Full text : Staatslexikon. Fünfter Band: Staatsrat bis Zweikampf. (5)

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Deutschen  Reiches  ist  dies  bisher  in  zureichendem  Maße  geschehen.
  Selbst  G.  Droysens  grundlegendes  Werk:  ‚Geschichte
  der  preußischen  Politik‘“  —  so  scharf  auch  gelegentlich
  die  Ecclesia  militans  angefaßt  wird  —  läßt  die  entsprechenden
  Richtlinien  an  entscheidender  Stelle  vermissen.  VonL.  v.
Rankes  Zwölf  Büchern  preußischer  Geschichte  gilt  dies  erst
recht.  Auch  noch  B.  Erdmannsdörtffers  ‚Deutsche
Geschichte  von  1648  bis  1740“  und  Dietrich  Schäfers
kürzlich  erschienene  ‚Deutsche  Geschichte‘‘  lassen  in  dieser
Hinsicht  zu  wünschen  übrig.  Der  greifbarste  Beleg  hierfür  ist
die  geringe  Beachtung  der  polnisch-sächsischen  Frage,  welche
seit  Vereinigung  der  sächsischen  Krone  mit  der  polnischen  im
Jahre  1697  geradezu  die  Existenz  Preußen-Brandenburgs  in  sich
begriffen  hat.  Bei  der  Gründung  des  Königtums  und  der  Eroberung
  Schlesiens  ist  sie  ausschlaggebend  gewesen.  Sie  bildet
denn  auch  den  Ausgangspunkt  und  den  Schlüssel  für  Friedrichs
des  Großen  preußisch-deutsche  Politik.  Ohne  diese  Wahrnehmung
  fehlt  der  Geschichte  Friedrichs  d.  Gr.  so  sehr  die
Grundlage,  daß  sie  wie  in  der  Luft  steht.  Um  diese  Erkenntnis
zu  gewinnen,  braucht  man  nur  Friedrichs  eigene  Schrift  über
den  Zustand  der  europäischen  Politik  aus  dem  Jahre  1737  zu
lesen,  von  der  indes  die  Geschichtsschreiber  Friedrichs  allesamt,
dies  gilt  namentlich  auch  von  R.  Koser,  nur  referierend  als
von  einem  literarischen  Produkte  Notiz  genommen  haben,  ohne
ihre  fundamentale  Bedeutung  für  Friedrichs  ganze  Politik  zu
erkennen.

Polen  aber  ist,  seitdem  es  den  Jüngern  Loyolas  gelang,
es  wieder  unter  das  römische  Papsttum  zu  bringen,  das  römischpäpstliche
  Bollwerk  zugleich  gegen  das  griechisch-katholische
Rußland  und  gegen  das  protestantische  Preußen-Deutschland.
Durch  Entgegennahme  der  polnischen  Königskrone  aus  der
Hand  der  Jesuiten  und  Abschwörung  seines  lutherischen  Glaubens
hat  August  der  Starke  das  lutherische  Sachsen  zu  einem  Vorposten
  des  ‚„katholischen‘‘  Österreich  und  damit  des  päpstlichen
Rom  gemacht.

In  der  Geschichte  Bismarcks,  der  das  Werk  Friedrichs  aufnimmt
  und  zu  Ende  führt,  spielt  die  polnische  und  auch  noch  die
sächsische  Frage  eine  kaum  geringere  Rolle,  als  in  der  Friedrichs.

Daß  der  Siebenjährige  Krieg  und  auch  die  aus  der  nämlichen
  Konstellation  hervorgegangenen  Kriege  1866  und  1870,