge-