Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Hauntilert  n

Rolenheimen  rm—  *:

Vonnerstag,  13.  Januar  1910

 

18  700  Millionen  Mark  höher  waren  als  die
regulären  Eingänge.

Amsterdam,  11.  Jan.  Die  „Daily  Mail“
sordert  angesichts  der  finanziellen  Gefahren,  die
England  bevorstehen,  Zwangsanleihen  bei  den
lleinen  Leuten.  Der  Krieg  koste  England  etwa
5  Millionen  Pfund  täglich.  Davon  würden  täqlich
  eine  Million  vergeudet.  30  000  goldene
Pfundstücke  würden  täglich  in  England  zu  Geschmeide
  umgearbeitet,  während  die  deutschen
Frauen  ihr  Geschmeide  hergeben,  um  Zwanzigmarkstücke
  daraus  machen  zu  lassen.  Englands
Einfuhr  ist  von  659  Millionen  Pfund  im
Jahre  1913  auf  755  Millionen  Pfund  im
Jahre  1915  gestiegen,  die  Ausfuhr  dagegen
von  525  Millionen  Pfund  auf  384  Millionen
Pfund  im  Jahre  1915  gefallen.  Das  müsse
natürlich  zu  großen  sinanziellen  Gefahren  führen.
  ie  Arbeiter,  die  vor  dem  Krieg  212
Pfund  verdienten,  verdienen  jetzt  5  Pfund.  Das
Blatt  fordert  die  Arbeiter  auf,  die  mehr  verdienten
  2½  Pfund  in  Anleihepapieren  anzulegen,
  denn  später  oder  früher  müßte  man  doch
zu  dieser  Zwangemaßregel  kommen.  Je  eher
man  aber  dazu  lomme,  desto  besser  sei  es.  (Z.)

Arbeiterschaft  und  Heereszwang  in
England.

London,  11.  Jan.  In  Glasgow  wurden
28  Munitionsarbeiser  zu  je  5  Pfund  Sterling
verurteilt,  weil  sie  drei  Tage  lang  streilten.
Der  Vorfall  war,  wie  „Daily  News“  sagt,
das  Echo  vom  Besuche  Lloyd  Georges  bei  den
Glasgower  Schiffswerften.  In  Monmouthshire
wurde  eine  Anzahl  von  Versammlungen  abgehalten,
  die  Entschließungen  gegen  die  Dienstpflicht
  annahmen.  Eine  Versammlung  der  Bergleute
  in  Rhondda  beauftragte  die  Delegierten
für  die  am  Mittwoch  stattfindende  Bergmannskonferenz
  in  London,  gegen  die  Bill  aufzutreten
und  selbst  den  Streik  zu  befürworten.  (J.)

Christiania,  11.  Jan.  Aus  London  wird
gemeldet:  In  Glasgow,  Combridge  und  Ipswich
  fanden  am  Sonntag  Massenumzüge  gegen
die  allgemeine  Webrpflicht  statt.  Es  kam  zu
gewaltigen  Ausschreitungen  gegen  die  ausgebotene
  Polizeimacht.  Der  „Londoner  Arbeiterzeitung“
  zufolge  haben  zahlreiche  liberale  Abgeordnete,
  die  bei  der  ersten  Abstimmung  im
Parlament  für  die  Wehrvorlage  gestimmt  haben,
  angesichts  der  starken  Gegnerschaft  gegen
die  Vorlage  im  Parlament  die  Aenderung  ihrer
Haltung  beziehungsweise  ihre  Stimmenthaltung
für  die  zweite  und  dritte  Lesung  erklärt.  (3.)
Vergebliche  englische  Hoffnungen.

