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auf dessen friedlichen und defensiven Charakter hinwies, wurde er mit
der Bemerkung empfangen, die Erneuerung des Dreibundes habe bei
der russischen Regierung einen peinlichen Eindruck gemacht. Der Dreibund
stütze in Bulgarien den Fürsten Ferdinand, der Rußland nicht
genehm sei und ohne diese Unterstützung in acht Tagen beseitigt werden
könne. Peinlicher noch als die Erneuerung des Dreibundes habe Rußland
dessen Annäherung an England empfunden!).
Nicht der Zar, sondern der Panslawismus bestimmt Rußlands äußere
Politik. Das ist der Sinn eines Berliner Berichtes vom 19. August 1891,
zu dem Greindl aus einem Gespräche mit dem Staatssekretär v. Marschall
die Veranlassung entnahm?). Der Zar irre sich, wenn er glaube, für den
guten Empfang der Franzosen das Signal gegeben zu haben; vielmehr
sei er der fortreißenden Wirkung der Massen erlegen. Vor einem Jahre
noch habe der Zar beim Besuche des deutschen Kaisers seine tiefe Abneigung
gegen die republikanische Staatsform bekundet. Seitdem sei
ein beträchtliches Stück Weges zurückgelegt. Alle Welt wisse, daß,
wenn Rußland Deutschland oder Österreich angreife, die Lebelgewehre
allein losgehen würden. Jetzt fühle sich Frankreich der Unterstützung
Rußlands sicher, und man hoffe, auch den an sich friedliebenden Zaren
zum Kriege mit fortreißen zu können. Eine neue Affäre Schnäbele sei
in diesem Augenblicke eine große Gefahr. Der französische Flottenbesuch
in Kronstadt habe also die Sicherheit Europas vermindert und
die Notwendigkeit des Dreibundes erwiesen. Wenn es ihn noch nicht gäbe,
müsse man ihn gerade jetzt schließen. — Von seiner Beteiligung an der
Kaiserreise nach England hatte Marschall die Überzeugung mitgebracht,
daß Lord Salisbury die Interessen des Inselreiches und des Dreibundes
für identisch halte. Diese Meinung, fügt Greindl hinzu, habe auch der
deutsche Kanzler geäußert. In Deutschland beurteile man die Gesamtlage
zuversichtlich und glaube, daß auch in Petersburg bereits die Besinnung
zurückgekehrt sei. Die Russen müßten doch jetzt erkennen,
daß die Franzosen sie weiter fortreißBen wollten, als es ihnen genehm sei.
Am 25. August 1891 gab Greindl — wieder im Anschluß an eine
Unterhaltung mit Marschall — einer zuversichtlicheren Betrachtung der
Lage Ausdruck. Ohne ein formelles Bündnis könne Frankreich nicht
darauf zählen, daß Rußland ihm die Waffenhilfe leiste®). Aber Greindl
fügt hinzu: ‚Trotz meines sehr großen Vertrauens in das Urteil des Staatssekretärs
und in die Nachrichten, über die er verfügt, kann ich mich der
Befürchtung nicht erwehren, daß er allzu rosig sieht.‘ — Auch die Versicherungen
des französischen Botschafters zu Berlin, die Entente mit
Rußland habe einen rein defensiven Charakter, machten auf Greindl
keinen besonderen Eindruck. Er meinte in einem Berichte vom 9. September®),
auch wenn alles das nicht wahr sei, könne die französische Re-1)
Berlin, 9. August 1891, Bd. V, S. 290/291.
2) Bd. V, S. 291/292.
2) Bd. V, S. 293/294.
Bd. V, S. 1ll.
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