162
gleichzeitig ein letztes dazu beitragen, um — solange
der Krieg noch dauert — die Beschränkung der Kriegführung
auf die kämpfenden Streitkräfte zu ermöglichen,
ein Ziel, das die Freiheit der Meere einschließt
und in dem sich die deutsche Regierung mit der Regierung
der Vereinigten Staaten auch heute noch einig
glaubt.
Von diesem Gedanken geleitet, teilt die deutsche Regierung
der Regierung der Vereinigten Staaten mit,
daß Weisung an die deutschen Seestreitkräfte
ergangen ist, in Beobachtung der allgemeinen völkerrechtlichen
Grundsätze über Anhaltung, Durchsuchung
und Zerstörung von Handelsschiffen auch innerhal
des Seekriegsgebietes Kauffahrteischiffe nicht
ohne Warnung und Rettung der Menschenleben
zu versenken, es sei denn, daß sie fliehen oder Widerstand
leisten.
In dem Daseinskampf, den Deutschland zu führen
gezwungen ist, kann ihm jedoch von den Neutralen
nicht zugemutet werden, 6 mit Rücksicht auf ihre
Interessen im Gebrauch einer wirksamen Waffe Beschränkungen
aufzuerlegen, wenn seinen Gegnern gestattet
bleibt, ihrerseits völkerrechtswidrige Mittel nach
Belieben zur Anwendungzn bringen. Ein solches Verlangen
würde mit dem Wesen der Neutralität unvereinbar
sein. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß
der Regierung der Vereinigten Staaten eine derartige
Zumutun fernliegt: dies entnimmtsie aus der wiedersolten
Erklärung der amerikanischen Regierung, daß
ie allen Kriegführenden gegenüber die verletzte Freiheit
der Meere wicderherbusftellen entschlossen sei.
Die deutsche Regierung geht demgemäß von der
Erwartung aus, daß ihre neue Weisung an die Seestreitkräste
auch in den Augen der Regierung der Vereinigten
Staaten jedes Hindernis für die Verwirklichung
der in der Note vom 23. Juli 1915 angebotenen
Zusammenarbeit zu der noch während des Krieges
zu bewirkenden Wiederherstellung der Freiheit der
eere aus dem Wege räumt, und sie zweifelt nicht
daran, daß die Regierung der Vereinigten Staaten
nunmehr bei der großbritannischen Regierung die alsbaldige
Beobachtung derjenigen völkerrechtlichen Normen
mit allem Nachdruck verlangen und durchsetzen
wird, die vor dem Kriege allgemein anerkannt waren
und die insbesondere in den Noten der amerikanischen
Regierung an die britische Regierung vom 28.Dezember
1914 und vom 5. November 1915 dar elegt sin.
Sollten die Schritte der Nepierung der Vereinigten
Staaten nicht zu dem gewollten Erfolg führen, den
Gesetzen der Menschlichkeit bei allen kriegführenden
Nationen Geltung zuverschaffen, sowürdediedeutsche
Regierung 4 ch einer neuen Sachlagegegenübersehen,
für die sie sich die volle Freiheit
der Entschliebungen vorbehalten muß.
Antwortnote der Bereinigten Staaten.
Überreicht am 10. Mai 1916.
