Full text : Landeskunde des Königreichs Sachsen.

Allgemeine  geographische  Verhältnisse  Sachsens.  9

August  (1553—1586)  erwarb  noch  die  Bistümer  Merseburg,
Naumburg  und  Meißen  und  den  endgültigen  Besitz  des  Vogtlandes.
  Die  letzte  bedeutende  Vergrößerung  brachte  der  Dreißigjährige
  Krieg.  1623  verpfändete  Kaiser  Ferdinand  II.  die  Markgrasschaften
  Ober=  und  Niederlausitz  als  Ersatz  der  Kriegskosten
an  Sachsen,  das  ihn  bei  Unterwerfung  der  Lausitz  und  Schlesiens
unterstützt  hatte.  Im  Prager  Frieden  von  1635  wurden  beide
Lausitzen  ganz  an  Sachsen  abgetreten.  Die  Mittellage  Sachsens
machte  es  im  17.  und  18.  Jahrhundert  zum  Schauplatz  von
Entscheidungsschlachten  in  den  Kämpfen  um  die  Vorherrschaft
in  Deutschland.  Die  Stellung,  die  Sachsen  noch  im  16.  Jahrhundert
  eingenommen  hatte,  ging  infolge  seiner  schwankenden
Politik  an  Brandenburg-Preußen  über.  Der  Prager  Frieden
bedentete  den  Verzicht  auf  die  führende  Stellung  im  protestantischen
  Norddeutschland.  Sachsen  trat  von  der  zweiten  an  die
dritte  Stelle  in  Deutschland,  obgleich  sich  jetzt  sein  Gebiet  noch
weiter  als  zur  Zeit  Heinrichs  des  Erlauchten  ausdehnte.

1652  wurden  vom  Kurfürstentum  die  drei  Seitenlinien  Zeitz,
Merseburg  und  Weißenfels  durch  Erbteilung  als  selbständige
Fürstentümer  abgezweigt,  doch  fielen  diese  bis  1746  wieder  an
die  Hauptlinie  durch  Aussterben  zurück.  Dauernder  Besitz
wurden  seitdem  nur  die  Grasschaft  Schönburg  an  der  Zwickauer
Mulde  (1740),  die  zum  Teil  als  schönburgische  Rezeßherrschaften
bis  1878  besondere  Hoheitsrechte  behielt,  und  die  böhmische
Enklave  Schirgiswalde  (1809),  die  erst  1845  ganz  unter  sächsische
Herrschaft  kam.

Das  Bündnis  mit  Napoleon  I.  brachte  Sachsen  1806  die
Erhebung  zum  Königreich,  aber  auch  1815  den  Verlust  des
größeren  Teiles  seines  Gebietes  (20280  qkm  mit  864.000  Einwohnern),
  der  Preußen  zufiel,  nur  der  Neustädter  Kreis  kam  an
Sachsen-Weimar.  Seitdem  hat  Sachsen  seine  heutigen  Grenzen.
1866  trat  es  in  den  Norddeutschen  Bund  ein,  seit  1871  ist  es
Bundesstaat  des  Deutschen  Reiches.

Der  Boden  Sachsens  dacht  sich  im  ganzen  Lande  von
§.  nach  N.  ab.  Er  gehört  zum  größten  Teil  dem  Mittelgebirgsland
  an,  die  nördlichen  Landstrecken  bilden  einen
Teil  der  großen  norddeutschen  Tiefebene,  die  in  der  Leipziger
Bucht  am  tiefsten  in  das  Königreich  hereinragt.  Im  allgemeinen
  folgen  Gebirge,  Hügelland  und  Ebene  überall  in