London,  10.  Jan.  (NReuter.)  Im  Unterhause
  wurde  der  Antrag  eingebracht,  die  Regierung
  müsse  alle  im  britischen  Reiche  und
in  den  Ländern  der  Verbündeten  befindlichen
Hilfsauellen  gegen  Deutschland  anwenden.
Runciman  erklärte  in  einer  Debatte  darüber,
daß  England  die  Spannung  des  Krieges  besser
aushielt  als  Deutschland,  und  die  deutsche  Regierung
  werde  eher  durch  den  ökonomischen
Druck  als  irgendeinen  anderen  von  der  Zwecklosigkeit,
  den  Kampf  fortzusetzen,  überzeugt  werden.
  Wenn  wir  mit  unseren  Hilfsmitteln  sparlam
  sind,  werden  wir  länger  aushalten  als
Deutschland.  Sodann  wies  Runciman  auf  die
Schwierigleiten  hin,  die  der  Errichtung  eines
Zollvereins  unter  den  Verbündeten  sich  entgegenstellen.
  Wenn  dies  aber  notwendig  sein
sollte,  um  den  Krieg  siegreich  zu  beenden,  zweisle
er  nicht,  daß  man  dazu  übergehen  werde.  Weiter
drückte  er  sein  Vertrauen  aus,  daß  England  imstande
  sein  werde,  sich  nach  dem  Kriege  wieder
zu  erholen.  Es  sei  Englands  Pflicht,  bei  diesem
  Prozeß  Frankreich,  Italien  und  Rußland
so  viel  wie  möglich  zu  helfen.  England  habe
ein  Recht,  zu  verlangen,  daß  Deutschland  bei
dem  Versuche,  sich  vom  Kriege  zu  erholen,

Da-s  Nampfgeblet  im  Trak.

 

 

 

 

 

nichts  tue,  worunter  England  und  leine  Verbündeten
  leiden  könnten.  Sodann  wies  Runciman
  darauf  hin,  daß  die  Verbündeten  nach
Beendigung  des  Krieges  nicht  den  Auobruch
eines  wirtschaftlichen  Krieges  dulden  lönnten.
Er  erinnerte  mit  Nachdruck  daran,  daß  Deutschland
  schon  im  ölonomischen  Sinne  geschlagen
sei.  Wir  müssen  darüber  wachen,  daß  nach  dem
siegreichen  Ausgang  des  Krieges  Deutschland
nicht  sein  Haupt  erhebt,  um  einen  ölonomischen
Feldzug  zu  beginnen.

Der  Umschwung  der  Stimmung
in  Amerika.

London,  10.  Januar.  Die  „Morning  Post“
meldet  aus  Walhngtion:  Die  Vereinigten  Staaten
  sind  über  die  letzten  deutschen  Zusicherungen
  völlig  befriedigt  und  Deutschland  ist
wieder  hoch  in  Gunst.  Der  Korrespondent  kann
selbst  von  den  Neuyorker  Blättern  nur  den
„Neuyork  Herald“  anführen,  der  in  den  beifälligen
  Chor  nicht  einstimmt.  Aber  der  Korrespondent
  selbst  fügt  Hinzu,  daß  diese  Auffassung
  von  der  großen  M  ehge  des  amerikanischen
Volkes  nicht  geteilt  wird.  Die  Amerikaner  wünschen
  so  dringend,  nicht  in  den  Krieg  verwidelt
zu  werden,  oder  auch  nur  den  Abbruch  der
diplomatischen  Beziehungen  mit  Deutschland
oder  Oesterreich  zu  riskieren,  daß  sice  gerne  die
Auffassung  der  Regierung  annehmen,  daß  diese
einen  großen  vibemanten  “  errang.  (3.)

Ler  A#nn  zu  Lee

Die  Ermordung  deutscher
U-Boot-Mannschaften.

Berlin,  11.  Jan.  In  ihrer  Veröffentlichung
  ũber  die  Beschwerde  der  deutschen  Regierung
  wegen  Ermordung  deutscher  Untersee-Bootsmannschaften
  durch  den  englischen  Hilfskreuzer
  „Baralong“  hat  die  englische  Regierung
vergebens  versucht,  ähnliche  Untaten  deutscher
Unterseebootsleute  zu  lostruieren,  inmitten  ihrer
Nabulistereien  aber  eine  tatsächlicho  Mitteilung
von  Wert  gemacht.  Um  die  Klage,  als  hätte  die
englische  Flotte  Unmenschlichteiten  begangen,  zu
entkräften,  stellt  die  englische  Regierung  sest,
daß  nach  den  neuesten  stalistischen  Ermittelungen
  1150  deutsche  Matrosen  von  englischen
Schiffen  geretlet  worden  jeien.  Dazu  schreibt
die  „Kreuzzeitung“:  Diese  Angabe  ist  geeignet,
  den  Verdacht  zu  bestätigen,  daß  der  Kapitän
  der  „Baralong“  nicht  eigenmächtig  handette,

