Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

350  (Geschichte  der  Akademie  unter  Frieprien  dem  Grossen  (1745-1780).

Wahl  zum  Direetor  zu  bestätigen  und  die  Verleihung  einiger  erledigten
  Pensionen  zu  genehmigen',  vollzog  der  Monarch  zwar  die
Ernennung  MArsGRAF  s  unter  Anerkennung  seiner  grossen  Verdienste,
genehmigte  aber  die  Pensionen-Verleihung  nicht,  sondern  liess  der
Akademie  durch  p’Argens  mittheilen”,  alle  erledigten  Gehälter  seien
bis  zur  Beendigung  des  Krieges  zu  thesauriren®  und  jede  Neuerung
habe  zu  unterbleiben;  sobald  der  Friede  geschlossen,  werde  er  der
Akademie  eine  ganz  besondere  Sorge  zuwenden,  die  eingeschlichenen
Missbräuche  abstellen  und  ihr  neue  Kraft,  zur  Befriedigung  aller
Mitglieder,  eintlössen‘.  Er  spricht  ferner  sein  Befremden  aus,  dass
die  Drucklegung  der  Memoires  Schwierigkeiten  finde,  und  ermahnt
zur  fleissigen  Arbeit,  »a  donner  par  la  diversite  des  ouvrages  et  des  ınatieres
  une  nouvelle  vie  a  ces  Memoires,  que  quelques-unes  des  classes
paraissent  avoir  trop  negliges,  quoique  ce  ne  soit  pas  la  faute  des
Academiciens  qui  coımposent  ces  classes,  mais  celle  de  quelques  abus,
que  le  Roi  se  propose  de  reformer  &  la  paix«.  Die  Mahnung  fruchtete
nichts;  die  Memoires  erschienen  zunächst  überhaupt  nicht  mehr.

Unmittelbar  bevor  diese  Ordre  an  die  Akademie  erging,  hatte
sie  neun  auswärtige  Mitglieder  aufgenommen  (13.  März,  16.  und
23.  October  1760),  und  der  König  hatte  diese  Wahlen  bestätigt,
wahrscheinlich  ohne  nähere  Prüfung.  Diese  Neun  sind  mithin  die
einzigen  Mitglieder,  die  nicht  mehr  unter  Mauvpertuis’  Präsidentschaft
  und  noch  nicht  durch  lnitiativentschliessung  des  Königs
(s.  unten)  aufgenommen  worden  sind.  Sie  verdanken  ihre  Reception
  also  lediglich  der  freien  Wahl  der  Akademie  unter  Eurer’s
Leitung.  Unter  ilınen  befanden  sich  drei  Deutsche:  SILBERSCHLAG  in
Magdeburg  (später  ordentliches  Mitglied  der  Akademie),  der  Arzt

mehr  auf  seine  Veranlassung.  Unter  ihnen  befand  sich  LaAsrınge.  Die  Hälfte
waren  Deutsche.

I  Süssmirch  ,  MEcKkEL  und  Eurer  jun.  sollten  Pensionen  erhalten  (s.  Akademische
Protokolle,  25.  September  1760).

®  Leipzig,  den  25.  December  1760  (Akademisches  Archiv).

°  Dies  geschah;  der  König  genehmigte  die  Anlage  der  Capitalien  (Mittheilung
durch  p’Arcens  an  die  Akademie,  Akademische  Protokolle,  6.  Januar  1763).  Anfaugs
  hatten  die  Einkünfte  der  Akademie  schwer  unter  dem  Krieg  zu  leiden  (s.
Evurzer's  Briefe  an  Mavrertuis);  aber  theils  stellte  sich  der  Kalendervertrieb  doch
wieder  her,  theils  verringerten  sich  die  Ausgaben  durch  erledigte  Pensionen  und
durch  Einstellung  der  Zuschüsse  zu  den  wissenschaftlichen  Instituten.  Schon  anı
16.  September  1758  schrieb  EuLER  an  MaAupeErtuis,  dass  er  noch  etwa  6000  Thlr.  habe
auf  Zinsen  legen  können  (vergl.  die  Briefe  vom  16.  December  1758  und  30.  Januar  1759).

*  Frıepricn  suchte  nach  einem  neuen  Präsidenten  —  oder  vielinehr,  er  dachte
an  D’ÄLENBERT;  bis  dahin  sollte  nichts  geschehen.