Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

454  Die  wissenschaftliche  Bedentung  der  Akademie  Frieprien’s  11.

qua  Vaide  d’une  attention  tres  forte'«.  Wenn  man  sicli  die  Bedeutung
  der  heute  vergessenen  deutschen  Philosophen  der  Berliner
Akademie  klar  machen  will.  darf  man  das  hohe  Verdienst  nicht
gering  schätzen.  dass  sie  sich  der  Herrschaft  des  »bon  mıot«,  welche
von  Frankreich  her  drohte,  entgegengestemmt  haben’.

Obgleich  von  anderen  Voraussetzungen  ausgehend  als  SuULZEr  und
als  kritischer  Denker  ihm  bedeutend  überlegen,  bewegte  sich  MERIAX
(sch.  den  28.  September  1723  in  Liestall.  gest.  den  ı2.  Februar  1507)
in  seiner  Wirksamkeit  doch  zu  denselben  Zielen.  Der  junge  Schweizer
gewann  in  Amsterdann,  wohin  er  sich  begeben,  BERNOULLI  s  Vertrauen,
der  ihn  Matrertuiss  empfahl,  und  bereits  im  Jahre  1750  nahm  ilın
dieser  in  die  Akademie  auf®.  An  ihn  und  Eurer  schloss  sielı  MERAN
eng  an  und  nahm  in  allen  Streitigkeiten  gegen  Worrr  und  für  die
Engländer  Partei,  ja  er  arbeitete  sich  auch  iu  Hune’s  Philosophie  ein
und  übersetzte  dessen  philosophische  Schriften  für  Maurertris  in's
Französische.  Allein  zu  einer  geschlossenen  philosophischen  Weltanschauung
  brachte  er  es  nicht.  Zwar  setzte  er  in  mehreren  Abhandlungen
  die  Polemik  gegen  Leisstz-\VoLrr  fort  und  zeigte  sich  dabei
von  der  schottischen  Philosophie  beeinflusst:  aber  er  suchte  dann
wieder  die  verschiedenen  Standpunkte.  den  kritischen  und  den  Leıssızischen,
  zu  vermitteln  und  strebte  nach  einer  empirisch  -psyeliologischen
  Betrachtung  der  Probleme,  ohne  über  einen  mannigfach  bestimmten
  Eklekticismus  hinauszukommen.  Es  fehlte  ilım  der  bohrende
Scharfsinn  und  die  Energie,  ein  Problem  vollständig  durchzudenken:

Memoires  1775  p.  361f.

Anerkennend  hat  Jusrı  (WINcKkELMaNN  Bd.ll,  2  1872  S.  302  ff.)  über  SULZER
senrtlieilt.  »Es  lag  in  ilın  der  Trieb.  alles  Strebende  zu  fördern.  alles  Deplaeirte
an  seinen  Posten  zu  bringen.  Ein  ganz  enceyklopädisch  und  teleologisch  angelegter
Kopf  von  akademisch  -adıninistrativer  Richtung.  vermochte  er  auelı  der  Dichtuuge
und  Kunst.  wie  bisher  seiner  Naturwissenschaft,  nur  durch  moralische  nnd  gemeinnützige
  Gesichtspunkte  Werth  abzugewinnen.  Er  studirte  nicht  nur  in  Bibliotheken
und  im  Buch  der  Natur.  er  fand  Lehrstühle  der  Philosophie  auch  in  den  Werkstätten
  und  Ateliers,  in  den  Comptoirs  und  Regierungseollegien.  bei  Gärtnern  und
Bauern....  Er  hatte  ein  klares  Bewusstsein  von  der  Würde  der  Kunst  und  von
ihrer  Bestimmung,  ein  Theil  des  Nationallebens.  ein  Element  der  öffentlichen  Erziehung
  zn  sein.«e  Aber  auch  Jusrı  bestätigt  Gorrnr's  Urtheil  über  Surzer:  »Er
ist  in's  Land  der  Kunst  nur  gereist.  nicht  aber  darin  geboren  und  erzogen:  er  hat
nie  darin  gelebt.  gelitten  und  genossen«,

®  Mrrıax  hat  ihr  also  57  Jahre  angehört.  Die  Akademie  lat  das  Glück
gehabt.  dass  eine  grössere  Anzalıl  von  Mitgliedern  ihr  über  50  Jahre  erhalten
weblieben  sind,  nämlich  ausser  Merıax  auch  Port.  Furnerv.  der  Geologx  GERHARD.
\.  vox  Hexsoupr.  GrÜsox.  Savıcyy.  Böckn.  Bexker  und  Raxke.  Über  40  Jalıre
laux  haben  ihr  mehr  als  vierzie  Mitelieder  angehört.