Die Note der Kaiserlichen Regierung vom 4. Mai
1916 ist von der Regierung der Vereinigten Staaten
sorgfältig erwogen worden. Es ist besonders an ihr
beachtet worden, daß sie als Absicht der Kaiserlichen
Regierung kundgibt, daß sie ein letztes dazu beitragen
will, um — solange der Krieg noch dauert —
die Beschränkung der Kriegführung auf die kämpfenden
Streitkräfte zu ermöglichen«, und daß die Kaiserliche
Regierung entschlossen ist, allen ihren Seebefehlshabern
die Beschränkungen nach den anerkannten
völkerrechtlichen Grundsätzen aufzuerlegen, auf denen
II. Kriegsgeographie und Kriegsgeschichte
die Regierung der Vereinigten Staaten in all den
Monaten bestanden hat, seit die Kaiserliche Regierung
am 4. Februar 1915 ihre jetzt glücklicherweise aufgegebene
Unterseepolitik ankündigte.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich
in ihren geduldigen Bemühungen um einen freundschaftlichen
Ausgleich der aus jener Politik erwachsenen
kritischen Fragen, welche die guten Beziehungen
wischen den beiden Ländern so ernst bedrohten, besüänoig
durch Beweggründe der Freundschaft leiten
und zurülckhalten lassen. Die Regierung der Vereinigten
Staaten wird sich darauf verlassen. daß die jetzt
geänderte Politik der Kaiserlichen Regierung hinfort
eine gewissenhafte Ausführung finden wird, die die
hauptsächliche Gefahr für eine Unterbrechung der
uten, zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschand
bestehenden Beziehungen beseitigen wird. Die
Regierung der Vereinigten Staaten hält für notwendig,
zu erklären, daß sie es für ausgemacht ansieht,
daß die Kaiserliche Regierung nicht beabsichtigt, zu
verstehen zu geben, daß die Aufrechterhaltung der
neuangekündigten Politik in irgendeiner Weise von
dem Verlauf oder Ergebnis diplomatischer Verhandlungen
zwischen der Regierung der Vereinigten
Staaten und irgendeiner anderen kriegführenden Regierung
abhänge, obwohl einige Stellen in der Note
der Kaiserlichen Regierung vom 4. d. Mts. einer solchen
Auslegung fähig sein könnten.
Um jedoch die Möglichkeit eines Mißverständnisses
zu vermeiden, teilt die Regierung der Vereinigten
Staaten der Kaiserlichen Regierung mit, daß sie keinen
Augenblick den Gedanken in Betracht ziehen, geschweige
denn erörtern kann, daß die Achtung der
Rechte amerikanischer Bürger auf der hohen See von
seiten der deutschen Marinebehörden in irgendeiner
Weise oder in geringstem Grad von dem Verhaltrn irgendeiner
anderen Regierung, das die Rechte der Neutralen
und Nichtkämpfenden berührt, abhängig gemacht
werden sollte. Die Verantwortlichkeit in diesen Dingen
ist getrennt, nicht gemeinsam, absolut, nicht relativ.
Die Einschränkungen, die sich Deutschland in der Verwendung
seiner Kampfmittel zur See auferlegte, ließ die deutsche
Regierung Ende Januar 1917 infolge der durch die Ablehnung
des Friedensangebotes verschärsten Lage fallen und führte vom
1. Februar an den uneingeschränkten U-Bootkrieg durch, den sie
den neutralen Staaten durch nachstehende Denkschrift ankündigte.
Denkschrift der deutschen Regierung über Verschärfung
des Unterseeboptkrieges vom 31. Januar
.
VomLFebruarWUabwirdindennachstehendbes
zeichneten Sperrgebieten um Großbritannien, Frankreich
und Italien herum und im östlichen Mittelmeer
jedem Seeverkehr ohne weiteres mit allen Waffen entgegengetreten
werden. Solche Sperrgebiete sind:
a) im Norden ein Gebiet um England und Frankreich,
das begrenzt wird durch eine Linie in 20
Seemeilen Abstand längs der holländischen Küste
bis Terschelling-Feuerschiff, den Längengrad von
Terschelling-Feuerschiff bis Udsire, eine Linie
von dort über den Punkt 62 Grad Nord 0
(Null) Grad Länge nach 62 Grad Nord 5 Grad
West, weiter zu einem Punkt 8 Seemeilen südlich
der Südspitze der Färder, von dort über 62
Grad Nord 10 Grad West nach 61 Grad Nord
15 Grad West, dann 57 Grad Nord 20 Grad
West bis 47 Grad Nord 20 Grad West, weiter
nach 45 Grad Nord 15 Grad West, dann auf