Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Lummer  126

in  einer  Weise  erörtert  wurden,  die  mit  dem
Geiste  der  Loyalität,  wie  er  zwischen  Verbündeten
  obwalten  sollte,  kaum  noch  in  Einklang
zu  bringen  war.  Die  kaiserliche  Regierung  hat
unter  diesen  Umständen  schon  lange  mit  der
Wahrscheinlichkeit  gerechnet,  daß  im  Falle  des
Eintrittes  des  casus  foederis  Italien  sich  den
ihm  obliegenden  Vertragspflichten  entziehen
würde.“  Zum  Schluß  heißt  es  dann:  „Die  geheime
  Wühlarbeit  der  Entente  und  eine  läufliche
  Presse  taten  das  Ihre,  um  allmählich  einen
  Parorismus  hervorurufen,  den  abzukühlen
  die  führenden  Staatsmänner  insbesondere
  die  Minister  Salandra  und  Sonnino
nicht  geneigt  waren,  so  sehr  sie  dazu  auch  nach
Lage  der  Verhältnisse  imstande  gewesen  wären.
  Auf  diesen  beiden  Männern  beruht  daher
die  ungeheure  Verantwortung,  Italien  die
Schrecknisse  des  Krieges  aufgebürdet  zu  haben,
während  und  trotzdem  das  Land  auf  friedlichem
  Wege  eine  Befriedigung  seiner  nationalen
  Aspirationen  in  weitestgehendem  Maße  erlangen
  konnte.  Ihnen  hat  Italien  es  zu  verdanken,
  wenn  ihm  in  der  Geschichte  der  Makel
des  verächtlichsten  Verrats,  den  die  Welt  je  gesehen
  hat,  unauslöschlich  aufgeprägt  sein  wird.“
Die  Auslassung  der  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  enthält
  noch  die  Feststellung,  daß  der  Dreibund,
der  1882  gegründet,  1887,  1391,  1902  und
1912  erneuert  worden  ist.

10,000  Kronen  für  die  erste  italien.
Fahn

Wien,  30.  Mai.  Wie  die
fährt,  hai  Baron  Chlumecky  10000  Kronen
für  denjenigen  österreichischen  Soldaten  gestis.
tet,  der  die  erste  italienische  Fahne  erbentet.  (.3.)

Zur  staliinisschen  Mobilmachung.

Rom,  30.  Mai.  Die  eingezogenen  italienischen
  Mecbnerefalee  der  Jahrgänge  1876
Uio  1882  werden  in  das  Landheer  eingereiht.

Der  Vatikan  im  Weltkrieg.

Wien,  30.  Mai.  Der  vatikanische  Mitarbeiter
  der  „Reichspost“  schreibt:  Man  müsse
ernstlich  mit  der  Moglichkeit  rechnen,  daß  der
Papst  sich  gezwungen  sehen  könnte,  Rom  zu
rerlassen  und  seinen  Sitz  in  der  Schweiz,  etwa
in  Einsiedeln,  aufzuschlagen.  Es  lassen  sich  eine
Reihe  von  Möglichkeiten  voraussehen,  die  den
Papst  zur  Abreise  von  Rom  zwingen  können,
io  wie  Pius  IX.  im  Jahre  1848,  wahrscheinlich
  sei  aber,  daß  einem  solchen  Schritt  des
Papstes  Italien  durch  einen  Gewaltalt  gegen
die  Person  des  Papstes  zuvorkommen  würde,
um  einer  inneren  Revolution  vorzubengen.

Berlin,  30.  Mai.  Die  „Vossische  Ztg.“
läßt  sich  aus  Madrid  melden:  Halbamtlich
wird  bestätigt,  daß  Beratungen  zmischen  dem
iesigen  päpstlichen  Nuntius  und  dem  Ködlig
und  der  Regierung  von  Spanien  stattgesunden
habeen  über  eine  etwaige  Verlegung  des  päpftlichen
  Wohnsitzes  nach  Spanien.  Man  saßte
hierbei  verschiedene  Städte,  wie  Barcelona,  Nalencia
  und  Sevilla  ins  Auge.  Der  Königschlug
schließlich  das  Kloster  Escurial  vor.  Das  Angebot
  wurde  „im  Grundsatz“  angenommen,  doch
glaubt  man  nicht,  daß  eine  Uebersiedlung  des
Papstes  notwendig  wird.  (3.)

