Volltext : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

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Johann  Friedrich  der  Mittlere.  Er  theilte  daher  auch  nicht  mit
diesem  gleiches  Lvos,  sondern  wurde  vielmehr,  als  der  Bruder  in  die
Gefangenschaft  geführt  ward,  alleiniger  Regent  der  herzoglich  Ernestinischen
  Länder  und  refkdirte  meist  in  der  Stadt  Weimar.
Wie  fromm  und  gottesfürchtig  er  war,  sieht  man  daraus,  daß  er  die
Bibel  zehn  Mal  durchgelesen,  niemals  geflucht  und  für  die  Reinigkeit
  der  Lutherischen  Lehre  aufs  emsigste  gesorgt  haben  soll.  Wie
wichtig  war  aber  auch  seine  Regierungszeit  für  die  gesammten  Ernestinischen
  Lande!  Unter  ihm  kam  nemlich  die  Theilung  aller  Ernestinischen
  Besitzungen  in  zwei  Theile  oder  Herzogthümer  zu  Stande,
und  das  ohnehin  schon  bleine  Erbtheil  der  Ernestiner  ward  von  nun
an  unaufhörlich  in  immer  kleinere  Theilchen  —  die  jetzigen  sächsischen
  Herzogthumer  —  zerstückelt.  Johann  Wilhelm  erhielt  bei  der
diesmaligen  Theilung  den  Weimarischen  Theil  mit  der  Hauptstadt
Weimarz  den  andern  Theil  aber  bekamen  die  Söhne  des  abgesetzten
  Johann  Friedrich's  des  Mittlern  und  wählten  sich  zur  Residenzstadt
  Coburg.  —  Als  am  2.  März  1573  Johann  Wilhelm  in
Weimar  starb,  hinterließ  er  zwei  unmündige  Söhne,  welche  späterhin
die  Stifter  des  Neu-Weimarischen  und  des  Altenburgischen
Herzogshauses  wurden.

3.  März.
Johann  Friedrich  der  Grotsmüthige  ctirbt.

Ein  frommer  Fürst  und  großer  Dulder  ging  1554  am  3.  März
zur  ersehnten  Ruhe  ein,  Johann  Friedrich  der  Großmüthige,
lehter  Kurfürst  aus  dem  Ernestinischen  Hause.  Ein  Muster  von
Frômmigkeit  war  er  von  Jugend  an  bis  ins  späte  Alterz  ein  treuer,
eifriger  Anhänger  der  neuen  Lehrez  ein  warmer  Verehrer  des  Gottesworts
  und  Gotteshauses;  ein  standhafter  Dulder  unter  den  härtesten
Schlägen  des  Schicksals.  Aber  hätte  er  nur  nicht  auch  andere
Eigenschaften  gehabt,  die  ihm  und  dem  Vaterlande  großen  Schaden
brachten!  Allzu  große  Ruhe  und  Unbesorgtheit  —  Mangel  an  Umsicht
  und  Staatsklugheit  —  ganz  fehlerhafte  Hartnäckigkeit:  das
waren  die  drei  Gebrechen,  die  ihn  ins  Verderben  führten.  Gegen
den  mächtigen  Kaiser  Karl  hätte  er  doch  die  nöthige  Nachgiebigkeit,
gegen  den  schlauen,  feurigen  Morißzdie  nöthige  Vorsicht  und  gegen
die  befreundeten  Reformirten  in  der  Schweiz  die  nöthige  Liebe  und
Verträglichkeit  festhalten  sollen;  allein  das  that  er  keinesweges.  Anfangs
  brachte  das  wenigen  Schaden,  weil  der  Kaiser  mit  den  Türken
und  Franzosen  im  Kriege  warz  aber  sobald  größere  Ruhe  für  den

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