Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

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sie  kämpfen  sollten,  empfanden,  so  arbeitete  er  nun  um  so  entschiedener  darauf
hin,  als  Ersatz  dafür  den  auch  um  Sold  gedungenen  Heeren  eigenthümlichen
kriegerischen  Stolz,  der  oft  die  Stelle  der  Vaterlandsliebe  ersetzt,  einzuflößen  und
festzuhalten.  Natürlich  blieb  das  festeste  Bindemittel  sein  genialer  Geist  selbst.

Auch  an  Zahl  waren  die  Truppen  vermehrt  worden.  Um  das  Jahr  1750
bestand  das  Fußvolk  aus  48  Feldregimentern  und  13  Garnisonregimentern,
zusammen  122  Bataillonen,  jedes  zu  880  Köpfen;  die  Cavallerie  aus  8  Regimentern
  Husaren,  jedes  zu  1200  Mann,  und  130  Schwadronen  Cutirassiren
und  Dragoner,  jede  zu  158  Mann;  die  Gesammtsumme  belief  sich  auf  133  bis
136,000  Mann,  eine  auch  im  Verhältniß  zu  den  Vergrößerungen  des  preußischen
  Staates  durch  die  neuen  Erwerbungen  immer  noch  unverhältnißmäßig
große  Zahl.  An  eine  Verminderung  derselben,  wie  drückend  auch  die  Last  für
den  Staat  erschien,  war  nicht  zu  denken,  im  Gegentheil  sann  Friedrich  stets
darauf,  sobald  seine  Einkünfte  stiegen,  die  Streitkraft  zu  vermehren,  denn  auf
ihr  lastete  nun  einmal  das  Geschick,  das  Gleichgewicht  unter  den  großen  Staaten,
und  sich  in  dem  Kreise  ihrer  Gebieter  als  ebenbürtiger  Vermittler  zu  erhalten.
Im  Jahre  1755  belief  sich  die  preußische  Streitmacht  auf  mehr  als  152,000  Mann.

Wenn  der  König  mit  ungemeiner  Selbstständigkeit  und  Schärfe  in  alle
Zweige  der  Verwaltung  eingriff,  so  machte  er  es  sich  andererseits  zum  Gesetz,
in  Bezug  auf  religiöse  und  confessionelle  Angelegenheiten  so  wenig  als  möglich
den  Selbstherrscher  zu  zeigen.  „Ich  bin  neutral,  pflegte  er  zu  sagen,  zwischen
Rom  und  Genf,  wer  den  Andern  beeinträchtigt,  wird  verurtheilt.“  Allen
Glaubensgenossen  sollte  gleiches  Recht,  auch  bei  Vertheilung  von  Unterstützungen
keine  Rücksicht  auf  das  öffentliche  Bekenntniß  genommen  werden.  Er  gestattete
nicht  nur,  sondern  wünschte,  daß  Katholiken  in  seine  Dienste  träten,  und  bemühte
  sich  oft,  ihnen  ehrenvolle  Stellen  zu  verschaffen,  sobald  das  Staats-Interesse
  nicht  unmittelbar  dagegen  sprach.  Anfangs  hatte  er  die  Magistratsstellen
  in  Schlesien  mit  Protestanten  besetzt,  weil  er  den  Katholiken  nicht  traute,
doch  sollte  dies  für  die  Zukunft  aufhören,  und  hart  verwies  er  die  Protestanten,
wenn  sie  auf  irgend  eine  Beeinträchtigung  der  Katholiken  dachten.  Auch  die
Klöster,  obschon  er  in  ihnen  viel  Widersacher  fand,  wurden  von  ihm  mit
Schonung  behandelt.

Bedenklich  erschienen  dem  König  die  Jesuiten,  gegen  die  er  sich  zu  schützen
suchte,  indem  er,  wie  sein  Ausdruck  lautet,  den  Altar  dem  Altare  entgegensetzen
wollte.  Er  berief  mündlich  Jesuiten  aus  Frankreich,  von  denen  er  hoffte,  daß
sie  dem  preußischen  Interesse  ergebener  seien  und  bei  ihrer  größeren  Bildung
bald  einen  überwiegenden  Einfluß  auf  die  gebildeten  Klassen  ausüben  würden.
Sein  Streben  ging  dahin,  die  schlimmen  Einwirkungen  der  religiösen  Gegensätze
in  Bezug  auf  die  Politik  unschädlich  zu  machen.  Freilich  war  dies  kein  leichtes
Werk  und  durfte  manche  Streitpunkte  hervorrufen,  welche  Friedrich  allerdings
praktisch  mit  Erfolg  löste.  In  einer  Kabinetsordre  heißt  es:  „In  allen  Dingen,
die  keine  Glaubensartikel  angehen,  bin  ich  der  erste  Bischof  und  habe  keine