Wien,  30.  Mai.  Die  Nachricht,  der  Papst
plane,  den  Vatikan  zu  verlassen  und  nach  der
Schweiz  oder  Spanien  zu  übersiedeln,  wird  an
hiesiger  unterrichteter  Stelle  als  gänzlich  unbegründet
  bezeichnet.  Man  sagt,  der  Papst  habe
gar  keine  Ursache,  sich  mit  solchen  Plänen  zu
tragen,  er  denle  auch  gar  nicht  daran,  Rom
zu  verlassen.  (8.),

„Reichspost“  er-Die

  dallaustaalen.

Die  Haltung  Rumäniens.

„  29.  Mai.  Eine  führende  Perfönlic
  Ke  ½  %  Industrie,  die  aus  Bukarest  zurückgeiehrt
  ist,  erllärt  über  die  dortige  Stimmung.
daß  zwar  leidenschaftlich  in  Butarest  für  die
leilnahme  Rumäniens  am  Krieg  gegen  Oesterreich-Ungarn
  geworben  werde,  daß  aber  die
Lage  noch  vollkommen  ungeklär!!  sei  und  daß
auch  von  der  Regierung  jeder  Aufschluß  über  die
nächste  politische  Haltung  Rumäniens  verweigert
  werde.  Die  Stimmung  wechsle  von  Tag
zu  Tag.  Es  scheine  aber,  daß  die  Enscheiduns
W  werden  soll,  bis  die  erslen  Ergebnisse
  des  italienischen  Feldzuges  vorliegen
und  die  militärischen  Ereignisse  in  Galizien  zum
Abschluß  gekommen  seien.  (3.

Kopenhagen,  29.  Mai.  Nach  einer  Meldung
  des  „Petit  Parisien“  können  die  Verhondlungen
  zwischen  Rumänien  und  Italien  mit
dem  Dreiverband  als  gescheitert  angesehen  werden.
  Das  Streitobjekt,  das  die  Verständigung
verhinderte,  war  angeblich  die  Bukowina.  (3.)

Erzberzog  Eugen
der  Oberkommandierende  der  Streitkräste  gegen
Ilalien.

 

 

Stockho  lm,  29.  Mai.  „Rieiny  Dein“  meldet
  aus  Bukarest:  Die  Truppenverschiebungen
von  Jassy  und  Botosany  nach  der  Karpathengrenze
  dauern  an.  Erhöht  ist  die  Mobilisierung
in  der  Wallachei.  Die  russische  Dirlomatie  arbeitet
  energisch  in  Bularest.  Doch  betont  die
„Nomoje  Wremja“  die  Zurückhaltung  der  rumänischen
  Regierung.  (3.).

Falschmeldungen  über  Bulgarien.

Sosia,  30.  Mai.  Die  amtliche  Agence
Bulgare  meldet:  In  den  letzten  Tagen  brachten
einige  Blälter  lange  und  eingehende  Darstellungen

  über  Vorschläge,  die  der  bulgarisihen
Regierung  seitens  des  Dreiverbandes  gemacht
worden  wären,  um  die  von  ihr  bis  zum  gegen
wärligen  Zeitpunkt  befolgten  Richtlinien  zu  ändern.
  Wir  sind  iu  der  Erllärung  ermächtigt,
daß  alle  dese  Ausführungen  erfunden  find.
Die  Falschmeldungen  verfolgen  lediglich  Propagandazwecke.
  (Z.)

Die  Türkel  im  Wellkeleg.

Neue  türkische  Erfolge  an  den
Dardanellen.
WITB.  Konstantinopel,  29.  Mai.  Aus

dem  türkischen  Hauptquartier  wird  mitgeteilt:
An  der  Dardanellenfront  wurde  heute  morgen
bei  Ariburnn  der  mittlere  Teil  der  Verschanmigen
  des  Feindes  durch  Bajonettangriffe  durch
unsere  Truppen  genommen.  Die  Verschanzungen
murden  von  uns  für  unseren  Zweck  befestigt.
Bei  Seddil  Bahr  rückie  unser  rechter  Flügel
in  dem  vom  Feinde  besetzten  Abschniktt  ###
Meter  gegen  die  Küste  vor.  Einer  unserer  Flieger
  wars  mit  Erfolg  Bomben  auf  die  feindlichen
Stellungen  bei  Seddil  Bahr.  Das  feindliche
Panzerschisf  vom  Agamemnontyp,  das  vorgesiern
  torpediert  und  nach  Imbros  geschleppt
worden  ist,  i#l  verschwunden.  Man  weiß  nicht,
was  aus  ihm  geworden  ist.  An  den  anderen
Fronten  nichts  von  Bedeutung.

WE.  Konstantinopel,  30.  Mai.
Hauptquartier  teilt  mit:  An  der  Dardanellenfront
  bei  Ari  Burnu  bemühte  sich  der  Feind
vergeblich,  uns  daran  zu  verhindern,  die  im
Zentrum  seiner  Stellung  gelegenen  Schützengräben
  zu  organisieren,  die  wir  genommen  hatten.
  Bei  Seddil  Bahr  ist  der  Feind  anscheinend
damit  beschäftigt,  die  infolge  der  Kämpfe  vom
23.  Mai  entstandenen  Lücken  auszufüllen.  Unsere
  anatolischen  Batterien  an  der  Meerenge
Vombardierten  gestern  wirksam  die  feindlichen
Truppen  von  Seddil  Bahr.

Das

Von  der  Kaukasusfront.

WIB.  Konstantinopel,  30.  Mai.  Die
Agence  Milli  erfährt  aus  Erzerum,  daß  Truprenabteilungen
  des  linken  russischen  Flügels  aus
ihren  Verschkanzungen  geworfen  wurden  und  unlter
  Zurüdlassung  vieler  Toten  flüchteten.  Die
türlischen  Truppen  erbeuteten  eine  Menge  Gemehre
  und  Munition.

Die  Kriegssitzung  des  Reichslages.
Berlin,  30.  Mai.

Der  Reichslag  hielt  am  Sametag  eine  Kriegssitzung
  im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes  ab.
Es  standen  nur  Gegenstände  auf  der  Tagesordnung,
  die  sich  auf  den  Krieg  und  vorwiegend
dessen  wirtschaftliche  Seite  bezogen.

Eine  ziemlich  lebhafte  und  teilweise  erregte
Auseinandersetzung  gab  es  bei  dem  Bericht  der
Budgetkommmsion  über  verschi:dene  Kriegsmahnahmen.
  Der  Vorsitzende  der  sozialdemokrati.

 

 

schen  Fraktion,  Abgeordneter  Ebert,  beuutzte
diese  Gelegenheit  zu  einer  teils  erjreulichen,

 

teils  recht  überflüssigen  Erklärung,  namens  seiner
  Partei.  Der  erfreuliche  Teil  bestand  in
einer  scharfen  Stellungnahme  gegen  den  von
Jlalien  frir  ol  heraufbeschworenen  Angriffs,  und

Erob##rnge  rien.  jodann  in  dem  Belenninio  m
dem  Jnasionale  Standpunkt,  den  die  Partei
am  4.  Auguft  eingenommen  hat.  Ebert  sagte
.  ».  tctkctillnqarnlmlalles-nehm
um  ien  Fri:  den  lu  erhalten,  aber  Jtalien  wollte
den  Krieg.  Jlalien  führt  keinen  Nerteidigungsrieg,
  sonrer?  einen  Angriffs  und  Eroberungtrieg.

  (Zustimmung."  Dieser  Ansicht  ilud  auch
unsere  Parteigenossen  in  Italien.  In  dieser

Stunde  der  geste  eigerien  Gefahr  beikennen  wir
uns  rüdliallles  #  dem,  was  wir  am  3.  Auguft.
und  itälerhin  erllär!  Laben.  Wir  stehen  zu  unserem
  Moll.  (Beisall.)  Einmütig  wird  das
deutsche  Voll  seine  game  Kraft  einsetzen,  um
diefer  neuen  Gr  fahr  Herr  zu  werden  und  das
Land  #  beschügen.“

