Full text : Geschichte der Hohenzollern.

nicht  Vortheile  zuzuwenden,  welche  mit  dem  Zwecke  des  ganzen  Krieges  von
preußischer  Seite  in  vollkommenem  Widerspruch  standen.

In  den  Niederlanden  hatten  die  Kaiserlichen  die  Winterquartiere  bezogen.
Daher  hatte  Carnot  dem  General  Pichegrü  den  Befehl  über  die  Armee  an  den
Vogesen,  und  dem  General  der  Moselarmee,  Hoche,  den  Befehl,  wie  schon
oben  erzählt,  zur  Rettung  Landau's  um  jeden  Preis  ertheilt.  Zu  diesem  Zweck
machte  Hoche  am  28ften  und  29sten  November  wiederholte  äußerst  heftige  Angriffe
  auf  des  Herzogs  Lager  bei  Kaiserslautern,  welche  jedoch  siegreich  zurückgeschlagen
  wurden  und  dem  kühnen  Angreifer  mehr  als  3000  Mann  kosteten.
Jedoch  blieb  der  Rückzug  des  feindlichen  Heeres  ungestört.  Dies  und  die  Fürsprache
  Carnots  retteten  Hoche  vor  dem  Blutgerüste.  Natürlich  erregte  die
Siegesbotschaft  neuen  Jubel  in  Berlin.

Wenn  auch  im  Lager  des  Herzogs,  so  trat  doch  nicht  zu  gleicher  Zeit
auf  dem  ganzen  Kriegsschauplatze  Ruhe  ein.  Die  franzöfischen  Feldherren  wendeten
  sich  jetzt  gegen  Wurmser,  der  sich  Anfangs  mit  Erfolg  vertheidigte,  aber
nur  durch  einen  geringen  Theil  der  preußischen  Truppen  unterstützt,  sah  er  sich
bei  dem  unablässigen  Anstürmen  der  Feinde  nach  einer  Reihe  von  hitzigen  Gefechten
  zum  Rückzug  aus  seiner  Stellung  und  selbst  aus  den  Weissenburger
Linien  genöthigt.  Zwar  deckten  die  Preußen  diesen  Rückzug  durch  einen  erfolgreichen
  Angriff,  aber  dennoch  mußte  am  30sten  December  die  öftreichische  Armee
bei  Philippsburg  über  den  Rhein  zurück,  während  die  Preußen  den  Weg  nach
Mainz  nahmen.  Von  beiden  Seiten  machte  man  sich  so  heftige  Vorwürfe  der
Treulofigkeit  und  Feigheit,  daß  zwischen  den  Offizieren  beider  Armeen  Zweikämpfe
  darüber  stattfanden,  ein  gutes  Einvernehmen  für  die  Zukunft  gänzlich
in  Zweifel  gezogen  werden  mußte!  Der  Herzog  von  Braunschweig,  im  Gefühl
auf  diese  Art  eine  unwürdige  Rolle  vor  dem  Publikum  gespielt  zu  haben,  hielt
seinen  Rücktritt  für  nothwendig,  um  sich  deshalb  durch  einen  solchen  Schritt  zu
rechtfertigen;  in  der  That  wünschte  er  die  Fortdauer  des  Oberbefehls.  Sein
vom  6ten  Januar  1794  aus  Oppenheim  datirtes  Schreiben  an  den  König  lautete:
  „Ich  habe  keine  Hoffnung,  daß  ein  dritter  Feldzug  vortheilhaftere  Ergebnisse
  bieten,  welche  die  verbündeten  Mächte  bisher  getrennt,  die  Bewegungen  der
Heere  verzögert  und  die  rechten  Maßregeln  verhindert  haben,  es  auch  fernerhin
thun  werden.  Wenn  eine  große  Nation,  wie  die  französische,  durch  Schrecken
und  Begeisterung  zu  großen  Thaten  geführt  wird,  so  sollte  billiger  Weise  einerlei
Wille  und  Grundsatz  die  Schritte  der  Verbündeten  leiten;  aber  wenn  statt  dessen
jede  Armee  für  sich  allein  handelt,  ohne  festen  Plan,  ohne  Einheit,  ohne  Grundsatz
  und  ohne  Methode,  so  werden  die  Ereignisse  immer  so  sein,  wie  wir  sie
bei  Dünkirchen,  Maubeuge,  Lyon,  Toulon  und  Landau  gesehen  haben.  Der
Himmel  wolle  Ew.  Mcjestät  vor  größern  Unfällen  bewahren;  aber  es  ist  Alles
zu  fürchten,  wenn  Vertrauen,  Einstimmigkeit,  Einheit  der  Grundsätze  und  Handlumgen
  nicht  an  die  Stelle  entgegengesetzter  Gefinnung  treten,  die  seit  zwei  Jahren
  die  Ursache  aller  unserer  Unfälle  sind.“