—.“—

als  er  die  Mannschaften  des  deutschen  Unterseebootes
  ermorden  ließ,  sondern  eine  allgemeine
Weisung  von  höherer  Stelle  befolgte,  wonach
von  deutschen  Unterseebooten  leine  Gefangenen
mehr  gemacht  werden,  sondern  die  Besatzungen
auf  der  Stelle  erschossen  oder  versenkt  werden
sollen,  denn  schon  am  6.  April  1915  ließ  die
englische  Negierung  erklären,  daß  während  des
Krieges  mehr  als  1000  deutsche  Secoffiziere
und  Mamnschaften  von  der  englischen  Flotte  gerettet
  und  gefangen  worden  seien.  Da  nun,
nach  englischen  Angaben,  seither  viele  deutsche
Unterseeboole  abgefangen  wurden,  ohne  daß
die  Anzahl  der  deutschen  Seekriegsgefangenen
in  England  sich  vermehrte,  so  geht  daraus  mit
erschreckender  Deutlichkeit  hervor,  daß  wirklich
die  englische  Regierung  den  Mut  hatte,  was
sie  jetzt  in  einem  Gefühl  der  Scham  zu  verbüllen
  sucht,  eine  sorgsam  geheim  gehaltene  allgemeine
  Weisung  zu  erlassen,  wonach  die  Besatzungen
  der  abgefangenen  deutschen  Unterseeboote
  nicht  zu  retten  und  nicht  gefangen  zu
nelmen,  sondern  zu  erschichen  oder  zu  versenlen,
  d.  h.  zu  ermorden  sind.  süneen  hat  es  die
englische  Regierung  noch  nich  wagt,  diese
schwere  Anklage  amtlich  oder  ½t  drec
die  Presse  zu  entkräftigen.  (3.)

„Eduard  VII.“  von  einem  U-Boot
versenkt?

Rotterdam,  11.  Jan.  Wann  und  wo  das
englische  Schlachtschiff  „Eduard  VII.“  unterging,
  verschweigt  die  Presse  hartnäckig.  Es  verlautet
  aber,  daß  die  sehr  schwierige  Rettung  der
Mannschaft  darauf  schließen  lasse,  daß  die  Versenlung
  die  Folge  eines  U-Bootangriffes  gewesen
  sei.  Die  „Times“  meinen,  durch  diesen  Verlust
  sei  die  Homogenität  der  „Großen  Schlachtflotte“
  gestört  worden.  (Z.)

Ein  britischer  Dampfer  versenkt.

London,  11.  Jan.  (Reuter.)  Der  britische
Dampfer  „Alan  Macfarilan“  wurde  versenkt.

Der  U.  Bootskrieg.

Berlin,  11.  Jan.  Wie  die  italienische  Zeilung
  „Corriere  mercantile“  meldet,  beschlossen
die  französischen  Handelskapitäne  in  Marseille,
einen  Antrag  auf  allgemeine  Bewaffnung  der
Handelsdampfer  einzureichen,  damit  sie  nicht
nur  desensiv,  sondern  auch  offensiv  gegen  die
Unterseeboote  im  Mittelmeer  vorgehen  könnten,
wie  dies  von  den  Engländern  bereils  mit  Ersolg
  getan  würde.  Das  Blatt  venlangt,  daß
Marineminister  Corsi  eine  entsprechende  Verfügung

  erlasse  und  alle  Dampfer,  nicht  nur
jene,  die  die  Adria  befahren,  bewaffnet  wost
den,  damit  die  fühlbaren  Verluste,  die  die  ita
lienische  Marine  bisher  erlitt,  aufhören.  Alle

Dampfer  würden  dann  die  Unterseeboote  rücksichtslos

  angreisfen,  auch  wenn  sie  selbst  nicht

egriffen  würden.  (Z.)  —  Wenn  diese  Pläne
Aa  klichkeit  werden,  so  warde  das  die  Kriegführung
  der  Unterseeboote  erheblich  erleichtern,
da  sie  diesen  bewaffneten  Fahrzeugen  gegenüber,
  die  gleichbedeutend  mit  Hilfskreuzern  sind,
jeder  Rücksichtnahme  enthoben  wären.

Das  Londoner  Abkommen  und  der
Vatikan.