Mit  lerhaftem  Beifall  wurde  diese  Erllärung
  auf  allen  Selien  des  Hauses  begrüßt.
Der  Redner  hielt  es  aber  dann  für  nötig,
den  grundsätzlichen  Standpunkt  seiner  Partei
dahin  zu  betonen,  daß  sie  zwar  alle  Opfer  zur
Vesiegung  unferer  Feinde  bringen,  aber  von
irgendwelchen  Eroberungen  nichts  wissen  wolle
und  einen  baldigen  Frieden  wünsche,  der  aun
im  Inner#  dem  deutschen  Volke  die  Gleichberechligung
  auf  allen  Gebieten  bringe.  Redner  crllärte
  u.  a.:  Wir  wenden  uns  mit  aller  Entschiedenheit
  gegen  jene  Bestrebungen,  welche  den
Frieden  abhängig  machen  wollen  von  allerhand
  Eroberungen.

Gegen  diese  Erllärung  wandte  sich  zunächst
der  konsero.  Abg.  Graf  Westarp.  Er  unterstrick
  und  unetrschrieb  glatt,  was  tags  moor
der  Reichs##anzler  über  alle  erforderlichen  r2alen
Sicherheiten  gegen  die  Wiederkehr  eines  Angriffskrieges
  gesagt  halte.  Er  ist  der  Aufssas
sung,  daß  das  Kriegse  iel  nur  erreicht  bereen
kann,  wenn  ausschlieslich  die  eigenen  Inter
sen  des  Reiches  maßgebend  sind,  und  daß  wir
auch  vor  den  Gebielserweilerungen  nicht  zurückschreen
  dürfen,  welche  zur  dauernden  eicherheit
  unseres  Landes  notwendig  sind.  Es
solgte  bei  der  Mehrheit  im  Hause  großer  Beifall,
  bei  den  Sozialdemokraten  wird  gerufen:
Lört!  Hör

Der  nationalliberale  Abg.  Schiffer  siellte  sich
mit  einer  sehr  temperamentvollen  Red:  auf  den
Slandpunkt  des  konservat.  Redners.  Er  rückte
die  erfreuliche  Seite  der  soiialdemokratischen  Erllärung
  in  den  Vordergrund  und  meinte,  daß
wir  keinen  Eroberungstrieg  führen,  aber  er  301
in  diesem  Punkte  einen  dicken  Trennungsstrich
nach  der  sozialdemokratischen  Seile  hin:  Kein:
unnötigen  Eroberungen  nach  Neapoleonischer
Art,  aber  die  unerhörten  Opfer  des  deutschen
Volles  an  Gut  und  Blut  legen  uns  die  Ver
pflichtung  auf,  real  greifbare  Sicherheiten  zu
schafsen,  daß  unsere  teueren  Gefallenen  nickht
umsonst  gesiorben  sind.  Diese  Wendung  entsef
selle  einen  Beifallssturm  und  begeistertes  Händeklatschen,
  in  das  der  Zwischenruf  Lieblnechts
Bineinplatzte:  Kapitaleinteressen!  Dieser  Ausdruck
  erregte  allseitige  Entrüstung  und  veranlaßte
  den  Prasidenten  iu  einem  scharfen  Ord
nungs  rus.  (Gegen  Liebnecht  wurden  Ruse  laut,
wie:  Pfui,  Verrater!  Schämen  Sit  sich!

Die  Erregung  wurde  durch  die  schwungvollen
Schluhworte  Schiffers  von  neuem  Beisallsilür
men  abgelost.  Dann  gelangte  die  Erorterung
in  ruhigere  Bahnen.  Nach  Erledigung  der  Ta
geovonung  vertagte  sich  der  Reichstag  bis  zum
10.  August

Ferichledene  Nacheichten.

Köln,  30.  Mai.  Der  Architelt  Putz  uber
raschte  in  seiner  Villa  einen  Einbrecher.  Als  er
ihn  sestnelmen  wollte,  erschoß  der  Embrechr
den  Hausherrn.  Das  gleiche  Schicksal  ereille
das  zu  Hilse  lommende  Dienstmädchen.  Der
Täter  wurde  der  Polizei  übergeben.  Es  ist  ein
stellungsloser  Schmied,  der  erit  kürilich  aus  dem
Zuchthaus  entlassen  wurde.

