Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Zweiter Band. (2)

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hause  der  Gesundheitszustand  der  Kälber  ausgezeichnet  gewesen  sei.  Dies  wird  im
Wesentlichen  dem  Umstande  zugeschrieben,  daß  die  Thiere  fast  nur  in  den  kühleren
Monaten  eingestellt  wurden  und  vorher  niemals  einen  weiten  Transport  zu  überstehen
hatten.  Nur  10  Thiere  bekamen  kurz  dauernde  Verdauungsstörungen;  ein  sonst  vollkommen
  gesundes  Thier  zeigte  an  mehreren  Stellen  des  Impffeldes  einen  ekzemartigen,
  kleinblasigen  Ausschlag,  welcher  die  Verwerthung  der  spärlichen  Pusteln  verbot.

Beim  Schlachten  wurde  kein  Thier  krank  befunden.  Die  höchste,  beim  Impfen
beobachtete  Körperwärme  betrug  (vor  der  Fesselung  gemessen)  40,1,  beim  Abimpfen  39,8°  C.

In  Hannover  war  der  Gesundheitszustand  der  Kälber  im  Allgemeinen  recht
gut;  8  Thiere  litten  an  mäßigem,  1  an  heftigem  Durchfall  mit  Temperaturerhöhung
auf  41,7°.  Von  letzterem  Kalbe,  dessen  Pusteln  übrigens  leidlich  entwickelt  waren,
ist  die  Ernte  nicht  abgenommen  worden.  Eine  außerordentlich  gesteigerte  Körperwärme
ist  weder  vor  der  Impfung,  noch  vor  der  Abimpfung  beobachtet  worden.  Sämmtliche
Kälber  wurden  unmittelbar  nach  der  Abimpfung  geschlachtet  und  hierbei  nur  einmal
bei  einem  erfolglos  mit  variola  vera  und  14  Tage  später  zur  Kontrole  erfolgreich
mit  Thierlymphe  geimpften  Kalbe  ein  apfelgroßer,  schon  eingekapseller  Leberabsceß  gegesunden.
  Die  übrigen  Thiere  boten  innerliche,  krankhafte  Veränderungen  nicht  dar.

In  Kassel  wurden  vor  der  Impfung  Temperaturen  von  8384  bis  40,0°  C  festgestellt.
  Nach  der  Impfung  stiegen  dieselben  meist  nur  unerheblich,  8  Mal  fand  sogar
ein  Sinken  statt.  In  der  Anstalt  sieht  man  die  Steigerung  der  Körperwärme  weniger
als  Zeichen  einer  krankhaft  vermehrten  Herzthätigkeit,  sondern  mehr  als  eine  Folge  der
intensiveren  Fütterung  oder  zeitiger  Erregung  der  Thiere  au.  Von  6  Thieren  kam  die
Lymphe  wegen  erysipelatöser  Entzündungen  der  Haut  an  der  Impffläche  nicht  zur
Verwendung,  obgleich  die  betreffenden  Thiere  den  Appetit  nicht  verloren  und  an
Körpergewicht  (1  Mal  sogar  um  7  kg)  zugenommen  hatten.  Nach  der  Schlachtung
fanden  sich  bei  diesen  Thieren  interstitielle  Oedeme  in  der  Haut,  dagegen  außer  starker
Schwellung  der  im  Bereiche  der  Impffläche,  wie  in  der  Bauchhöhle  befindlichen
Lymphdrüsen  keine  pathologischen  Veränderungen  der  Organe.  Das  Fleisch  der  beiden
am  meisten  erkrankten  Thiere  mußte  wegen  hochgradiger  Zellgewebswassersucht  vernichtet
  werden.  Vereinzelt  auftretende  Durchfälle  wurden  durch  zweckentsprechende
Diät  rasch  gehoben.

In  Köln  waren  die  Impfkälber  bei  der  Einstellung  sämmtlich  gesund.  Nach  der
Schlachtung  wurde  nur  bei  3  Kälbern  starke  Entzündung  des  Dünndarms,  bei  3  anderen
eitrige  Entzündung  des  Unterhautzellgewebes  an  der  Impffläche  bei  hoher  Temperatur
festgestellt)  die  gewonnene  Lomphe  mußte  verworfen  werden.

Hinsichtlich  der  Schlachtung  wird  mitgetheilt,  daß  bei  Gelegenheit  einer  Revision
der  Anstalt  die  Anregung  erging,  die  Thiere  vor  der  Tödtung  zu  betäuben.  Bei  dem
früheren  Verfahren  der  Schächtung  war  die  Absicht  bestimmend  gewesen,  eine  möglichst
blutleere  Lymphe  zu  erzielen.  Der  Vergleich  beider  Methoden  ergab  keine  Veranlassung,
die  frühere  Art  des  Schlachtens  beizubehalten.

In  München  kam,  abgesehen  von  den  meist  unerheblichen  Digestionsstörungen,
keine  ernstere  Erkrankung,  insbesondere  keine  Infektionskrankheit  im  Stalle  vor.  Demgemäß
  lauteten  die  thierärztlichen  Atteste  über  den  Befund  der  Impfthiere  nach  der
in  der  städtischen  Sanitätsanstalt  unter  Ueberwachung  vorgenommenen  Schlachtung  und
Untersuchung  durchweg  günstig.  Perlsüchtig  war  kein  Kalb.

Die  größte  Zahl  der  erwähnten,  nicht  selten  auftretenden  Diarrhöen  der  Kälber
wird  darauf  zurückgeführt,  daß  die  Händler  die  Thiere  zur  Erzielung  eines  höheren
Lebendgewichts  vor  dem  Verkauf  übermäßig  mit  Wasser  antränken.  Kam  hierzu  noch
die  Erschöpfung  in  Folge  eines  weiten,  ermüdenden  Transportes,  so  erkrankten  die