Zürich,  11.  Jan.  Die  vatikanische  Correspondenza-
  bestätigt  die  Mitteilungen  über  das
Londoner  Adkommen,  indem  sie  schreibt:  Das
Abkommen  enthält  auher  der  bereits  mitgeteilten
  Verpflichtung,  keine  Aenderung  des  italienischen
  Garantiegesetzes  zu  geslatten,  die  weitere
Verpflichtung,  leine  päpflliche  Intervention  bei
der  Friedenskonferenz  zu  dulden.  Die  italienische
Regierung  hat  sich  bis  jetzt  über  die  Mitteilungen
  ausgeschwiegen.  (JZ.)

Gegen  die  italienischen  Kriegshetzer.



Lugano,  11.  Jan.  Am  Korso  in  Rom
lam  es  am  Montag  zu  einem  peinlichen  Vorfall.
  Vor  dem  den  bekanntesten  Kriegsschreiern
als  Quartier  dienenden  Casé  Aragno  erschien
ein  Bersaglieri,  der,  von  plötzlicher  Wut  Übermannt,
  seinen  Säbel  zog  und  sämtliche  Spiegelscheiben
  des  Kaffeehauses  zertrümmerte.  Er
hieb  unter  den  Rufen:  „Es  ist  eine  Schmach,
dahß  diese  Nichtstuer  und  Schwätzer  uns  in  diesen
  Krieg  hineinh#zten,  während  wir  Soldaten
draußen  im  Feld  verbluten  müssen!“  wie  rasend
  um  sich  und  konnte  erst  nach  großer  Muhe
überwälligt  werden.  (3.)

Das  Ballusunlersehmen.

Die  Lage  in  Montenegro.

Wien,  11.  Jan.  Der  Ministerwechsel  in
Montenegro  kann  dahin  gedeutet  werden,  daß
der  neue  Ministerpräsident  Miljuskovic  rorwiegend
  und  zunächst  die  Aufgabe  hat,  jene
Bergstämme,  deren  Gebiet  die  vordringenden
österreichisch-ungarischen  Armeen  demnächst  betreien
  werden,  und  die  bisher  immer  in  einex
gewissen  Opposition  zu  König  Nikolaus  standen,
  zu  beschwichtigen  und  zur  Fortsetzung  des-Kampfes
  zu  gewinnen.  Anderseits  ist  nicht  zu
verkennen,  daß  der  zurückgetretene  Ministerpräsident
  Vukolic  das  ausgesprochene  Haupt  der
Kriegspartei  war,  während  Miljuskovic  mehr
als  Versöhnungsmann  gilt.  Unmittelbare  und
sichere  Anzeichen  dafür,  daß  sich  Montenegro
ergeben  will,  liegen  bisher  nicht  vor,  doch  behaupten
  Meldungen  aus  Athen  und  Sofia,
daß  man  in  Cetinje  einzusehen  beginnt.  Montenegro
  werde  durch  die  zwar  angesichts  der
Terrainschwierigkeiten  langsam,  aber  unerschütterlich
  vorschreitende  österreichische  Offensive  der
Katastrophe  immer  näher  gebracht.  Sicher  ist
serner,  daß  im  Lande  größte  Nahrungsmittelnot
  herrscht  und  die  Jufuhren  aus  Italien
alles  zu  wünschen  übrig  lassen.  (3Z.)
Kriegstagung  des  Reichstages.

Deutscher  Luftangriff
gegen  Salonibki.

Sofia,  11.  Jan.  Das  Blatt  „Voeni  Jzvestia“
  meldet:  Ein  deutsches  Fluggeschwader  von
12  Flugzeugen  warf  am  7.  Januar  78  Bomben
auf  Saloniki,  insbesondere  auf  das  Lager  der

 

der  Schag  der  Sadder.

—  1——
(##ch##v####.