Ränuchener  Neulteilen.

münchen.  30.  Mai.  Um  der  diesjährigen
Fronleich  namsprozession  auch  nach  außen  hin  in
erhöhtem  Maße  den  Charakter  eines  Kriegs-Bittumganges
  zu  verleihen,  wird  vor  dem  Troghimmel
  das  wundertatige  Bildnis  der  schmer:
haften  Muttergottes  in  der  Herogspitallirche
getragen.  Nach  der  Proression  findet  bei  gün
sltiger  Witterung  die  Uebertragung  des  Gna
denbildes  an  seinen  Standort  in  seierlicher  Weise
durch  den  Kardinal  Dr.  v.  Vettinger  in  Be
gleitung  des  gesamten  Klerus  statt.

München.  30.  Mai.  Vergangene  Nackt  ist
im  Alier  von  70  Jahren  der  Rentner  Fran
Pierling  gestorben.  Der  Verstorbene  war  Grün
der  und  Vorsitzender  des  Bayer.  Veteranen
vereins  für  Feldigssoldaten  und  hat  sich  für
das  bayerische  Veteranenwesen  große  Verdienste
erworben.

münchen,  30.  Mai.  Da  die  Jigaretten
sabrik  Batschari  dem  englischen  Trust  angehort,
hat  der  Magistrat  beschlossen,  deren  Rellamen
aus  den  Straßenbahnwagen  zu  entfernen.

 

 

dienstag.  #.  IUnni  1911
—.  —

axeriche  Aacheichlen

Furth  i.  W.,  30.  0.  Mai.  Den  Beamten  der
Grenzwackstatiom“  Warzenried  Proßl  u.  Baungärtner
  gelang  es,  in  einer  der  letzten  Nächte
eine  großere  Menge  Vieh,  die  nach  Böhmen
geschmuggelt  werden  sollte,  z  beschlagnahmen.

Augsburg,  37.  Mai.  Dem  Ansuchen  der
hiesigen  zehn  katholischen  Pfarreien  um  Bildung
  einer  katholischen  Gesamtlirchengemeinde
ist  mit  Wirkung  vom  1.  Januar  staltgegeben
worden.

tmemmingen,  30.  Mai.  Der  Magittrat
hat  die  Erhöhung  der  (,  emeindeumlagen  von
115  auf  150  Pro#ent  beschlosien.

C(indau,  30.  Mai.  In  Lindau  wurde  oder
Former  Karl  Gehringer  aus  Augeburg  verhaftet
  und  in  Begleitung  zweier  Gendarmen
in  das  Landgerichlsgefängnis  Memmingen  eingeliefert.
  Gehringer  ist  dringend  verdächtig,  mit
noch  einem  Komplizen  vor  einigen  Wochen  in
der  Nähe  von  Türkleim  einer  Bauersftau  einen
  Geldbetrag  von  121000  Mark  durch  Drohung
  mit  Erschießen  geraubt  zu  haben.

Kürnberg,  30.  Mai.  Der  Magistrat  hat
beschloisen,  weibliches  Schaffnerpersonal  bei  der
städlischen  Straßenbahn  an  zuftellen.  In  eriter
Linie  sollen  die  Frauen  von  im  Felde  gefallenen
  Schaffnern,  Führern  und  Arbeitern  der
Straßenbatß  n  Anstellung  finden,  in  weiter  Reibe
die  Witwen  anderer  im  Felde  gefallener  städtischer
  Angestellter.

Bapreuth,  3u.  Mai.  Der  Magistrat  haite
seinerzeit  den  sämtlichen  Forthildungsschulern
den  Besuch  des  Arbeitersugendhimis  und  das
Lisen  der  „Arbeitersugend“  verboten.  Wegen
dieser  Maßregel  war  es  zu  hefltigen  Fellden  mit
den  So:rialdemokraten  gekommen.  Bei  der  oiesmaligen
  Elatskeraung  im  Magittrat  erllare

nun  Oterbürgermeister  Dr.  von  Casselmann,
daß  keine  Veranlafiung  beitehe,  unter  den  dernaligen

  Verhalluissen  eine  Ausnalmebeftimmung
  befstehen  zu  lassen  und  da#  drollall  299
Verbot  aufgeh  oben  sei.

 

Grenzlande.

