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„consilia“ scheinen mir nicht weislich, aufrecht und treulich, ‚indeme
vornehmblich das privatum gesucht worden und vielleicht auss
not gesucht werden mussen, darauf dan die schedliche corruptiones
ihre würkungen erlanget.“ Man hatte mir schon zu Prag berichtet,
dass sowol der Braunschweiger als Mollart wegen der Markgrafschaft
Finale für Leuchtenberg sollizitierten, wogegen dieser dem
Herzog die Acht, Mollart aber ein Lehen in Italien im Wert von
100 000 Kronen erlangen half, was alles durchgngangen sein soll,
ohne dass die Umstände gehörig erwogen wurden und die nötigen
Untersuchungen vorhergiengen; an Finale soll aber viel gelegen sein und
Spanien dafür ein Darlehen von 5—600 000 Kronen geboten haben; —
kurz, wenn dem Unwesen und Regiment zu Prag der Lauf nicht
bald gehemmt wird, ist zu besorgen, dass die Ieute in der Umgebung
des Kaisers den Karren ganz verfahren werden.
Wenn man gleich anfangs zu Mühlhausen einen Weg finden
könnte, ‚dass die kaiserliche verrichtung in diesem fall etwas suspendiret,
darbei aber nicht zu weit gangen, I. M.* nicht offendiret und vor
allem dem vicariatwesen die thure nicht geofinet wurde,“ so würde
Kaiser und Reich dadurch sehr genützt werden. Ob das nicht durch
Beförderung des Abzugs des Kaisers aus Prag, Abforderung der
Reichskanzlei und Einstellung des Reichshofrats geschehen könnte,
wäre zu bedenken; vielleicht wäre am besten, gleich nach Ergänzung des
Kollegs über den Abzug des Kaisers „und wie der ohnordentliche lauf
der itzigen kaiserlichen regirung etwas sistirt und gehemmet werden
konne,‘ zu beraten; denn 03 ist grösste Gefahr im Verzug und sollte
es noch ein Vierteljahr anstehen, so könnte ich mir aus dem Verlauf,
den ich selbst ansah, nichts anderes einbilden als unwiederbringlichen
Nachteil des katholischen Wesens, Trennung aller Bande unter den
Ständen, Vermehrung des Mistrauens, Zerstreuung und Verschwendung
der kaiserlichen Güter und Rechte, Begebung aller Vorteile, Entfremdung
der ausländischen Potentaten, schmähliche Verachtung und
Verhöhnung des Reiches an Haupt und Gliedern, Erhöhung der Bösen,
derer man nicht mehr ledig werden könnte, kurz gänzliche Verwirrung
des geistlichen und politischen Wesens und also Ruin des ganzen
Hauses Oesterreich nnd des Reiches. Ich bin auch nicht der Ansicht,
dass man, selbst wenn der Administrationsstreit nicht beigelegt werden
kann und das Kollegium unergänzt bleibt, deshalb diesen Beratungen
und Beschlüssen Einhalt tun und wegen des Privatum einiger das
Publicum zurückstehen und in Gefahr lassen sollte; nur müsste man in
diesem Fall mit dem Kaiser behutsamer umgehen, damit nicht dessen
Offension erregt werde, „welche [ksl. M.'] alsdan ihrem bekanten humor
nach einen und anderen malcontenten an sich zihen und deme oder
denselben zue I. M.' selbst aigenen gefahr, schimpf, schaden und
nachtheil, ja verderb und ruinirung ihres aigenen hauses, des
heil. reichs, der religion und der ganzen christenhait in allem wilfaren
wurd, inmassen dieser I. M.' humor neben vielen vorgangenen
Juli 7,