den Rheinbundgelüsten Frankreichs gegenüber ohnmächtig. Um
den Preis aber, der jetzt dafür verlangt worden wäre, ein
Protektorat Frankreichs gegen Preußen zu erkaufen, hatte man
im Süden keine Lust mehr, nachdem Frankreich seine wahren
Absichten verraten hatte. Mit Abschluß dieser Schutz- und
Trutzbündnisse, nach denen im Fall eines Krieges die süddentschen
Heere dem Oberbefehl des Königs von Preußen unterstanden,
war die Vollendung der Einigung Deutschlands nur noch eine
Frage der Zeit, zumal die in den Friedensverträgen in Aussicht
genommene einheitliche Ordnung der Zollverhältnisse, für
die vorläufig der Zollvereinsvertrag vom 16. Mai 1865 wieder
in Kraft trat, die wirtschaftliche Einigung verbürgte.
Größere Schwierigkeit machte der Friede mit Sachsen,
auch nachdem der Minister v. Beust, der unermüdlich gegen
Preußen gehetzt hatte, durch Bismarcks Weigerung, mit ihm
zu verhandeln, zum Rücktritt genötigt worden war. Die
Integrität seines Gebietes war Sachsen freilich durch Oesterreich
zu Nicolsburg ausgewirkt worden. Um so fester mußte
sollte, gefesselt und zur unverbrüchlichen Erfüllung der übernommenen
Verpflichtungen angehalten werden. Das war nicht
leicht angesichts der Bewährung der tapferen sächsischen Armee
im böhmischen Feldzuge, der innigen Familienbeziehungen
zwischen den beiden Höfen und der Feindschaft eines Teils des
sächsischen Volkes gegen die Sieger. Erst nach langwierigen
Verhandlungen zwischen Savigny und dem sächsischen Minister
v. Friesen und Graf Hohenthal erfolgte am 21. Oktober der Abschluß.
Sachsen mußte sein Heer nach preußischem Muster
reorganisieren, wozu es zunächst einem preußischen General
unterstellt wurde; in Dresden lagen sächsische und preußische
begreiflich: nicht ohne Ingrimm sahen die Dresdener die
Preußen in ihrer Stadt, zu deren Beherrschung obenein Schanzen
aufgeworfen waren. Aber das bittere Gefühl, von Oesterreich
doch schließlich im Stich gelassen zu sein, und dann die Er-