Die  schlechte  Behandlung,  die  ihm  in  Massauah
widerfahren  war,  halie  sich  dabei  als  eine
wirksame  Hilse  für  die  Pläne  des  Barons  erwiesen,
  denn  sie  hatte  den  etwos  eigensinnigen.
und  sehr  empfindlichen  alten  Herrn  in  dem
Unssafkass  bestärkt,  seine  Widersacher  unter
allen  Umständen  zu  besiegen.  Die  Unterdrückung
seiner  Telegramme,  von  der  er  ebentalls  durch
Beauregard  Kenntnis  erhalten.  war  der  Tropfen
gewesen,  der  die  Schale  seines  Zernes  vollends
zum  Ueberlausen  gebracht.  Seine  Absicht  ging
nunmehr  dahin,  sich  zunöchst  nach  Aden  zu
begeben,  um  seine  grimmigen  Beschwerden  an
die  zustandigen  Stellen  zu  dirigieren.  Bon  dort
aus  aber  wollte  er  ohne  weiteren  Ausemthaalt
nach  dem  Somaliland  h’inüber,  wo  die  Zulammenstellung
  einer  Karamane  kaum  irgendelche
  Schwierigkeiten  hatte.  Und  ohne  Rückscht
  auf  irgendwelche  völkerrechtswidrigen  Verbote
  sollte  alsdann  die  italienische  Grenze  überschritten
  werden.
Erika  fügte  hinzu,  dat  sie  es  vorläufig  als
aussichtslos  aufgegeben  habe,  den  von  Beaureund
  Frau  von  Heyden  aulpirienern  Plänen
ihres  Großoaters  Sasebenesaät  Sie
kannte  ihn  gut  genug,  um  wissen,  daß  in
diesem  Augenblick  jeder  Eimiokuchn  und  jede  hon.
stellung  vergeblich  sein  würde.  Und  Holmstetten
war  obne  weiteres  bereit,  sich  ihrer  Ansic
enzuschliehen.  Wahr'  cheinllich  würde  er  das
auch  getan  haben,  wenn  sie  genau  das  Gegentell
  ms  bätte.  denn  leine  Merliehfbolt

 

hatte  einen  Grad  errricht,  der  alle  anderen
Interessen  urücktreten  ließ  um  des  Wuniches
willen,  ihr  angenehm  und  willjährig  zu  sein.
Und  doch  war  er  niemals  so  fest  davon
überzeugt  gewesen  wie  eben  jett,  daß  nie  eine
Verliebtheit  hosenungsloser  gewesen  sei  als  die
leinige.  Der  Anblick  des  Ringes,  den  er  um
seiner  Form  und  um  seiner  Inschrift  willen  für
einen  Verlobungsring  halten  mußte,  hatte  ihn
veranlaßt,  zum  eriten  Male  ernstlich  über  die
Hindernisse  nachzudenken,  die  sich  seiner  Vereinigung
  mit  Erika  von  Sylvander  entgegenestellt
  haben  würden,  auch  wenn  sie  seine
Siebe  wirklich  erwidert  hälle  und  nicht  bereits
anderweitig  ehebunden  gewesen  wäre.  Und
war  dabei  zu  dem  Schluß  gekommen,  un
beese  Innderus#t  wohl  unter  allen  Umständen
unüberwindliche  gewesen  wären.
ohl  durfte  er  sich  rühmen,  nicht  von
geringerer  Herkunft  zu  sein  ;
war  seiner  gesellschaftlichen  Stellung  nach  nichts
als  ein  verabschiedeter  Os#izier  und  angenblick-—
  wenn  man  es  beim  rechten  Namen
neunen  wollte  —  so  etwas  wie  ein  vermögenslolser
  Abenteurer.  Daß  #es  dem  nullionenreichen
Geheimrat  nie  in  den  Sinn  kommen  wurde,
eine  Enkelin  und  alleinige  Erbin  einem  solchen
Manne  zur  Frau  zu  geben,  mußte  sich  Holmstetten
  ohne  weiteres  sagen.  Und  er  war  auch
wirklich  vernünftig  genug,  es  zu  tun.  Aber  bei
all  dieser  verständigen  Ueberlegung  mußte  d
in  irgendeinem  Winkel  seines  Herzens  ein  deh
törichter  Wünsche  und  Doffmngen  zurückgeblleben
  sein;  denn  seine  Gedanken  würden
sonst  wohl  kaum  so  hartnäckig  an  dem  bedeutungsvollen
  ARuge,  gehatet  boben.  der  hu
doch  —  wle  ge  1  für  ihrn
lagen  —  rti  häse  gong  Wrasss  9

 

muissen.