Innsbruck.  3.  Mai.  In  der  Umgelurg
von  Meran  wollie  genern  der  Gendarmerle
wackmeister  Sager  den  welichtirolüchen  Teserseur
  Eirardelli  sennehmen.  (Girardelli  widersehre
  sich  der  Verhaftung  und  gat  drei  Revolverschiuitse
  ab.  welche  den  Wachtmeister  loleten.
Wirardelli  entleibte  sich  hierauf  selbft.

UNeue  Landesbrolmarken.
#ünchen.  .  Viai.

Eine  an  die  Konimunalverbände  vom  Staatsministerium
  des  Innern  unter  dem  27.  Mai
gerichtele  Belanntmad  ung  betreffend  die  Verdrauchsregelung
  besagt:  Die  lommunalver:
randswmeise  Negelung  des  Verbrauchs  vermag
dem  Uerkelb#edurnis  nicht  vollig  gerecht  ##
werden.  Dieics  verlangt  eine  gewise  Frei#gigleil
  derienigen  Ausweise,  die  mum  Bezuge  von
Bro:  und  Wiehl  bered  zgen,  mahrend  odieie  Aus.
meise  in  der  Regeil  nur  innerhaltk  d##  Kom—
munalverhandes  Geltung  hüben,  der  ##s  ausge-=geben
  lat.  Verschiedene  Kommunalrerband:  La„
ben  aus  diesem  Grunde  bereite  untet  sick  Abmachungen
  getroffen,  die  die  gehenieluge  Auerkennung
  der  von  ihnen  ausgegelenen  Brotkarten
  zum  ziele  haben.  Solche  Admachungen
find  für  den  nack  Llichen  Verkehr  durchaus
weckmäsig  und  werden  zur  Nachahmung  einpsollen.


lleber  diesen  Nackbarverkehr  hinaus  beiteht
jedoch  dar  Bedürfnis  nai  Freizngiglent  im  ganzen
  Lande.  Eine  solche  laun  natursich  auf  der
Grundlage  dis  Reichsreit  ilung  plane:  Mlräftit
nur  für  die  Angel  origen  der  banerichen  Kommunalrerbnde
  in  Aussicht  genobimen  Werden.
Zu  diesem  Zwecke  in  bei  der  Landesrermilttelungsstelle
  eine  Abteilung  für  Brotmarken  errichtei
  worden.  In  Anichluß  an  sie  wird  folgende
  Einrichtung  getrofsen:  Die  Landesvermittelungsitelle
  gibt  (weiß  blauc)  Landesbrotmarken
  aus,  die  innerhalt  des  gan:en  Konigreichs
  Bayern  Geltung  haben.  Jede  Landesbrolmarle
  lautet  auf  11  Gramm  Brot.  Je
sechs  solcker  Landerdrotmarken  siellen  den  zulässigen
  TLagesverb  rauch  dar.  Die  Landesdrotmarken
  merden  vorlaufig  in  Hesichken  von  je
3u.  Cl  und  9)9  Siuck  aurgegeben.  Sie  werden
von  der  Landesvermiltelungeitelle  nur  an  hanerische
  Kommunalverbande  und  nur  auf  deren
Bestellung  abgegebin.  Den  Komennunalverbäuden
  stehl  es  frei.,  ob  sie  Landesbrolmarken  beeiehen
  wollen.  Jedem  Kommunalverrand  werden
  die  von  ihm  bezogenen  Landesbrotmarken
auf  seinen  Bedarfsanleil  in  Melll  fur  den  näch.
iten  Monat  von  der  Lande  sbermitrelungsrteile
angerechtel  und  ziwar  in  der  Hoe  von  ·
devtkiesasittgenstcjjte5,dapdtebepogeucithrus
deslsrotuntrleuauswcileullurdieiegtsskusicht
wird  sein  Mehlbedarfsanteil  für  den  nächiten
Wionat  gelürzt.

Die  von  einem  Kommunalverband  bezogenen
Landesbrolmarken  lönnen  von  ihm  nur  an  Personen
  seines  T..  4,  die  von  ihm  zu  versor- 



gen  sind  und  nur  an  —  und  in  Anrechnung
auf  die  gewöhnliche  Kommunalverbandsbrot=—



 

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