Zur Auslegung des 8 2316 Abs. 4 BGB. 271
„Es muß ausgeschlossen sein, daß ein Pflichtteilsberechtigter, der eine
anrechnungs= und zugleich ausgleichungspflichtige Zuwendung von
bestimmter Höhe erhalten hat, einen größeren Pflichtteilsanspruch habe, als
er gehabt hätte, wenn er ceteris paribus eine lediglich anrechnungspflichtige
Zuwendung (von gleicher Höhe) erhalten hätte.“ —
Mit diesem Postulat steht nun, wie sich rechnungsmäßig zeigen wird, in
offenem Widerspruch die sowohl bei Planck-Ritgen wie bei v. Jacubezky
herausgestellte Berechnung. Nach ihr soll nämlich in dem Fall, daß der Nachlaß
4000 Mk. beträgt und von den beiden mit dem Ehegatten konkurrierenden,
in keiner Weise letztwillig bedachten Abkömmlingen A und B ersterer eine anrechnungs=
und zugleich ausgleichungspflichtige Zuwendung von 800 Mk.,
letzterer eine ebensolche von 400 Mk. erhalten hat, sich der Pflichtteil des A
auf 250 Mk., der des B auf 650 Mk. belaufen. — Stellen wir jetzt mit diesem
Fall (als dem „Hauptfall") zur parallelen Untersuchung zunächst den „Nebenfall“,
daß bei sonst ganz gleicher Sachlage der Vorempfang des A (von 800 Mk.)
bloß aurechnungspflichtig ist, so berechnet sich hier der Pflichtteil des A
gemäß § 2315 Abs. 1 und Abs. 2 und § 2316 Abs. 1 wie folgt: Nach § 2316
Abs. 1 (vgl. § 2055 Abs. 1 Satz 2) und § 2315 Abs. 2 ergibt sich zunächst
der Ansatz:
1 *- (4000 + 800) + 400 3600 + 400 1000
2 2 4 *
und hiernach weiterhin zufolge § 2315 Abs. 1 die Differenz
1000 — 800 = 200 Mk.
als der dem A gebührende Pflichtteil'). Somit zeigt sich, daß nach Planck-Ritgen
und v. Jacubezky der Pflichtteil des A dadurch, daß die an diesen
Abkömmling erfolgte lebzeitige Zuwendung (von 800 Mk.) nicht nur zur Anrechnung,
sondern auch zur Ausgleichung zu bringen wäre, eine Erhöhung
(von 200 Mk. auf 250 Mk.) erfahren würde. Das ist, wie das
vorangestellte Postulat ausspricht, ein offenbares Nonsens. — In ganz entsprechender
Weise läßt sich dartun, daß auch der von jenen Autoren dem B
zugewiesene Pflichtteilsbetrag von 650 Mk. zu hoch gegriffen sein muß. Denn
denkt man sich (wiederum als „Nebenfall") bei sonst gleicher Sachlage den
Vorempfang des B als einen bloß anrechnungspflichtigen, so beziffert
sich unzweifelhaft der Pflichtteil des B nur auf
3 400 800 3300 800
4 (4000 200— — 400 = zoo 4 — 400 = 625 Mk.
Nach unserem Postulat kann nun aber doch der Pflichtteil des B unmgich
dann größer als 625 Mk. werden, wenn B seinen Vorempfang (von 400 Mk.)
nicht nur sich anrechnen zu lassen, sondern auch noch zur Ausgleichung
zu bringen hat.
7) Vgl. zu diesem Rechnungsmodus, der von der zur Diskussion stehenden Streitfrage
nicht berührt wird, insbesondere die damit übereinstimmenden Berechnungen bei v. Jacubezky
a. a. O. S. 285 g. A. und ebenso bei Planck-Ritgen, Kommentar S. 592 (Ziff 3), wo
(insoweit zutreffend) der aurechnungs- und zugleich anogleichungspflichtige Vorempfang des
anderen Abkömmlings (von 100 Mk.) „den auf die Söhne entfallenden Dreivierteilen des
Nachlasses (— 3000 Mk.) hinzugerechnet“" wird. — Abweichend freilich Strohal S. 188 a. A.
Indessen würde sich nach dessen Rechnungsweise der MWöchteeil- N’'i Nebenfall, also bei
4000
bloßer Anrechnungspflicht der 800 Mk.) auf rl .—N— 2 — 800 = 175 Mk.,
also sogar noch auf weniger als 200 Mk. belaufen.
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