des Königs in der Weise, daß ihm dieser nach einem zweijährigen Aufenthalt
in seinen Staaten schrieb: „Ich habe bis zu Ihrer Ankunft in meinem Hause
Frieden erhalten, und sage Ihnen, daß Sie mit Ihren Intriguen und Kabalen
sehr an den unrechten Mann gekommen sind. Ich liebe sanfte und friedliche
Leute, welche die heftigen Leidenschaften des Trauerspiels aus ihrem Betragen
verbannen. Können Sie sich entschließen als Philosoph zu leben, so werde ich
Sie mit Vergnügen sehen; überlassen Sie sich aber Ihren ungestümen Leidenschaften,
und suchen Sie mit Jedermann Händel, so wird mir Ihr Besuch ganz
und gar nicht angenehm sein, und Sie können in Berlin bleiben.“
Den vollkommenen Bruch führten Voltaire's Angriffe auf Maupertuis, den
Friedrich in so ehrenvoller Weise zum Präßidenten der Akademie ernannt hatte,
herbei. Freilich hatte sich dieser durch sehr wunderliche Aeußerungen in seinen
öffentlich mitgetheilten Abhandlungen dem Spotte bloßgestellt, Voltaire aber,
der eine so gute Gelegenheit, seine glänzenden Sarkaszmen darzulegen, nicht
vorübergehen lassen konnte, that dies auf eine für den König selbst höchst verletzende
Weise in der bekannten, von ihm „Akakia“ genannten Spottschrift.
Daher ließ ihn Friedrich ersuchen, die Schrift nicht zu veröffentlichen, was auch
Voltaire versprach, aber nicht hielt; denn bald erschien auf seinen Antrieb eine
neue Ausgabe davon in Dresden, obschon er an ihrer Veröffentlichung keinen
Theil zu haben versicherte. Friedrich II. jedoch scheint sichere Beweise von
dem Gegentheil gehabt zu haben, denn er schrieb im November 1752 folgende
harte Worte an Voltaire: „Ich erstaune über Ihre Unverschämtheit. Nach
Allem, was Sie gethan haben, und was so klar ist wie die Sonne, leugnen
Sie noch, statt zu gestehen, daß Sie strafbar sind. Bilden Sie sich nicht ein,
die Leute werden sich von Ihnen überreden lassen, schwarz sei weiß. Man sieht
nicht immer, weil man nicht sehen will; aber wenn Sie die Sache auf das
Aeußerste treiben, so lasse ich Alles drucken, und es wird sich zeigen, daß Sie,
wenn Sie für Ihre Werke Statuen verdienen, für Ihr Betragen Ketten
werth wären.“
Nach solchen Vorfällen konnte eine dauernde Aussöhnung wohl schwerlich
stattfinden; man war von beiden Seiten zu sehr gereizt. Zwar verpflichtete sich
Voltaire auf des Königs Ansuchen schriftlich, Niemand in des Königs Umgebung
ferner so unglimpflich zu behandeln, nichtsdestoweniger wurde seine Stellung
am Hofe von Tag zu Tag unhaltbarer, und er schied deshalb im Frühjahr
1753, ohne daß irgend ein Versuch, ihn durch Entgegenkommen zurückzuhalten,
gemacht worden wäre. Ja die Stellung wurde entschieden feindlich, denn Voltaire
erlebte die Kränkung, daß man ihn auf Ersuchen des preußischen Residenten
in Frankfurt am Main anhielt, weil er einen Band der Gedichte Friedrichs
wider Willen des hohen Verfassers mit sich genommen hatte. Da aber das
Gepäck erst später ankam, mußte der erzürnte Dichter vierzehn Tage eine Art
von Haft dieses Umstandes wegen erdulden. Höchst aufgebracht war jetzt die
Stimmung von beiden Seiten und machte sich auch auf sehr heftige Weise Luft