Metadata : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

164  Oberpfalz  u.  Regensburg.

von  Obermünster),  Thomas  Schäffler  und  B.  Götz  (1748  die  alte  Kapelle
ausschmückend),  Grafinger,  Münsinger  (1728).  So  waren  beim  Beginne
unseres  Jahrhunderts  die  bildenden  Künste  auch  auf  diesem  Gebiete  trotz  alles
Prunkes  gar  arm  an  Ideen,  an  Geist  und  Leben  geworden.  Sie  führten
wie  manches  Andere  noch  eine  Scheinexistenz  fort,  bis  die  großen  politischen
Stürme  über  Deutschland  hinbrausten  und  den  Boden  auch  hier  mit  Trümmern
bedeckten.  Nachdem  aber  Deutschland  durch  dieses  Reinigungsfeuer  hindurch
gegangen,  sah  auch  Regensburg  bald  den  Himmel  einer  neuen  besseren  Kunstentwickelung
  sich  wieder  öffnen.  Die  Walhalla  erhob  sich  in  seiner  Nähe  mit
aller  Herrlichkeit  und  Zier  eines  griechischen  Tempelbaues  von  1828—36,  der
Dom  erstand  durch  die  Huld  desselben  königlichen  Mäcens  in  früherer  Schöne
mit  der  glanzvollen  Krone  der  neuen  Glasgemälde  (1829—54)  und  dem
Schmucke  kunstreicher  Altäre,  und  in  der  königlichen  Villa  am  Donaustrande
erblühte  wieder  das  Muster  eines  schöngegliederten,  eleganten  und  charakteristischen
  Palastbaues.  Die  begonnene  Vollendung  der  Domthürme  aber  wird
nicht  blos  diesen  herrlichsten  Kirchenbau  in  Bayern  mit  dem  ersehnten  Abschluß
krönen,  sondern  auch  das  Werk  der  Wiedererweckung  der  alten  Architektur  durch
Gründung  einer  neuen  Bauhütte  in  Bayern.

Zweiter  Abschnitt.

Haus-  und  Wohnarg.
Von  Ednard  Feutsch.

Erstes  AKapitel.
Das  Bauernhaus.

Kein  Bau  hat  sich  mit  solcher  Rücksichtslosigkeit  den  natürlichen  Anforderungen
  und  Bedingungen  bequemt,  und  trägt  so  entschieden  den  Ausdruck
der  Sitte  und  Anschauungsweise  seines  Insassen,  als  das  Bauernhaus.  Baumaterial,
  Configuration  des  Bodens  und  Klima  bestimmen  allenthalben  Maaß,
Disposition  und  Verhältniß;  die  Gefühlsweise  des  Volkes  gibt  die  Bewegung
und  fügt  das  Ornament  an.

Ueber  die  von  diesen  Bedingungen  vorgezeichneten  Grundregeln  geht  die
bäuerliche  Architektur  nicht  hinaus.  Sie  bilden  wenn  nicht  die  einzige,  doch
die  wesentlichste  Voraussetzung  der  Stylverschiedenheit,  soweit  wir  beim  naturwüchsigen
  Bauernhause  überhaupt  von  Styl  sprechen  können.

Bei  früheren  Schilderungen  wurden  die  Bauernhäuser  des  Gebirges
gegenüber  jenen  des  Tafellandes  in  eine  Gruppe  zusammengefaßt.  Ihre