Scheitern des Angriffs. 225
Der französisch-amerikanische Gegenangriff am 18. Juli südlich
Soissons war erfolgreich. Die deutschen Truppen ließen sich über—
raschen, obschon ein Angriff wenige Tage vorher erwartet wurde.
Taktische Unterlassung der örtlichen Führung, Ermüdung der
Truppen und ihre Schwächung durch Grippe wirkten an dem Miß—
erfolge mit. Eine bessere Ausstattung der Front durch die O. H. L.
würde naturgemäß einen feindlichen Erfolg erschwert haben.
Die 7. und der rechte Flügel der 1. Armee gingen in fester Hand
hinter die Vesle zurück. Die Front stand wieder. Da fiel der Schlag
am 8. August. Er traf eine Front, die durchaus hinreichend besetzt
war. Die hier stehenden Truppen waren verhältnismäßig frisch.
Sie hatten im allgemeinen seit Ende April oder Anfang Mai nicht
mehr gekämpft und die gleiche Ruhe genossen wie der angreifende
Engländer. Die bessere Verpflegung und die bessere Unterkunft, die
er genoß, konnte die deutsche O. H. L. den deutschen Truppen
nicht geben.
Der 8. August zeigte ein erschreckendes Nachlassen der kriege—
rischen Tugenden vei einzelnen Divisionen, das durchaus nicht mit
einer Überspannung der Kräfte durch die Kriegführung erklärt
werden kann, sondern lediglich in dem Nachlassen des Geistes der
Heimat seine Ursache hatte. Es war eingetreten, was die Unabhängig-sozialdemokratische
Arbeit bezweckte: deutsche Soldaten
warfen die Waffen weg, statt zu kämpfen; die Wühlarbeit gegen
den Krieg hatte in die Reihen des deutschen Heeres Anhänger geschoben
und dazu geworben. Wer kämpfen wollte, wurde als
„Kriegsverlängerer“ und „Streikbrecher“ bezeichnet. Beide Ausdrücke
— der Widerhall der Stimmen in der Heimat gegen Volksgeist
und Krieg — lähmten draußen leider nur zu oft Arm und Willen.
Die Kriegführung trat wieder an die Politik mit der dringenden
Aufforderung heran, nun endlich den Volksgeist zu heben, um Volk
und Heer widerstandsfähiger und willensstark zu machen. Seine
Moajestät der Kaiser gab dem am 14. August scharfen Ausdruck.
Gleichzeitig sprach die O. H. L. aus, daß der Krieg nicht mehr
gewonnen werden könne. Die Politik zog daraus den Schluß, eine
neutrale Friedensvermittlung anbahnen zu müssen.