Full text : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

seln  enthalte,  und  fügte  hinzu:  „Auf  die  Mandschurei  bezieht  sich
das  Abkommen  nicht,  bei  den  Verhandlungen  haben  wir  keinen
Zweifel  darüber  gelassen  .  .  .  Was  aus  der  Mandschurei  wird
—  ja,  m.  H.,  ich  wüßte  wirklich  nicht,  was  uns  gleichgültiger  sein
könnte.“  Wenige  Tage  darauf  sagte  Bülow  in  der  Erwiderung
auf  eine  Rede  des  Abgeordneten  Fürsten  Bismarck  des  Jüngeren:
„Da  der  Herr  Vorredner  das  Thema  angeschnitten  hat,  freue  ich
mich,  übrigens  mitteilen  zu  können,  daß  ich  vor  zwei  Stunden  ein
Telegramm  unseres  Botschafters  in  Petersburg  erhalten  habe,
nach  welchem  der  russische  Minister  des  Auswärtigen  dem  Grafen
Alvensleben  seine  Genugtuung  mit  meinen  neulichen  Ausführungen
  über  China  ausgesprochen  hat.“  Die  blinden  Russenfreunde
  waren  beruhigt,  die  englischen  Vertragspartner  dagegen
außerordentlich  verstimmt.  So  ganz  unzweifelhaft  war  es  nicht,
daß  sich  das  Abkommen  überhaupt  nicht  auf  die  Mandschurei  bezöge,
  und,  wie  die  Folgen  zeigten,  wäre  es  für  uns  vorteilhafter
gewesen,  wenn  wir  nicht  so  geflissentlich  unsere  völlige  Gleichgültigkeit
  in  der  Mandschureifrage  verkündet  hätten.  Die  deutsche
Auslegung  des  Yangtseabkommens  machte  in  England  um  so
größeres  Aufsehen,  als  kurz  vorher  jene  russische  Pression  auf
China  bekannt  geworden  war.

In  dem  Diplomatenstreit  über  die  Auslegung  des  Vangtsevertrags
  behielt  Bülow  in  einem  Punkte  unbedingt  recht.  Der  neue
englische  Unterstaatssekretär  Cranborne  kannte  offenbar  die  Vorgeschichte
  des  Vertrags  nicht  genügend,  als  er  im  Unterhaus  erklärte,
  das  Abkommen  enthalte  keinerlei  Einschränkungen,  beziehe
sich  also  auch  auf  Nordchina.  Der  Haken  steckte  in  den  Worten
„wo  sie  Einfluß  ausüben  können“.  Lord  Salisbury  selbst  hatte
bei  den  Vorverhandlungen  den  38.  Breitegrad  als  nördliche  Grenze
des  Geltungsbereichs  bezeichnet.  Später  wurde  der  Breitegrad
durch  jene  Worte  ersetzt,  die  Deutschlands  Gleichgültigkeit  in  bezug
auf  die  Mandschurei  verschleierten.  Das  war  geschehen  mit  Rücksicht
  auf  die  öffentliche  Meinung  in  England,  die  das  Abkommen
minder  günstig  aufgenommen  hätte,  wenn  in  ihm  die  Mandschurei
ausdrücklich  ausgeschlossen  gewesen  wäre.  Lord  Lansdowne  erkannte
  an,  daß  in  den  Worten  „wo  sie  Einfluß  ausüben  können“
eine  Einschränkung  enthalten  sei,  wollte  diese  aber  nur  auf  den

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