Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

Abriß  der  Ortsgeschichte.  1019

meinwesens  gehandelt,  das  auf  eine  so  ruhmvolle  Geschichte  zurückblicken  kann,
und  wenn  die  Stadt,  deren  Etat  1861  allerdings  von  214,554  fl.  auf
345,816  fl.  erhöht  werden  mußte,  nicht  in  der  Lage  war,  jene  beiden  Häuser
zu  erwerben,  so  hätten  vielleicht  die  Vertreter  der  Baumwollenindustrie,
als  die  Erben  des  Gewerbsruhmes  und  Reichthums  der  alten  Weber,
die  Gewissenspflicht  fühlen  sollen,  wenigstens  das  alte  Zunfthaus  zu  retten
und  in  einer  der  Vergangenheit  würdigen  Weise  zu  erhalten.  Augsburg
hat  nicht  bloß  die  Aufgabe,  groß  zu  werden,  sondern  auch  die  beneidenswerthe
  Pflicht,  einen  reichen  Schatz  historischer  Erinnerungen  zu  pflegen  und
zu  erhalten.  Weil  dieses  bisher  im  Ganzen  wie  im  Einzelnen  mit  so  vieler
Pietät  geschehen,  muß  sich  Jeder,  dessen  Sinne  nicht  durch  das  schale  Treiben
  moderner  Großstädte  abgestumpft  sind,  von  der  ernsten  Pracht  der  alten
Reichsstadt  und  von  der  Romantik  ihrer  äußern  Physiognomie  eigenthämlich
angemuthet  fühlen.  Diese  Stimmung  sprach  sich  auch  laut  aus  bei  der  Versammlung
  deutscher  Geschichtsforscher  (1857)  und  deutscher  Philologen  und
Schulmänner  (1862),  während  die  deutschen  Feuerwehrmänner  und  die  Augsburger
  Studiengenossen  (1862),  denen  ja  auch  Kaiser  Napoleon  III.  einen
Gruß  zusenden  konnte,  und  in  den  jüngsten  Tagen  (1.—  3.  Aug  1863  bei
der  Gründungsfeier  des  schwäbisch  =  bayerischen  Sängerbundes)  die  Sangesbrüder
  vorzugsweise  dem  trefflichen  Gemeingeist  und  der  schwäbischen  Gemühhlichkeit
  ihre  Anerkennung  zollten.

Sweites  Kapitel?).
Kaufben  ,  Kempten,  Lindan,  Memmingen,  Nördlingen

1.  Kaufbenern.  Diese  Stadt  hatte  ursprünglich  die  Benennung  (Buron,
Buiron)  Beuren,  dem  Namen  Kaufbeuern  (Kufburun  und  Kaufpewren)
begegnen  wir  erst  im  Anfange  des  vierzehnten  Jahrhunderts.  Die  älteste
Geschichte  unserer  Stadt  und  ihrer  Besitzer  liegt  im  Dunkeln.  Erst  von
1126  verbreitet  sich  einiges  Licht  und  es  läßt  sich  aus  dieser  Zeit  ein  Welfenzweig
  als  Besitzer  Kaufbeuerns  anführen,  der  mit  den  Mauerstetten,  Ronsberge,
  Reisensburge  und  Hohenreichen  in  unmittelbarem  Familienzusammenhang
  stand  und  sich  von  Kaufbeuern  genannt  hat  als:  Wolftrigel  illustris
vir  de  Buiron,  dessen  Sohn  nobilis  Henericus  de  Buiron  und  Luitgardis
illustris  femina;  welche  aber  predium  Buron  ein  Hofgut  von  Kaufbeuern
an  das  Kloster  Ottobenern  schenkte,  das  jedoch  von  Welf  VI.  als  Familien-=gut
  reclamirt  wurde,  wofür  er  aber  dem  Abte  Isingrin  daselbst  eine  Ent.
schädigung  von  60  Pf.  Augsb.  Pfenning  zuwendete.  Dieser  Welf  brachte

 

1).  Der  Verfasser  dieses  Kapitels  wie  der  ganzen  Übrigen  Ortsgeschichte  ist  wiederum
  Herr  Dr.  Rapp.  D.  Red.