Er  gab  dem  jungen  Mädchen  wiederholt
törichte  und  zerstreute  Antworten,  weil  er  si
während  der  Unterhaltung  beständig  den  P1P0%
zerbrach  wegen  einer  Möglichkeit,  das  Gespräch
unauffällig  auf  jenen  Fingerrelf  zu  runber

  er  fand  keing.  Einmal,  weil  Erika  von
Sylvander  bei  aller  Liebenswürdigkeit  heute
doch  nicht  mehr  dasselbs  hilflose,  mit  beinahe
zärtlicher  Vereitwilligkeit  seinem  Schube  binge.
gebene  Mädcher  ,  e  bei  den
Anvergeßlichem  Wüssenria  in  *i  rin  z
halten,  und  zweitens  aus  dem  vielleicht  noch
triftigeren,  wenn  auch  halb  weingestandenen
Grunde,  daß  er  in  innerster  Seele  vor  einer
Bestätigung  seiner  Vermulungen  luerde.

So  mußte  er  es  gelcheben.  laflen,  daß  sie
sich  von  ihm  trennte,  nicht  in  ihrem
Wesen  etwas  von  dein  #elkeoe  zu  offenbaren,
  mit  dem  sein  Venehmen  lie  erfüllt  hatte.
Er  war  in  hohem  Maße  unzufrieden  mit  sich
selbst:  aber  der  Ring  ging  ihm  trotzdem  nicht
aus  dem  Sinn.  Und  da  er  durch  irgendwelche
Ideenverbindung  darauf  verfallen  war,
beiden  Worte  der  Inschrift,  die  er  clachich  hatze
entzissern  können,  für  Goglöndische  3,  hasier
kam  ihm  plötlich  der  Gedanke,  sich  b
eben  Dienst  tuenden  ersten  Glenllchbel,  Won
ohhhen  zu  holen.

ian  Takk  war  von  mütterlicher  Seite
holänelscher  Abltammung  und  hatte  wiederholt
davon  gesprochen,  daß  er  einen  Tell  seiner
Jugend  in  Holtend  verlebt  hobe.

Auf  mancherlei  Umwegen,  denn  er  fürchtete
bei  jedem  Wort,  sich  zu  verraten,  gelangte
Holmsteiten  endlich  zu  der  Frage,  ob  es  in
Loland  Sitte  sei,  einen  mit  Inschrift  orrletienen

ingerreif  als  Verlobungsring  an  dle  Hand

semer’angesereten  äa  steken.

Tack  machte  ein  sehr  nachdenkliches  Gesicht
wie  kacken  wenn  er  veranlaßt  wurde,  in  den
Schäßen  seiner  Erinnerung  zu  sorschen,  und
schließlich  meinte  er

„Ja,  wissen  Sie  —  was  ganz  Genaues  kann
ich  darüber  nich  sagen.  Aber  es  mag  schon  so
sein.  Wenigstens  btinne  ich  mich,  dab  ich  mal
einem  Mädchen,  das  mir  sehr  gut  gefiel,  so
einen  Ring  gekauft  habe.  Cine  ganz  richtige
Verlobung  war  es  ja  eigentlich  nich.  Und  als
ich  sie  wiedersap,  erzählte  sie  mir,  daß  sie  den
Ring  gegen  ein  paar  Strümpfse  umgctauscht
hätte,  weil  ihlen  Schab  die  Inschrift  unpassend
vorgekommen  wäre.“

„Und  wie  lautete  sie  —  diese  unpassende
Inschrift?"“

„Vergiß  mein  nlcht.“

Wer,  das  ist  doch  gar  nicht  holländisch,
Herr'  Tack

„Ne,  bouöndich  is  das  nich.  Aber  es  war

a  auch  gar  nich  in  Holland,  wo  dle  Geschichte
buafsterbe!  sondern  in  Hamburg.  Und  i
hatien  den  Ring,  der  von  wunderschöner  blauer
Emallle  war,  in  der  Auslage  eines  Pfandleihers
  gesehen.  Aber  es  is  der  erste  und
letzte  gewesen,  den  ich  je  an  ein  Frauenzimmer
  verschiatt  00  habe.  udle  Strümpse  haben

ehr  gew

Holmstelten  mußte  zac  n,  und  nun
er  alle  weiteren  Versuche  auf,  sich  Oiunet
über  die  brennende  Frage  zu  verschaffen.  die
ihm  so  viel  Becsenzpein  bereiteie.

ee  die  Morgenwache,  die  um  vier

begann  und  um  acht  zns  endete.  Soba
der  *  enbrach  gesellte  sich  Ncelcäi  Sens
und  Holmsteiten  hatte  den  Elndruck,

 

im,
#  er  binlichilic  des  Kurlses,  den  die  -Apbro-