Metadaten : Wilhelm Heinzes Quellen-Lesebuch zur vaterländischen Geschichte für Lehrerbildungsanstalten und höhere Schulen. Erster Teil. Deutsche Geschichte bis 1648. (1)

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und  noch  wird  von  ihm  gesungen  bei  den  barbarischen  Stämmen,  von  ihm,  der
unbekannt  den  Jahrbüchern  der  Griechen,  die  nur  Griechisches  zu  bewundern
wissen,  auch  bei  uns  Römern  nicht  nach  Gebühr  gefeiert  ist,  die  wir,  das
Alte  preisend,  um  Neues  unbekümmert  sind.

II.
Aus  der  Zeit  der  großen  Völkerwanderung.

8

Alarichs  Tod.

410.

Quelle:  Jordanis,  Über  den  Ursprung  und  die  Taten  der  Goten
(Lateinisch)i).  III,  31  (nach  alter  Zählung)  oder  156—158  (nach  Mommsen).
Übersetzung:  Martens,  Jordanis'  Gotengeschichte.  3.  Auflage.  Leipzig  1913.

(Gesch.,  d.  d.  B.  2.  Ausg.  Bd.  ö.)  S.  52  und  53.

156.  Endlich  rückten  die  Goten  in  Rom  ein  und  plünderten  es  auf  Befehl
Alarichs;  sie  legten  jedoch  nicht,  wie  wilde  Völker  gewöhnlich  tun,  Feuer  an  und
duldeten  nicht,  daß  die  heiligen  Orte  irgendwie  verunehrt  wurden.  Dann  zogen
sie  fort  durch  Kampanien  und  Lukanien,  das  sie  gleichfalls  plünderten,  und  kamen
zu  den  Bruttiern.  Hier  saßen  sie  lange  und  dachten  daran,  nach  Sizilien  und  von
dort  in  die  afrikanischen  Länder  hinüberzugehen  157,  die  dem  Alarich  eine
Ruhmstätte  bieten  sollten.  Mehrere  seiner  Schiffe  aber  —  nichts  ist  ja  freigestellt,
was  der  Mensch  ohne  Gottes  Willen  beschlossen  hat  —  verschlang  jenes  furchtbare
Meer;  die  meisten  verschlug  es.  Während  Alarich,  durch  dieses  Unglück  niedergeschlagen,
  darüber  nachdachte,  was  zu  tun  sei,  wurde  er  plötzlich  von  einem  frühen
Tode  dahingerafft  und  schied  von  dieser  Welt.  158.  Ihn  betrauerten  die  Seinen,
die  ihn  sehr  geliebt  hatten.  Sie  leiteten  den  Fluß  Basentus  bei  der  Stadt  Konsentia
  aus  seinem  Bette  —  dieser  Fluß  strömt  nämlich  mit  heilbringendem  Gewässer
  vom  Fuße  des  Berges  an  der  Stadt  vorbei  —  und  mitten  im  Bette  desselben
  ließen  sie  durch  eine  Schar  Gefangener  ein  Grab  graben  und  versenkten
in  seinen  Schoß  den  Alarich  mit  vielen  Schätzen;  dann  leiteten  sie  die  Wogen
wieder  in  ihr  altes  Bett,  und  damit  von  keinem  je  der  Ort  gefunden  wurde,
töteten  sie  alle,  welche  mitgegraben  hatten.  Die  Herrschaft  über  die  Westgoten
übertrugen  sie  dem  Atawulf,  einem  Blutsverwandten  von  ihm,  von  schöner  Gestalt
und  hohem  Geist.

1)  Der  Gote  Jordanis  ist  der  älteste  germanische  Geschichtschreiber,  dessen  Werke  uns
erhalten  sind.  Er  war  ein  Mann  von  hoher  Geburt,  der  wie  sein  Vater  das  Amt  eines
Notars  am  ostgotischen  Königshofe  bekleidete.  Unser  Quellenwerk,  das  als  Auszug  einer
verloren  gegangenen  Gotengeschichte  des  wissenschaftlich  hochstehenden  Senators  und
gotischen  Ministers  Kassiodor  entstanden  ist,  verfolgt  die  Geschichte  der  Goten  von  der
sagenumwebten  Urzeit  bis  zum  Jahre  550.  Für  die  dunkle  Zeit  der  Völkerwanderung  und
die  Regierung  Theoderichs  ist  das  Werk  von  unschätzbarem  Wert.