Full text : Archiv für öffentliches Recht. Band 21 (21)

Roßbach.  Leuthen.  Das  Kriegsjahr  1758.  369

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Apraxin  war  dann  auf  das  Gerücht  vom  Tode  der  Kaiserin  Elisabeth  zurückgegangen,
  ohne  diesen  Sieg  ausgenützt  zu  haben.  Die  Kriegführung  der  Schweden
hatte  den  Prenßen  keinen  erheblichen  Schaden  zuzufügen  vermocht.

Auf  dem  westlichen  Kriegsschauplatz  hatte  der  Sieg  von  Roßbach  eine  entscheidende
  Wendung  in  Stimmung  und  Kriegsglück  herbeigeführt.  Anf  Veranlassung
  König  Friedrichs  hatte  Prinz  Ferdinand  von  Braunschweig  das  Kommando
  über  die  hannoversche  Armee  übernommen,  die  sich  keineswegs,  wie  bei
Kloster  Zeven  ausgemacht  worden  war,  ausgelöst  hatte  und  jetzt,  nachdem
König  Georg  II.  die  Ratifikation  des  Kapitulationsvertrages  verweigert  hatte,
aufs  neue  und  mit  gutem  Erfolg  gegen  die  Franzosen  vorging,  so  daß  Clermont
  schließlich  im  März  über  den  Rhein  zurückweichen  mußte.  Am  11.  April
1758  traf  Friedrich  ein  neues  Abkommen  mit  England,  in  welchem  beide
Mächte  einander  versprachen,  keinen  Sonderfrieden  mit  einem  der  Gegner  ohne
gegenseitiges  Einverständnis  zu  schließen.  Friedrich  erhielt  seitdem  Subsidien
von  England,  jährlich  570  000  Pfund  Sterling,  d.  h.  4  Millionen  Taler.  Er
hatte  sich  dabei  ausgemacht,  daß  die  Selbständigkeit  seiner  Kriegführung  dadurch
in  keiner  Weise  beeinträchtigt  werden  dürfe  und  daß  er  auf  dem  westlichen
Kriegsschauplatz  nur  soweit  es  die  Umstände  erlanbten  sich  zu  betätigen  brauche.

Friedrich  sah  wieder  mit  Hoffnung  in  die  Zukunft.  Er  plante  für  1758
abermals  einen  Angriff  auf  die  österreichischen  Erblande,  aber  nicht,  wie  im  vorigen
Jahre,  auf  Böhmen,  sondern  auf  Mähren,  das  ihm  überhaupt  immer  als  das
günstigste  Angriffsziel  in  einem  Kriege  mit  OÖsterreich  erschienen  ist.  Er  hoffte,
die  Festung  Olmütz  durch  einen  Handstreich  zu  bewältigen  und  dann  durch
die  Bedrohung  Wiens  die  Kaiserin  zum  Frieden  zu  zwingen.  Aber  diese
Unternehmung  schlug  fehl.  Olmütz  ließ  sich  nicht  überrumpeln,  und  bei  der
Belagerung  der  Festung  wurde  der  König  von  den  Österreichern  sehr  wirksam
gestört.  Bei  Domstädtl  gelang  es  Landon,  einen  großen  prenßischen  Transport
  von  Lebensmitteln  und  schwerem  Geschütz  abzufangen,  und  zugleich  drohten
die  Osterreicher,  den  König  von  Schlesien  abzuschneiden.  Die  Belagerung  von
Olmütz  mußte  aufgegeben  werden;  der  Angriffsplan  war  gescheitert.  Der  König
war  wieder  in  die  strategische  Defensive  zurückgedrängt;  er  mußte  sich  jetzt  gegen
die  Russen  wehren,  die  nach  manchen  inneren  Wirren,  bei  denen  unter  anderem
auch  der  preußenfeindliche  Großkanzler  Bestuschew  gestürzt  worden  war,  den
Krieg  wieder  mit  Energie  aufgenommen  und  unter  der  Führung  des  Grafen
Fermor  noch  im  Winter  Königsberg  besetzt  und  am  Geburtstage  Friedrichs
(24.  Jannar  1758)  die  preußische  Krönungsstadt  gezwungen  hatten,  der  Zarin
zu  huldigen.  Ostpreußen  mußte  den  Feinden  überlassen  werden;  Friedrich  hat
nicht  mehr  versucht,  es  zu  verteidigen.  Aber  im  Juni  bedrohten  die  Russen  nun
auch  die  Neumark.  Sie  hatten  Küstrin  beschossen  und  beabsichtigten,  sich  in  der
Lausitz  mit  den  Osterreichern  zu  vereinigen.  Friedrich  wollte  versuchen,  sie  vorher
zu  schlagen.  Bei  Jorndorf  kam  es  am  25.  August  zur  Schlacht.  Der  König,  der
die  Russen  damals  noch  stark  unterschätzte,  glaubte  schon  des  Sieges  sicher  zu
sein;  aber  die  Schlacht  nahm  dann  eine  sehr  gefährliche  Wendung.  In  einem
kritischen  Moment  hat  Friedrich  selbst  einmal  eine  Fahne  ergriffen,  um  die
wankenden  Bataillone  vorwärts  zu  bringen;  Seydlitz  mit  der  Kavalleric  hat
dann  die  Schlacht  wiederhergestellt.  Der  Abend  machte  dem  Ringen  ein  Ende.
Es  fehlte  den  Preußen  schon  an  Munition;  eine  Ernenerung  des  Kampfes  am

Hingzge,  Hohengollern.  24